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Mein Kind lernt sprechen

Kinder auf Sprachentdeckungsreise: Vom brabbelnden „Dada“ bis hin zum ganzen Satz ist es ein weiter Weg. Wie ihr Kind sprechen lernt und wie Sie es fördern können, erfahren Sie hier


War das ein "Mama"? Sprachentwicklung ist spannend für Kind und Eltern.

„Mama“, „Auto“, „Ball“ – Eltern zerspringen meist vor Glück und Stolz, wenn ihr Sprössling die ersten Worte sprechen kann. Und dann geht es Schlag auf Schlag. Jeden Tag kommen neue Wörter hinzu. Im Alter von etwa vier Jahren kann beinahe jedes Kind flüssig sprechen. Und die Eltern können sich kaum mehr vorstellen, dass es jemals anders gewesen ist.

Die erste Kommunikation

Am Anfang war das Wort? Nicht ganz. Noch bevor Kinder die ersten Worte von sich geben, können sie bereits durch Lautbildungen kommunizieren. Säuglinge beginnen damit schon in den ersten Monaten. Ein Glucksen, ein Fiepen, ein Wimmern, ein Schreien – Säuglinge wissen bereits sehr früh ihre Bedürfnisse wie Hunger, Schmerz oder Müdigkeit zu äußern. Die meisten Mütter erkennen bereits am unterschiedlichen Tonfall des Raunzens oder Schreiens, was ihr Kind will. Das Baby entwickelt schnell ein großes Repertoire an Geräuschen. Durch die entsprechenden Reaktionen der Erwachsenen auf die jeweiligen Laute gelingt es ihnen schnell, den Wiederholungsmodus zu aktivieren.


Wie geht’s weiter?

Nach dem Schreien, Gurgeln und Giggeln beginnt das Baby bereits im Alter von vier Monaten zu brabbeln. Es versucht die Zunge ins Spiel zu bringen, entdeckt Schnalzgeräusche, experimentiert mit der vorhandenen Sprechmuskulatur, spielt mit Lauten und erforscht –  zum Leidwesen der Eltern – die verschiedenen Lautstärken.

Etwa ab dem sechsten Monat ergeben zwar die aneinander gereihten Brabbellaute noch keinen wirklichen Sinn, aber oft haben Eltern schon den Eindruck so etwas wie sprachliche Intonation zu erkennen. Sie täuschen sich nicht: Kinder in diesem Alter sind bereits aufmerksame Zuhörer und eifrige Nachahmer. Töne und Sprachmodulationen können schon fast nach richtiger Sprache klingen. Auch wenn es meistens nur aneinander gereihte Silbenwiederholungen sind – wie etwa „Dadada“, das so genannte „kanonische Lallen“.

Mit einem Jahr geht’s richtig los!

Die meisten Kinder bilden ihre ersten Wörter ab einem Alter von ungefähr einem Jahr. Einfache ein- oder zweisilbige Wörter sind das erste, was Kleinkinder dabei über die Lippen bringen und auch mit Bedeutung versehen. Die Klassiker sind „Mama“ und „Papa“, was selbige natürlich um so mehr freut. Und diese Freude motiviert natürlich das Kind wiederum, weitere Worte zu lernen.

Mit einem Alter von eineinhalb bis zwei Jahren erweitert sich der Wortschatz, meist noch Substantive, dann explosionsartig. Ein Fingerzeig auf den jeweiligen Gegenstand und das dazu passende Wort – so entdecken Kleinkinder die Welt der Sprache. In diesem Zeitraum lernen die Kleinen oft bis zu zehn Wörtern und mehr am Tag. Auch die ersten Zwei-Wort-Sätze werden schon gebildet. „Mama kommen“ oder „Bär schlafen“ sind aufregende Schritte in das Reich der Kommunikation.

Mit etwa zwei Jahren nehmen sich die Kinder als Individuum wahr und sie beginnen sich selbst in die Sprache mit einzubeziehen. Langsam bereichern Fürwörter wie „ich“ und „du“ den Wortschatz. Auch Drei-Wort-Sätze kommen schon leichter über die Lippen. Ein energisches „Ich habe Hunger!“ zeigt also, dass ihr Kind auf dem richtigen sprachlichen Weg ist.

Ab dem dritten Geburtstag kann man davon ausgehen, dass die meisten Kinder sich schon richtig unterhalten können. Sie beantworten Fragen, verstehen komplexere Satzgebilde, intonieren richtig, stellen selbst Fragen und lernen, wie man verschiedene Satzbetonungen nutzen kann.

Sprachprobleme

Natürlich läuft es nicht bei allen Kindern nach dem Paradebeispiel ab. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo, um sprechen zu lernen. Die einen reden mit zwölf Monaten schon wild drauf los, die anderen sprechen mit zwei Jahren noch relativ wenig. Das ist zuerst mal kein Grund zur Sorge. Wie mit dem Gehen lernen oder dem Sauberwerden ist es auch beim Sprechen: Haben Sie Geduld und geben Sie Ihrem Kind die Chance, sich in seiner eigenen Geschwindigkeit zu entwickeln.

In einigen Fällen ist der Gang zum Arzt allerdings unvermeidlich. Sollte ihr Kind beispielsweise bereits Hörschäden im Säuglingsalter haben, kann das dazu führen, dass es nicht einmal richtig anfängt zu brabbeln. Der Nachahmungseffekt geht vollkommen verloren, wenn das Kind mit Hörproblemen zu kämpfen hat. Auch das Weglassen oder auffällige Vertauschen von Konsonanten im späteren Alter kann auf Hörprobleme zurückzuführen sein. Ein Besuch beim Kinderarzt oder beim HNO-Arzt kann Aufschluss bringen. Bei rechtzeitiger Hilfe können Verzögerungen in der Sprachentwicklung schnell wieder aufgeholt werden.

Auch Stottern muss noch nicht heißen, dass das Kind ein Leben lang mit diesem Sprachdefizit leben muss. Manchmal sind die Kleinen noch so aufgeregt, wenn sie etwas erzählen möchten und bringen die Wörter gar nicht so schnell heraus wie der Kopf sie produziert. In diesem Fall sollten Eltern ihren Kindern unbedingt die Zeit geben, ihr eigenes Tempo zu finden und sie nicht ständig verbessern oder korrigieren. Wenn in einem Alter von etwa fünf Jahren allerdings immer noch eklatante Stotterprobleme auftreten, sollte man sich Rat vom Spezialisten holen.

Fördermöglichkeiten

Die beste Fördermöglichkeit, um Ihrem Kind die spannende Reise in die Welt der Sprache zu erleichtern ist wie so oft: das Vorleben. Reden Sie mit Ihren Kindern, lesen Sie Ihnen vor, beziehen Sie sie in Gespräche mit ein. Kinder finden es interessant, Sprache zu entdecken und werden immer mutiger und selbständiger im Nachahmen, je mehr Sprache sie hören und erleben. In Reimen und Kinderliedern lernen Kinder ein Empfinden für die sprachliche Melodie zu entwickeln.

Leben Sie die emotionale Bindung, die durch Sprache entstehen kann, vor, indem sie im Dialog auch ihre Mimik und ihre Gestik einsetzen. Sprache bedeutet Freiheit, Willensäußerung und Selbstbehauptung. Das können Sie Ihren Kindern in ganz einfachen Beispielen demonstrieren: Wenn ich etwas im Restaurant bestelle, bekomme ich etwas. Das ist ein Anreiz, den Kinder nachmachen wollen.

Ermutigen Sie ihr Kind! Kritisieren Sie es nicht ständig, wenn es einmal ein Wort falsch sagt. Das wirkt nur frustrierend und lähmend auf die kleinen Sprachentdecker. Wenn statt „Paprika“ ein ungestümes „Preka“ kommt, dann akzeptieren Sie das auch. Im Laufe der Zeit gelingt die richtige Aussprache ganz automatisch.




Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Goodshot

Sandra Schmid / www.baby-und-familie.de; aktualisiert am 01.06.2011, erstellt am 24.09.2002
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Goodshot

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