Das Kleine quengelt, hat eine verstopfte Nase, und die Temperatur ist erhöht. Kann man jetzt noch abwarten oder lieber nicht? Eine Entscheidungshilfe
Eigentlich ist es gar nicht so schwer zu erkennen, ob ein Baby eine Krankheit eingefangen hat. „Es verhält sich einfach anders als sonst", sagt Dr. Bernward Fröhlingsdorf, Kinder- und Jugendarzt in Bremen. Es mag vielleicht nichts mehr trinken, erbricht ein wenig, fühlt sich wärmer an als sonst oder weint scheinbar grundlos. Für die Eltern ist es jedoch nicht immer leicht einzuschätzen, ob sie mit ihrem Baby deshalb gleich zum Arzt gehen sollen. Um eine Entscheidung treffen zu können, müssen besorgte Mütter und Väter immer den gesamten Zustand ihres Kindes im Auge haben. Und noch etwas ist wichtig: Je jünger ein Kind ist, desto vorsichtiger sollten seine Eltern sein. Kinderarzt Fröhlingsdorf erklärt, wann es Zeit ist zu handeln:
Durchfall
Hat das Kleine mehrmals am Tag breiigen Stuhl in der Windel, ist das noch kein Grund, zum Arzt zu gehen – vorausgesetzt, es trinkt gut, hat kein Fieber und ist fröhlich. Steigt jedoch die Temperatur und will es plötzlich nichts mehr trinken, sollten Eltern sofort mit ihm zum Arzt. „Es ist auch sinnvoll, das Kind nach der ersten Durchfallwindel zu wiegen, damit man die Gewichtsentwicklung im Auge behalten kann", rät der Kinderarzt. Richtig wässriger Stuhl ist ein Zeichen dafür, dass das Kind viel Flüssigkeit verliert. Mag es außerdem nichts trinken, sollte ein Arzt es untersuchen. Gleiches gilt, wenn der Durchfall länger als 24 Stunden anhält, selbst wenn das Kleine dann noch lebhaft ist.
Erbrechen
Ein Baby, das ein paar Mal spuckt, aber ansonsten fröhlich ist, können Eltern zu Hause weiter beobachten. Hat es jedoch Fieber und/oder Durchfall, trinkt es schlecht, ist es eventuell berührungsempfindlich und sehr schläfrig, könnte die Ursache eine Hirnhautentzündung sein. Ein Arzt muss das Kleine sofort untersuchen. Ebenfalls schnell handeln sollten Eltern, wenn das Erbrechen im Zusammenhang mit einem Sturz des Babys auf den Kopf steht – ein Zeichen für eine Gehirnverletzung.
Dreimonatskoliken
Sind Mütter und Väter beunruhigt, weil Blähungen ihr Kleines quälen, sollten sie ihren Kinderarzt darauf ansprechen. Aber: „Wir sind mittlerweile überzeugt, dass diese Babys keine Blähungen haben, sondern Anpassungsschwierigkeiten", erklärt Fröhlingsdorf. Es fällt den nur wenige Wochen alten Säuglingen schwer, einen Rhythmus zu finden. Das Anziehen der Beinchen an den Körper sei daher kein Zeichen für Bauchschmerzen, sondern eine typische Geste, die das Schreien begleitet. Neugeborene brauchen deshalb viel Ruhe.
Fieber
Nicht nur die Höhe des Fiebers ist entscheidend, sondern auch seine Dauer. Hält es länger als drei Tage an, sollte der Kinderarzt das Baby anschauen. Tritt das Fieber mit Durchfall oder Erbrechen auf oder wirkt das Kind insgesamt sehr krank – bitte sofort zum Arzt. „Das Gleiche gilt, wenn das Kind apathisch ist und sich nicht gerne berühren lässt", so Fröhlingsdorf. Sorgen sich Eltern, weil das Fieber plötzlich über 39 Grad Celsius steigt, kann ein Anruf beim Kinderarzt klären, ob er das Baby vorsichtshalber untersuchen möchte.
Husten
Er beeinträchtigt die Kleinen meist nicht sehr. Ein Arzt sollte das Baby jedoch untersuchen, wenn es länger als zwei Tage regelmäßig hustet – einfach um abzuklären, ob es ein normaler Infekthusten ist. „Eltern sind immer wieder beunruhigt, weil ein solcher Husten nicht von heute auf morgen wieder verschwindet. Das ist aber ganz normal, und zehn Tage sind absolut im Rahmen", sagt Fröhlingsdorf. Viele Eltern haben die Sorge, dass eine Bronchitis hinter länger andauerndem Husten steckt. Doch eine Bronchitis, kann der Mediziner beruhigen, geht nicht einher mit Husten. „Die Kinder atmen dann schwer und kriegen schlecht Luft. Ganz typisch ist ein pfeifendes Geräusch beim Atmen."
Schnupfen
Schnieft das Baby nur leicht, kann man die Schleimhäute zwischendurch mit Meersalzlösung befeuchten. Wenn die Nase aber stark verstopft ist und das Kleine Schwierigkeiten beim Atmen hat, wird Schnupfen lästig. Das Kind schubst das Fläschchen weg, will nicht an die Brust oder spuckt den Schnuller aus. „Jetzt ist es Zeit, zum Kinderarzt zu gehen", rät Fröhlingsdorf. In der Regel verschreibt er abschwellende Nasentropfen.
Ausschlag
Zeigt sich beim Baby ein Ausschlag, muss Eltern das nicht gleich beunruhigen, vorausgesetzt, das Kind ist munter. „Sie können einen Tag abwarten und beobachten, ob der Ausschlag verschwindet", so Fröhlingsdorf. In der Regel bedeutet er nichts Ernstes. Erbricht sich das Kind jedoch zusätzlich und hat es Fieber, sollte das Kleine zum Arzt. Gleiches gilt, wenn das Kind zuvor Medikamente bekommen hat. Dann könnte eine Unverträglichkeit hinter dem Ausschlag stecken.
Was gilt für Neugeborene?
Im Prinzip das Gleiche wie auch für ältere Babys. Besonders sensibel sollten Eltern aber reagieren, wenn ihr wenige Tage oder Wochen altes Kind schlecht trinkt. Der Kinderarzt muss dann abklären, ob eine ernstere Erkrankung, etwa am Herzen, dahintersteckt. Und auch wenn ein Neugeborenes sehr viel spuckt und nicht zunimmt, sollte er sich das Kleine anschauen.
Im Notfall schnell handeln
Immer dann, wenn sich der Gesundheitszustand eines Babys plötzlich verändert, sollten Eltern mit ihm sofort zum Kinderarzt. Das kann akut einsetzendes Erbrechen sein, große Schläfrigkeit, Fieber in Kombination mit Erbrechen oder Ausschlag sowie unstillbares Schreien. Kommt die Veränderung außerhalb der Sprechzeiten des Arztes, sind der kinderärztliche Not- oder Bereitschaftsdienst oder Krankenhäuser die richtige Anlaufstelle. Meist erfahren Eltern dies über den Anrufbeantworter ihres Kinderarztes.
Barbara Weichs / Baby und Familie / Baby und Familie, 03.08.2011