Schüßler Salze: Sanfte Mittel für Schwangere und Kinder?

Alternative Heilmittel wie Schüßler Salze sind bei Müttern beliebt, weil sie als natürlich gelten. Doch Wissenschaftler bezweifeln ihre Wirksamkeit. Lehre und Kritik im Überblick

von Daniela Frank, aktualisiert am 18.05.2017

Schüßler Salze sind Mineralstoffe in homöopathischen Dosen


Krankheiten sind Störungen im Mineralstoffhaushalt des Körpers, so die Ansicht von Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler. Der Arzt entwickelte im 19. Jahrhundert eine Mineralsalz-Therapie, von ihm auch "Biochemie" genannt, die noch heute viele gegen die verschiedensten Beschwerden einsetzen. Die zwölf Heilsalze sollen laut der Theorie den Mineralien-Mangel in den Körperzellen beheben und so den Mineralstoffhaushalt wieder ins Gleichgewicht bringen.

Zunutze gemacht hat sich Schüßler dabei das homöopathische Prinzip der Potenzierung: Genau wie bei homöopathischen Mitteln ist der Wirkstoff in Schüßler Salzen stark verdünnt, jedoch nur in den Potenzen D6 und D12. Außerdem gibt es im Gegensatz zu den unzähligen Mitteln der Homöopathie nur zwölf Schüßler Salze. Dr. Schüßlers Ziel war es nämlich auch, der umfangreichen und komplexen homöopathischen Lehre eine einfachere Behandlungsweise gegenüberzustellen. Später fügten seine Anhänger jedoch noch fünfzehn weitere Salze hinzu.

Schüßler Salze sollen Selbstheilungskräfte anregen

Schüßler setzte seine Mineralsalze nicht, wie in der Homöopathie, nach dem Prinzip "Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt" ein – das bedeutet, eine Krankheit wird mit einem Mittel behandelt, das bei einem Gesunden ebendiese Krankheit auslösen würde. Schüßler Salze sollen stattdessen die Selbstheilungskräfte des Körpers auf andere Weise anregen: Der Gedanke ist, dass der winzige Bestandteil des Wirkstoffes in den Tabletten, Tropfen oder Globuli ausreicht, um dem Körper einen Impuls zu geben, den Mangel an diesem Stoff selbst auszugleichen. Die Mittel sollen nach Schüßlers Lehre auch bei anderen Störungen des körperlichen und seelischen Wohlbefindens helfen und die fehlende Harmonie im Organismus wiederherstellen.

Kritik an Schüßler Salzen: Wirkungslos

Über die Wirksamkeit von Schüßler Salzen – wie auch über die von Bach-Blüten, homöopathischen Mitteln und anderen alternativen Heilmethoden – wird viel diskutiert. Zahlreiche Anwender berichten, dass ihnen die Mittel eindeutig geholfen haben. Dem steht ein Großteil der Mediziner und Wissenschaftler gegenüber, die darauf verweisen, dass Schüßler Salze nach dem aktuellen Kenntnisstand keine Wirkung haben. Was stimmt also? "Zu Schüßler Salzen gibt es keine aussagekräftigen Studien", sagt Professor Edzard Ernst. "Und alles was nicht belegt ist, sollte als unwirksam eingestuft werden – das ist ein wichtiger medizinischer Grundsatz."

Der Mediziner hat als Arzt früher selbst Patienten homöopathisch behandelt und wurde 1993 von der britischen Peninsula Medical School zum weltweit ersten Professor für Komplementärmedizin berufen. Seither hat er sich jedoch kritisch mit Alternativer Medizin auseinandergesetzt und viele Mittel und Heilweisen wissenschaftlich überprüft. Neben der Homöopathie und Bach-Blüten hält er Schüßler Salze für wirkungslos. Seiner Meinung nach könnten sie im Einzelfall sogar problematisch werden: "Wenn sie bei ernsten Erkrankungen eingesetzt werden, bleiben diese vielleicht unbehandelt", sagt Ernst.

Doch auch bei harmlosen Beschwerden sollten die Mittel seiner Ansicht nach nicht zur Selbstmedikation eingesetzt werden. Gerade dafür sind sie bei Schwangeren und jungen Müttern aber besonders beliebt. "Wir sollten nicht bei jedem Wehwehchen gleich irgendwelche Pillen einwerfen", sagt Ernst. Bei manchen Problemen hilft bereits Stressabbau, eine gesündere Ernährung oder eine Umstellung des Lebensstils. Und bei allen ernsthaften Beschwerden sowie bei Krankheiten sollte sowieso der Arzt der erste Ansprechpartner sein.

Die Schüßler Salze und ihre Einsatzgebiete:

Wichtig: Behandeln Sie Beschwerden oder Krankheiten nicht in Eigenregie, sondern lassen Sie sie vom Arzt abklären. Besprechen Sie die optimale Therapie mit ihm.


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