Alternative Medizin: Osteopathie

Mit ihren Händen spüren Osteopathen Störungen im Körper auf: Sie behandeln verschiedene Krankheiten – auch schon bei Babys
von Franziska Draeger, Julia Schulters, aktualisiert am 14.12.2015

Osteopathen versuchen, mit den Händen Beschwerden zu lindern

W&B/Silvia Lammertz

Für Osteopathen sind ihre Hände Diagnose­gerät und Behandlungswerkzeug in einem. Denn Osteopathie lindert Beschwerden durch Berührungen. Die Therapie soll bei den verschiedensten Funktionsstörungen im Körper helfen: von Rückenschmerzen bis zu Hautkrankheiten.

Die Methode: Die Osteopathie wurde im 19. Jahr­hundert vom US-Arzt Andrew Taylor Still entwickelt. Er sah den Körper als untrennbare Einheit, in dem alle Strukturen beweglich sein müssen. "Ist eine Struktur – etwa ein Gelenk oder eine Nervenbahn – eingeschränkt, stört das ihre Funktion und beeinträchtigt andere Bereiche", erklärt Dr. med. Kilian Dräger, Osteo­path in Hamburg.

Selbstheilungskräfte des Körpers anregen

Er fahndet durch Tasten nach der Ursache eines Symptoms wie das Dauerschreien eines ­Babys. Ist ein Gelenk eingeschränkt beweglich, versucht der Osteopath durch Druck und Zug den Spielraum zu vergrößern und so die Selbstheilungskräfte des Körpers zu unterstützen.

Die Studienlage: In der Osteopathie liegen bislang nur für wenige Probleme Belege aus genügend großen klinischen Studien vor. Einzelne Studien zeigen Erfolge bei Erwachsenen mit Rücken- und Knieschmerzen sowie bei Schrei­­babys und Babys mit angeborenem Schiefhals oder Säuglingsasymmetrie. Oft sind in Studien aber nur wenige Patienten eingeschlossen.

Osteopathie: Wirkungsweise noch nicht geklärt

Auch bleibt unklar, welche Rolle die Zuwendung des Therapeuten bei der Linderung von Beschwerden spielt. "Noch gibt es keine medizinisch nachvollziehbaren Erklärungen, wie Osteopathie bei den bisher erfolgreichen Studien den Körper beeinflusst", sagt Prof. Dr. med. Karl-Ludwig Resch vom Deutschen Institut für Gesundheitsforschung in Bad Elster. Doch hält er Osteopathie im Grundsatz für vielversprechend: "Sie berücksich­tigt Strukturen, die die Schulmedizin außer Acht lässt."

Risiken und Nebenwirkungen: Leichte Nebenwirkungen sind etwa Kopfweh oder Schmerzen. Sie sollten nach einem Tag weg sein – und bei Kindern kaum auftreten, da die Behandlung meist sanfter ist. In Einzelfällen soll es zu Gefäßschäden gekommen sein. Das Problem: So mancher, der osteopathisch behandelt, hat nur eine Kurzzeitausbildung. Das ist viel zu wenig. Dräger sagt: "Ein Osteopath braucht ­eine fundierte, mindes­tens fünfjährige Ausbildung. Das ist der beste Fall." Gut ausgebildete Spezialisten finden Eltern zum Beispiel über den Verband der Osteopathen Deutschland.

Die Kosten: Eine Sitzung kos­tet zwischen 50 und 150 Euro. Einige Krankenkassen übernehmen die Kos­ten ganz oder teilweise.


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