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Fläschchen statt Stillen?

Muttermilch ist zwar ideal für Babys. Aber nicht jede Mutter kann oder will stillen. Was Sie bei Säuglingsnahrung beachten sollten


Vorteil beim Fläschchen: Auch der Papa kann das Baby füttern

Offizielle Empfehlungen, zum Beispiel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), lauten: Wenn möglich sollten Mütter ihre Babys in den ersten Lebensmonaten stillen. Muttermilch ist für Säuglinge in dieser Zeit die ideale Nahrung. Denn sie enthält – bei ausgewogener Ernährung der Mutter – alles was das Baby braucht. Zudem gibt die Mutter mit der Milch auch noch Stoffe an das Baby ab, die nicht nur der Nährstoffzufuhr dienen: Unter anderem gehören dazu Antikörper, die das Kind vor bestimmten Infektionen schützen können.

Doch manche Mütter möchten nicht stillen, bei anderen klappt es nicht: Ob zu wenig Milch, eine entzündete Brust oder psychische Probleme – es gibt viele Gründe, warum Mütter Ihrem Baby nicht die Brust geben können oder vorzeitig abstillen müssen. Industriell produzierte Säuglingsnahrung ist dann die Alternative zur Muttermilch. Manche Stoffe wie die schützenden Antikörper sind darin zwar nicht enthalten, aber auch sie liefert dem Baby, was es zum Größerwerden braucht. Mütter müssen also kein schlechtes Gewissen haben, wenn es mit dem Stillen nicht klappt.


Säuglingsnahrung: Welche ist die richtige?

Entscheidend ist die Wahl der passenden Fläschchennahrung. „Unsere Ernährungsexperten empfehlen für Säuglinge, die nicht oder nicht voll gestillt werden, ausschließlich Anfangsnahrung, so genannte Pre- oder 1-Nahrung, die der Muttermilch stärker angenähert ist", so Dr. Sybille Lunau von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) aus Berlin. „Diese kann im gesamten ersten Lebensjahr gegeben werden und bietet dem Kind eine sichere Ernährung."

Für allergiegefährdete Säuglinge gibt es speziell konzipierte hypoallergene Produkte. Meist tragen sie die Abkürzung "HA" für hypoallergen auch im Namen. Wenn ein oder beide Elternteile eines Babys an Allergien, Neurodermitis oder Asthma leiden, sollte man mit dem Kinderarzt besprechen, ob man auf HA-Nahrung zurückgreifen sollte.

Spezialnahrung wie etwa Produkte mit zugesetzten Pro- oder Präbiotika sollten Sie nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt verwenden. Von selbst hergestellter Säuglingsanfangsnahrung raten Experten dringend ab. „Selbst zubereitete Nahrungen aus Kuh-, Ziegen-, Stuten- oder Schafsmilch sowie anderen Rohstoffen wie beispielsweise Mandelmilch können erhebliche Risiken für die Nährstoffversorgung des Säuglings nach sich ziehen", erklärt Lunau.

Keine Muttermilch im Internet kaufen

Muttermilch über Anbieter aus dem Internet zu kaufen, ist aus Sicherheits- und Qualitätsgründen nicht empfehlenswert. Experten warnen davor. „Wir raten mit Nachdruck von diesen Angeboten ab. Gesundheitsrisiken bestehen nicht nur durch Infektionserkrankungen der Spenderin, sondern auch durch Wirkstoffe aus Medikamenten, die eventuell von der Spenderin eingenommen wurden, woraus schwere Schäden beim Säugling entstehen können", sagt Lunau. Manche Kliniken verfügen hingegen über seriöse eigene Muttermilchbanken. Diese testen die Milch und bereiten sie auf. Allerdings ist diese Muttermilch üblicherweise vor allem für Frühchen vorgesehen.

Folgenahrung laut vielen Experten unnötig

Folgenahrungen haben zum Beispiel die Zusatzbezeichnung 2 oder 3. Sie eignen sich üblicherweise frühestens ab dem fünften Lebensmonat mit Einführen der Beikost. Ihre Zusammensetzung weicht stärker von der der Muttermilch ab, daher ist sie für junge Säuglinge nicht geeignet. Folgenahrung wird von vielen Experten für unnötig befunden.

Extra-Kuscheln für Fläschchenkindern

Viele Frauen, die nicht stillen können machen sich auch Sorgen um die Mutter-Kind-Bindung. Sie können Ihrem Liebling jedoch auch ohne zu stillen Nähe und Zärtlichkeit geben: Achten Sie auf viel Körperkontakt und ausgiebige Kuscheleinheiten beim Fläschchengeben.

Ein Vorteil, wenn der Säugling Fläschchen bekommt: Für die Ernährung des Babys ist nicht mehr die Mutter alleine zuständig. Wenn das Baby nachts aufwacht, kann abwechselnd auch mal der Papa ran. Das entlastet die Mama körperlich – und fördert gleichzeitig die Vater-Kind-Bindung.




Bildnachweis: PhotoDisc/ RYF

Sandra Schmid / www.baby-und-familie.de; aktualisiert am 25.03.2014, erstellt am 05.08.2005
Bildnachweis: PhotoDisc/ RYF

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