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Verträgt mein Baby keine Muttermilch?

Wenn gestillte Babys Durchfall, Haut- oder Atemprobleme haben, ist oft von Laktoseintoleranz und Kuhmilchallergie die Rede – zwei völlig unterschiedliche Phänomene

von Tina Haase, aktualisiert am 17.06.2019
Mutter tröstet Baby

Bauchweh? Magen-Darm-Probleme beim Baby können auf eine Allergie hinweisen


Muttermilch enthält alles, was ein Baby in den ersten Monaten benötigt. Schwer vorstellbar, dass manche Kinder sie nicht vertragen. Dies kann der Fall sein, wenn ein Säugling auf Kuhmilchbestandteile in der Muttermilch reagiert. Generelle Anzeichen dafür können allergische Hautreaktionen oder Magen-Darm-Probleme sein. Dahinter können zwei Phänomene stecken: eine Kuhmilcheiweißallergie oder eine Milchzuckerunverträglichkeit. "Bei der Allergie reagieren gestillte Kinder auf das Kuhmilcheiweiß und zeigen in erster Linie Reaktionen an der Haut. Bei einer Unverträglichkeit auf Milchzucker reagieren die Säuglinge mit Magen-Darm-Problemen", sagt Prof. Dr. Bodo Niggemann, ehemals kommissarischer Direktor der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie an der Charité Berlin.

Ungefähr ein Prozent der Babys leidet unter einer Kuhmilcheiweißallergie. Wie viele Säuglinge Milchzucker nicht vertragen, lässt sich schwer sagen, da sie damit oft nur kurzzeitig Probleme haben. Die gute Nachricht: Die meisten Kinder können weiter gestillt werden. Allerdings müssen einige Mütter ihre Ernährung umstellen.

Kuhmilchallergie kann Auslöser von Neurodermitis sein

Leidet das Kind unter Hautreaktionen wie Neurodermitis und hat es eventuell auch Atemwegsprobleme, liegt der Verdacht einer echten Kuhmilchallergie nahe. Tatsächlich kommen Nahrungsmittelallergien vor allem bei jungen Säuglingen mit schwerer Neurodermitis zum Tragen. Die Kuhmilchallergie zählt zu den häufigsten Allergien im Säuglingsalter. Außerdem kann ein Baby beispielsweise auch auf Hühnerei, Erdnuss, Weizen oder Fisch reagieren.

Aufschluss gibt etwa der Haut-Prick-Test: Der Arzt trägt verschiedene Allergene auf die Haut auf und ritzt sie an. Quaddeln zeigen an, dass das Baby auf den jeweiligen Stoff allergisch reagieren könnte. Die zumeist gewählte Alternative ist die Bestimmung der Allergie-Antikörper im Blut des Säuglings. Ein oraler Provokationstest in der Klinik überführt endgültig auslösende Allergene. "Bestätigt sich der Verdacht einer Kuhmilcheiweißallergie, sollte die Mutter in der Stillzeit auf Kuhmilcheiweiß verzichten", sagt Niggemann (siehe Kasten). Auch später darf das Kind über die Beikost und Familienkost keine Kuhmilch bekommen.

Durchfall: Unverträglichkeit oder Allergie?

Hat das Kind ausschließlich Magen-Darm-Probleme wie Durchfall, Erbrechen und Blähungen, ist eine Milchzuckerunverträglichkeit viel wahrscheinlicher als eine Allergie. "Es gibt allerdings auch Reaktionen, die auf das Kuhmilcheiweiß zurückzuführen sind, aber nicht von Allergie-Antikörpern ausgelöst werden", so der Experte. "Früher nannte man sie Proteinunverträglichkeiten, seit einiger Zeit gelten sie aber auch als Allergien." Die Symptome dieser nicht durch das Immunglobulin E (IgE) vermittelten Reaktionen sind ähnlich wie bei der Laktoseunverträglichkeit.

Finden sich keine Anzeichen für eine echte Kuhmilchallergie, kann die Mutter in enger Absprache mit dem Arzt testen, ob das Kind auf eine Ernährungsumstellung reagiert: Zunächst kann sie ein paar Tage Milchprodukte weglassen und beobachten, wie es dem Baby geht. Dann trinkt sie ein paar Tage lang nur laktosefreie Milch, in der ja Kuhmilcheiweiß vorhanden ist, aber kein Milchzucker. "Verträgt das Baby laktosefreie, aber keine laktosehaltige Milch, dann hat es keine Kuhmilcheiweißallergie, sondern eine Milchzuckerunverträglichkeit", erklärt Niggemann.

Unverträglichkeit kann vorübergehend sein

Bis zu 20 Prozent der Deutschen leiden unter einer Milchzuckerunverträglichkeit. Doch vor dem vierten oder fünften Lebensjahr tritt diese nur selten auf. Erst mit zunehmendem Alter nimmt die Produktion des Milchzucker spaltenden Enzyms Laktase bei vielen Menschen ab. Sie vertragen nur noch wenig oder gar keine Laktose mehr. Einige Säuglinge und Kleinkinder leiden aber unter einer vorübergehenden Unverträglichkeit, ausgelöst durch Magen-Darm-Infekte oder Antibiotikatherapien.

"In den seltenen Fällen, in denen eine Milchzuckerunverträglichkeit schon während des Stillens auftritt, hilft es, wenn sich die stillende Mutter laktosefrei ernährt", sagt Niggemann. So gelangt kein Kuhmilchzucker mehr in die Muttermilch. Die eigene Laktose der Muttermilch können die Babys meist verarbeiten. Hilft es nicht, wenn die Mutter auf Milchzucker verzichtet, ist laktosefreie Säuglingsmilch eine Alternative zur Muttermilch. Nach ein paar Wochen oder Monaten kann man testen, ob das Baby wieder mehr Laktose verträgt.

Bei der extrem seltenen Alaktasie muss man ein Leben lang auf Laktose verzichten. Kinder mit diesem Gendefekt können überhaupt keine Laktose verarbeiten und leiden schon in den ersten Lebenswochen an schweren Durchfällen. Die Mutter muss sofort abstillen.

Spezialnahrung für kleine Allergiker

Was ist mit Kuhmilchallergikern, die nicht mehr gestillt werden? Sie bekommen eine Spezialnahrung. "Extensiv hydrolisierte Milch enthält nur winzige Kuhmilch-Bestandteile, die vom Immunsystem nicht erkannt werden und in der Regel keine Symptome mehr auslösen", erklärt Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Bode aus Kiel. Eine Alternative sind Aminosäurenformula, die aus kleinsten nicht allergenen Eiweißen bestehen. Beide gibt es in der Apotheke – auf Rezept, wenn eine Allergie nachgewiesen ist. Die Krankenkassen erstatten sie in der Regel.

Die Allergie auf Kuhmilcheiweiß verschwindet meist nach wenigen Jahren von allein. Der Arzt testet daher nach einer Weile, ob das Kind noch allergisch ist. Die nicht über Antikörper ausgelöste Allergie vergeht oft bereits nach einem Jahr, die Kuhmilchallergie meist bis zum Schulalter.

Bei Milchverzicht Kalziummangel vorbeugen

Verträgt das Baby kein Kuhmilcheiweiß, muss die stillende Mutter oft Milch aus ihrem Speiseplan streichen. Das ist eine Herausforderung, weil Milch in so vielen Produkten vorkommt. Die Frauen sollten sich von Ernährungsexperten schulen lassen, auch um sich weiterhin ausgewogen zu ernähren. "Einem Kalziummangel beugen sie zum Beispiel vor, indem sie kalziumreiches Mineralwasser und Gemüse wie Grünkohl, Spinat, Fenchel und Brokkoli zu sich nehmen", sagt die Kieler Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Bode.


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