Zyklus: "Männer reagieren auf Signale, die Gesundheit und Fruchtbarkeit anzeigen"

Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt. Viele Frauen fühlen sich als Opfer ihrer Hormone. Doch: Wer seine Zyklusphasen kennt, kann darauf gelassener reagieren

von Barbara Weichs, aktualisiert am 09.02.2016

Frauen fühlen sich an den fruchtbaren Tagen attraktiver

Plainpicture/Kniel Synnatzschke

Diese drei Buchstaben begleiten das Leben vieler Frauen: PMS. Denn die Folgen des prämenstruellen Syndroms spüren sie Monat für Monat: An den Tagen vor der Periode fühlen sie sich abgeschlagen, sind reizbar oder sogar depressiv, haben Bauchschmerzen. Dass die unterschiedlichen Hormonausschüttungen während des Zyklus auch positive Veränderungen hervorrufen, ist den meis­ten dagegen nicht bewusst. Dabei könnte das Wissen darum einem den Umgang mit der emotionalen Achterbahnfahrt erleichtern.

Wie? Darüber sprach Baby und ­Familie mit Dr. Susanne Röder, Verhaltensbiologin an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Die Wissenschaftlerin beschäftigt sich seit ihrer Diplom-Arbeit mit dem Zusammenhang zwischen Zyklus und weiblichem Verhalten.


Dr. Susanne Röder ist Verhaltensbiologin am Institut für Allgmeine Psychologie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

W&B/Privat

Frau Dr. Röder, wie wirkt sich der Zyklus auf das Verhalten der Frau aus?

Es ist schwierig, das zu pauschalisieren. Studien haben aber zum Beispiel gezeigt, dass sich Frauen an den fruchtbaren Tagen, also wenn das Östrogen im Körper ansteigt, attraktiver fühlen, mehr Interesse haben, sich schick anzuziehen und abends auszugehen. Diese Effekte spüren nur Frauen, die ­­einen natürlichen Zyklus haben und nicht hormonell verhüten. Außerdem weiß man, dass Männer sensibel für Unterschiede im Verhalten und Aussehen der Frau sind. An den Tagen um den Eisprung herum nehmen sie sie attraktiver wahr als an den unfruchtbaren Tagen. Solche Ergebnisse sind deshalb spannend, weil wir davon ausgehen, dass die Evolution die Männer für bestimmte Merkmale sensibel gemacht hat, die bei der Partnerwahl wichtig sind. Das heißt: Sie suchen ­eine Frau, mit der sie sich erfolgreich fortpflanzen können. Da uns das ja nicht auf die Stirn geschrieben steht, reagieren Männer auf Signale, die Gesundheit und Fruchtbarkeit anzeigen. Diese Attraktivitätsmerkmale entwickeln sich erst mit der Pubertät.

Nehmen Frauen denn selbst nicht wahr, wie sie sich unter dem Einfluss der Hormone verändern?

Kaum, auch die Männer ­stellen das ja nicht bewusst fest. Die ­wenigsten Frauen bringen Veränderungen in ihrem Aussehen, Verhalten und Empfinden mit den unterschiedlichen Hormonkonzentrationen während ihres Zyklus ­­zusammen. Sie blicken zwar morgens in den Spiegel und denken entweder "Wow!" oder "Oh je!". Sie stehen vor dem Kleiderschrank und greifen entweder zielstrebig ein Outfit heraus oder stellen fest, dass sie absolut nichts zum Anziehen haben. Dass diese ­extreme Bandbreite etwas mit den ­­Hormonen zu tun hat, sehen sie aller­dings nicht. Die meisten ­denken gar nicht groß darüber nach.

Weshalb ist das so?

Frauen wissen heutzutage kaum etwas über ihren Zyklus. Das merken wir, wenn wir für ­unsere Studien junge Frauen zwischen 18 und 35 Jahren allgemein zum Zyklus befragen, zum Beispiel wie lange er dauert. ­Manche antworten darauf "vier ­Tage", da sie Zyklus mit den ­Tagen der Blutung gleichsetzen.

Woran liegt das?

Die Möglichkeiten der hormonellen Verhütung spielen meiner Meinung nach eine große Rolle dabei. Viele Mädchen fangen schon im Alter von 13, 14 Jahren an, die Pille zu nehmen. Sie haben keine Gelegenheit, sich wirklich mit ihrem Zyklus auseinanderzusetzen, sondern greifen von Anfang an in diesen Mechanismus ein. Ich würde Eltern deshalb auch raten, sich gut zu überlegen, ob ihre Tochter schon so früh hormonell verhütet.

Aber bringt es tatsächlich etwas, mehr über den Zyklus zu wissen?

Es kann helfen, mit Gefühls- und Stimmungsschwankungen gelassener umzugehen. Dazu muss man sich diese Vorgänge aber zunächst vergegenwärtigen.

Wie könnte das konkret aussehen? Soll ich mir in meinen Kalender die verschiedenen Zyklusphasen eintragen?

Warum nicht, wenn es Ihnen hilft, ein Gespür für Ihren Zyklus zu bekommen? Wer über den natürlichen Regelmechanismus Bescheid weiß, wird sich dessen bewusster. Hören Sie auf Ihren Körper und spüren Sie die Symp­tome. Wenn Sie beispielsweise zickig oder übellaunig sind, könnte es Ihnen helfen zu sagen: "Ach komm, in zwei Tagen ist es wieder vorbei." Gutes Zureden funktioniert in vielen anderen Bereichen, warum nicht auch hier? Seit ich mich mit diesem ­Thema beschäftige, klappt das bei mir ganz gut. Wenn ich vor dem ­Spiegel stehe und mit meinem Äußeren hadere oder mit meinem Kleiderschrank in ­Diskussion trete, dann muss ich inzwischen schmunzeln und weiß, das geht bald wieder vorbei.

Könnte man sich denn das Wissen um die Stärken und Schwächen im Zyklus zunutze machen?

Zunutze machen ist schwierig. Verlegt man ein Vorstellungsgespräch von den unfruchtbaren auf die fruchtbaren Tage, weil man sich da besser fühlt und schlagfertiger ist? Es gibt sicher Frauen, die sich darauf einlassen können. Ich würde eher sagen: Von den Stärken und Schwächen zu wissen, kann schon ganz nützlich sein und manches leichter machen.

Was kann man der eigenen Tochter in Sachen Zyklus mitgeben?

Ich denke, dass eine Offenheit der Mutter in der Familie sicher dazu führt, dass auch die Tochter offener dazu eingestellt ist. Gesellschaftlich gesehen ist das Ganze aber schon noch ein Tabuthema. Dabei ist es das Normalste der Welt. Wir sollten uns einfach bewusst machen, dass wir ohne die Hormone und den Zyklus nicht in der Lage ­wären, Kinder zu bekommen.



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Bildnachweis: Plainpicture/Kniel Synnatzschke, W&B/Privat
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