ADHS
Diagnose

Ob ein Kind tatsächlich ADHS hat, sollte ein Fachmann klären. Tests und Fragebögen helfen, die Diagnose zu stellen
26.11.2015

Es existiert kein einzelnes Testverfahren, das ADHS zweifelsfrei beweisen könnte. Um die Diagnose zu sichern, sind verschiedene Schritte erforderlich. Gespräche, Beobachtungen und Fragebögen gehören ebenso dazu wie eine ausführliche körperliche Untersuchung.

Der behandelnde Arzt sollte unbedingt Erfahrung mit der Diagnose und Therapie von ADHS haben. In der Regel sind spezialisierte Psychologen und Kinderärzte, Kinder- und Jugendpsychiater sowie Kinder- und Jugendpsychotherapeuten geeignete Ansprechpartner. Nicht selten ist es erforderlich, dass Spezialisten verschiedener Fachrichtungen zusammenarbeiten.

Gespräche und Beobachtung

Zunächst wird sich der Experte mit den Eltern und eventuell auch mit dem Kind ausführlich unterhalten. Er erkundigt sich nach seinem Verhalten, nach speziellen Problemen in der Schule oder im Elternhaus. Sind die Eltern einverstanden, befragt er auch Lehrer, Erzieher oder andere wichtige Bezugspersonen nach ihren Eindrücken. Die Krankengeschichte des Kindes ist wichtig, ebenso Informationen zum Verlauf der Schwangerschaft und der Geburt.

In der Regel macht sich der Experte außerdem selbst ein Bild vom Verhalten des Kindes in verschiedenen Situationen. Oft bietet das Gespräch bereits die erste Gelegenheit dazu.

Verschiedene internationale Klassifikationen definieren, welche Kriterien für ADHS sprechen, zum Beispiel die Klassifikation nach ICD-10, herausgegeben von der Weltgesundheitsorganisation und die Klassifikation nach DSM-IV, dem diagnostischen und statistischen Handbuch psychischer Störungen der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft. Sie definieren in ähnlicher Art und Weise typische Merkmale und dienen Experten als Basis  für ihre Diagnose.

Tests und Fragebögen

Verschiedene psychologische Fragebögen helfen, die Symptome präziser zu erfassen. In der Regel testet der Experte zusätzlich die intellektuellen Fähigkeiten des Kindes mit standardisierten Tests. Das ist wichtig, denn eine stark verminderte Intelligenzleistung verlangt ein anderes therapeutisches Vorgehen.

Auch der Entwicklungsstand des Kindes im Vergleich zu seinen Altersgenossen wird untersucht. Kann es beispielsweise altersgerecht schreiben und rechnen? Oder braucht es hier besondere Unterstützung? Entsprechen seine sozialen Fähigkeiten denen Gleichaltriger? Auf diese Fragen wird besonderes Augenmerk gelegt, da ADHS nicht selten mit Teilleistungsschwächen und Störungen des Sozialverhaltens in Verbindung steht.

Untersuchungen

Das Kind sollte immer auch gründlich ärztlich untersucht werden. Denn es müssen unbedingt Erkrankungen ausgeschlossen werden, die Ursache des auffälligen Verhaltens sein könnten, beispielsweise Schilddrüsenstörungen, Epilepsien, Hör- oder Sehstörungen. Wichtig ist auch, dass keine psychischen Krankheiten übersehen werden wie Depressionen, eine Schizophrenie oder eine Borderline-Störung. Der Experte muss außerdem klären, ob Medikamente als Auslöser infrage kommen.

Manchmal sind weitere Diagnoseschritte erforderlich wie Blutabnahmen, Aufnahmen des Gehirns oder eine Messung der Hirnströme (EEG).


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