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Kinder fit für die Schule machen

Das gesamte letzte Kindergartenjahr fiebern die Kleinen gespannt diesem Augenblick entgegen: dem ersten Schultag! Wie Sie Ihr Kind am besten darauf vorbereiten, erfahren Sie hier


Alles gar nicht so einfach! Der Schuleintritt markiert einen neuen Lebensabschnitt.

Es ist ein neuer Lebensabschnitt. Ein Lebensabschnitt, der mit großen Erwartungen, nervösen Blicken, einer gefüllten Schultüte und einem viel zu groß erscheinenden Schulranzen beginnt. So einprägsam und bedeutend ist dieser erste Schultag, dass sich die meisten Erwachsenen noch sehr gut an diesen aufregenden Morgen in ihrer Kindheit erinnern.

Auch Ihr kleiner ABC-Schütze wird diesen Moment mit Spannung erwarten. Wie wird meine Lehrerin sein? Neben wem werde ich sitzen? Was werde ich alles erleben? Doch bevor es soweit ist und die Kleinen das erste Mal die Schulbank drücken dürfen, gilt es gewisse Vorbereitungen zu treffen und Entscheidungen zu fällen.


Medizinische Vorbereitung

Zwischen dem 60. und 64. Monat (also zwischen fünf und fünfeinhalb Jahren) steht beim Kinderarzt die U9-Untersuchung an. Der bevorstehende Eintritt in die Schule wird hierbei stark berücksichtigt. Es gilt – neben den körperlichen Untersuchungen – einerseits die motorischen Fähigkeiten zu überprüfen, andererseits auch die sozialen und sprachlichen Kenntnisse abzuchecken. Ein Seh- und Hörtest gehören ebenfalls zu dieser wichtigen U-Untersuchung. Entwicklungsdiagnostisch prüft der Arzt, ob das Kind beispielsweise schon seinen Vornamen schreiben, kleine Rechenaufgaben lösen oder logisch und in richtiger zeitlicher Reihenfolge erzählen kann. Geistige und auch seelische Reife werden in dieser Groß-Anamnese im Hinblick auf die bevorstehende Einschulung eingehend untersucht.

Außerdem gibt es vor dem Besuch der ersten Klasse noch die so genannte Schuleingangsuntersuchung. Diese unterscheidet sich zwar von Bundesland zu Bundesland, gemein ist allen Konsultationen allerdings, dass ein Mediziner die körperlichen und sozialen Fähigkeiten der Kinder beurteilt. Auch eine Beratung der Eltern insbesondere bei gesundheitlichen Störungen und Entwicklungsverzögerungen – einschließlich der möglichen Förder- oder Therapiemaßnahmen – gehört bei diesem Termin dazu. Den Eltern werden wichtige Fragen beantwortet: Ist mein Kind seinem Alter entsprechend entwickelt? Wie sind Grob- und Feinmotorik ausgebildet? Kann es leichte Aufgaben verstehen und umsetzen? Friederike Schnelle-Merkel, Schulärztin aus Hamburg sagt: „Genauso wichtig wie die körperlichen Voraussetzungen sind die seelischen. Ein Kind muss in der Lage sein, sich mehrere Stunden außerhalb des Elternhauses wohl zu fühlen, um sich in eine Gruppe einzuordnen.“

In der Regel bringen sowohl die U9-Untersuchung als auch der Schuleignungstest den Kindern Spaß. Sie dürfen den Erwachsenen zeigen, was sie können. Schnelle-Merkel warnt allerdings: „Es ergibt keinen Sinn, das Kind auf den Test vorzubereiten. Das Ergebnis soll echt und unverfälscht sein. Nur so entsteht ein realistisches Bild.“

Lust auf Schule


Nach den Gesundheits- und Entwicklungs-Checks bei den Minis liegt es weiterhin an den Eltern, ihre Kinder auf den großen Tag vorzubereiten. Dabei gilt es, dass die Neu-Eleven so unvoreingenommen wie möglich in diesen neuen Lebensabschnitt treten können. Deswegen sollten Eltern es unter allen Umständen vermeiden, Angst vor der Schule zu schüren. Erzählungen von der womöglich eigenen schrecklichen Schulzeit und Aussagen wie „Du wirst schon sehen, in der Schule weht ein anderer Wind!“ sind dabei kontraproduktiv.

Grundschullehrerin Verena Stahl von der Martin-Kneidl-Volksschule in München rät: „ Das Wichtigste ist, dass die Kleinen sich auf die Schule freuen". Eltern sollten ihrem Kind erzählen, was an dem großen Tag passieren wird. Wenn Sie selbst schlechte Erfahrungen in der Schule gemacht haben, behalten Sie diese lieber für sich. So kann Ihr Kind unbelastet in die Schule starten.

Vorzeitige Einschulung


Für manche Eltern ist der Ausbildungsplan schon beschlossene Sache: Sie möchten ihr Kind so früh wie möglich in die Schule geben, um ihnen somit einen vermeintlichen Vorsprung in der Zukunft zu verschaffen. Oder sie sind der Meinung, dass ihr Kind einfach schon so weit ist, um mit den älteren mit zu halten. Der Trend geht zur Früheinschulung. Aber macht diese frühe Einschulung auch in jedem Fall Sinn?

„Es gibt die Theorie,“ so Stahl, „dass die Kleinen mehr aufnehmen können, je jünger sie sind. Allerdings ist die Aussage nicht immer zutreffend, es hängt viel mehr von jedem einzelnen Kind ab.“ Haben Eltern also ein sehr aufgewecktes Kind, können sie natürlich über eine frühere Einschulung nachdenken. Am besten sollte man das aber im Vorfeld mit der Kindergärtnerin, der Schulärztin und der Schule besprechen.

Eltern müssen sich darüber im Klaren sein, dass eine frühe Einschulung nicht nur Vorteile mit sich bringt. „Die Kleinen müssen sich im Klassenverband durchsetzen können. Das fällt sehr jungen Kindern manchmal etwas schwer,“ weiß Lehrerin Stahl. Wenn sie auch noch schüchtern und verträumt sind, kann ein zusätzliches Kindergartenjahr den Einstieg in die Schulzeit erleichtern.

Schule ist nicht Kindergarten. Schule ist anstrengend. Auch wenn es anfangs nur wenige Stunden am Tag sind, so ist die geistige und soziale Herausforderung für fünf- oder sechsjährige Kinder immens groß: Zuhören, still sitzen, mitarbeiten und dabei ein Selbstbewusstsein im Klassenverband entwickeln. Ein Kind, das eine stabile Belastbarkeit hat und über ausreichend soziale Kompetenzen verfügt, wird sich in der Schule immer leichter tun als ein Kind, dass mit fünf Jahren in die erste Klasse kommt und ständig den Großen hinterher hecheln muss – sozial wie intellektuell. Das macht am Ende nicht Lust auf die Schule, sondern erhöht vielmehr den Frustfaktor.

Welche Schule ist dir richtige für mein Kind?

Normalerweise entscheidet in Deutschland das Sprengel-Verfahren, in welche Schule das Kind kommt. Ein immer wieder kritisiertes Prinzip, bei dem mitunter die Hausnummer darüber entscheidet, ob der Erstklässler in die tolle Ganztagesschule oder in die Schule mit dem schlechten Ruf gehen wird. Dieser Willkür, bei welcher der Wohnort über die Schule entscheidet, wollen sich viele Eltern nicht mehr aussetzen. Der Trend geht zur freien Schulwahl.

Eine breite Palette an privaten Schulmodellen macht dies möglich. Hier ein kleiner Überblick:

Regel-Grundschule


Die Kinder werden im Klassenverband unterrichtet. Es gibt einen Klassenlehrer und mehrere Fachlehrer. Das spielerische Lernen wird mit der Zeit durch ein systematisches ersetzt. Ziel ist es, die Selbstständigkeit zu fördern.

Vorteile: Viele Kindergärten arbeiten mit der örtlichen Grundschule zusammen. „Die Vorschulkinder besuchen eine Schulklasse und schnuppern ins Schulleben hinein“, erklärt Erziehungswissenschaftlerin Dr. Jutta Frotscher von der Technischen Universität Dresden. Kinder, die sich kennen, kommen oft in eine Klasse. Das macht den Anfang leichter für die Kleinen. Der Schulweg ist meist kurz.

Nachteile: Bei relativ großen Klassen kann manchmal nicht auf jeden Schüler speziell eingegangen werden.

Kosten: Es gibt kein Schulgeld, in einigen Bundesländern aber Büchergeld.



Montessori-Schule

„Hilf mir, es selbst zu tun“, lautet der Leitspruch. Der Lehrer kümmert sich um die individuellen Bedürfnisse eines jeden Schülers. Die Kinder haben viele Freiheiten und sollen so eigene Fähigkeiten entdecken. Schüler verschiedener Klassen sitzen in einem Raum.

Vorteile: Ängstlichen Kindern hilft, dass niemand kritisiert wird. „Die Disziplin soll von innen kommen, nicht vom Erzieher. Die Lehrer legen Wert auf eine ruhige, entspannte Arbeitsatmosphäre“, sagt Jutta Frotscher.

Nachteile: Jüngere Kinder überfordert die große Entscheidungsfreiheit – vor allem diejenigen, die noch viel Anleitung und Führung brauchen.

Kosten: Teils fällt eine Aufnahmegebühr an, dazu ein Monatsbeitrag, der von Schule zu Schule schwanken kann. Informieren Sie sich direkt bei der Schule, die Sie interessiert.



Waldorf-Schule

Bis zur zehnten Klasse gibt es keine Zensuren, stattdessen erhalten die Kinder detaillierte Berichte über Leistung, Begabung und Bemühen. Die Schüler können die Schule mit Abitur, mittlerer Reife oder Fachhochschulreife abschließen. Sie lernen von der ersten Klasse an zwei Fremdsprachen, eine davon ist immer Englisch. Den Schulen liegt die anthroposophische Philosophie Rudolf Steiners zugrunde. Er teilte Menschen in verschiedene Temperamente ein, denen entsprechend die Kinder angeleitet werden. Die Eltern organisieren mit Lehrern und Kindern viele Veranstaltungen neben dem Schulalltag.

Vorteile: Ohne Schulnoten droht auch kein "sitzen bleiben", das nimmt viel Druck. Soziale Aspekte und seelische Veranlagungen werden gefördert. „Der Unterricht ist künstlerisch ausgerichtet. Jedes Kind lernt ein Instrument, häufig gibt es Theater- oder Orchesteraufführungen“, so Frotscher.

Nachteile: Da es Noten erst ab der 10. Klasse gibt, wird der Übergang in die Leistungsgesellschaft nur aufgeschoben. Manche Schüler tun sich daher schwerer mit dem Abitur.

Kosten: Die staatlichen Zuschüsse decken die Kosten nicht. Beiträge von 80 bis 200 Euro im Monat werden fällig. Sie sind nach dem Einkommen gestaffelt und können regional variieren.



Internationale Schule

Der englischsprachige Unterricht basiert auf einem internationalen Lehrplan. Die Schüler besuchen die Einrichtungen oft vom Kindergarten an. Nach der 12. Klasse kann man das International Baccalaureate (IB) erlangen. Es berechtigt in vielen Ländern zum Studium.

Vorteile: „Die interkulturellen Einflüsse erziehen die Schüler zu Weltbürgern, statten sie mit zukunftsrelevanten Kompetenzen aus“, so Jutta Frotscher. Ein Schulwechsel ist einfach. Das hilft Familien, die oft umziehen.

Nachteile: Das Einzugsgebiet ist oft recht groß. Kinder müssen eventuell einen weiten Weg auf sich nehmen.

Kosten: Erhält die Schule staatliche Zuschüsse, liegen die Monatsbeiträge zwischen 100 und 200 Euro. Entfällt die Förderung, werden Beiträge von 1.000 bis 2.000 Euro fällig.

 




Bildnachweis: Thinkstock/Ablestock

Sandra Schmid / www.baby-und-familie.de; 20.04.2009, aktualisiert am 31.05.2011
Bildnachweis: Thinkstock/Ablestock

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