Wie erziehe ich richtig?

Klare Linien vorgeben, Werte vermitteln, aber dabei das Kind nicht einengen: Erziehung ist eine echte Herausforderung für Eltern

Gibt man in der Internetsuchmaschine das Wort „Erziehung“ ein, so erhält man ad hoc knapp sieben Millionen Treffer. In etwa so viele verschiedene Meinungen scheinen auch zu diesem Thema zu existieren. Wenn es darum geht, das Kind zu prägen und zu bilden, gibt es die unterschiedlichsten Ansichten, Forschungsansätze und nicht zuletzt Erfahrungen. Da bleibt es nicht aus, dass sich Eltern verunsichert fühlen, die richtigen Verhaltensweisen an ihre Kinder weiterzugeben. Denn, was ist schon richtig?

Mitten im Erziehungsdschungel

Es ist mühsam für Eltern, sich im Erziehungsdschungel mit all seinen Ratgebern und Fachbüchern zu Recht zu finden. Und wenn dann noch die Meinungen von Schwiegermutter und bester Freundin dazu kommen, fühlt man sich bald eher als Erzogener denn als Erziehender. Soll ich meinen zweijährigen Sohn jetzt loben oder tadeln, wenn er wichtige Unterlagen zum Aufwischen von Kirschsaft benutzt hat? Wie verhindere ich meinen inneren Schreikrampf, wenn die achtjährige Tochter nur noch in Bohlen-Deutsch mit mir spricht? Was kann ich tun, damit der siebenjährige Sohn aufhört, andere Kinder in der Schule zu vermöbeln?

Erziehung im Wandel der Zeit

Dass Opa noch ganz andere Antworten auf solche Fragen hatte, verwundert nicht. Während bis in die 60er Jahre in Deutschland noch Werte wie Disziplin, Unterordnung und Gehorsam das Erziehungsbild prägten, hat sich in den vergangenen 40 bis 50 Jahren ein vielmehr demokratischer Erziehungsstil durchgesetzt. Normen wie Selbstbestimmung, Förderung zur Selbständigkeit, Respekt vor dem Kind und nicht zuletzt die Ächtung von Gewalt am Kind sind die Basis einer bestmöglichen Erziehung. Ob nun autoritäre Erziehung oder alternative Stile im Sinne einer Laissez-faire-Mentalität: Den letztendlichen Anspruch auf das einzig Richtige und die letzte Wahrheit hat keine dieser Theorien gepachtet. Es empfiehlt sich – wie so oft: ein gesunder Mittelweg zwischen Regeln und Selbstbestimmung, vernünftiger Lenkung und dem Zugestehen von Kinderwünschen.

Was Eltern wollen

Das Kind fördern und unterstützen – das ist das primäre Ziel der Eltern. Ob man nun seine dreijährige Tochter in den Japanisch-Sprachkurs schickt oder sie einfach nackt im Garten durch den warmen Sommerregen laufen lässt – das sind Erziehungs-Details, die alle Eltern für sich entscheiden müssen. Einer der wichtigsten Ratschläge, den Experten Eltern bei Erziehungsfragen immer wieder geben: Setzen Sie sich nicht unnötig unter Druck! In einer Zeit, in der Meinungen und Diskussionsbeiträge auf Internetforen oder in Zeitschriften nur so auf die Elternschaft hereinprasseln, gilt es die Ruhe zu bewahren und sich nicht selbst die Erziehungs-Daumenschraube anzusetzen.

Aus diesem Grund und ganz bewusst nennt sich auch die große Baby und Familie-Serie: Entspannt erziehen. Denn nur, wer sich ohne Zwang und intuitiv auf die Charakterprägung seines Kindes einlassen kann, macht eine strukturierte, ehrliche und damit authentische Erziehung möglich. Um diese Authentizität zu gewährleisten und auch glaubhaft vor den Kindern zu sein, ist Konsequenz entscheidend. Ein ständiger Richtungswechsel in den Ansagen ist kontraproduktiv und lässt Kinder schnell orientierungslos werden.

Typische Erziehungsfragen

Dabei hat jedes Alter seine eigenen Verhaltens- und Erziehungshürden: Bei Babys gilt oft das Thema (Ein)Schlafen als eines der heikelsten. Während man auch hier noch vor 30 Jahren mit der Holzhammermethode das Kind alleine in den Schlaf schreien ließ, gibt es inzwischen Strategien und bewährte Methoden, um die Kleinen in einen gesunden Schlaf zu begleiten. Der Klassiker im Kleinkindalter ist dann: Wenn Kinder trotzen. Was tut man als Eltern, wenn der Wille des Kindes Mama und Papa zu beherrschen beginnt?

Diese und weitere Themen werden in unserer Serie Entspannt erziehen behandelt. Diplom-Psychologen und Pädagogen klären auf und geben Hilfestellungen. Aber auch immer wieder auftauchende Erziehungsfragen wie beispielsweise "Wie viel Lob verträgt ein Kind", "Wie viel Fernsehen darf es für Kinder sein?" oder "Computer schon im Kindesalter?" werden bei uns fundiert beantwortet.

Sandra Schmid / www.baby-und-familie.de / Baby und Familie, 01.06.2011