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Wie groß ist die Ansteckungsgefahr im Wartezimmer?

Lauter Schniefnasen in einem Raum: Wie hoch ist beim Kinderarzt eigentlich das Risiko für das Kleine, sich anzustecken? Und worauf sollten Eltern achten, um Infekten vorzubeugen?


Keimschleudern im Wartezimmer: Wie leicht steckt sich das Kleine an?

Mikroskopisch klein und für das menschliche Auge unsichtbar sitzen sie im Wartezimmer und warten auf ihren Angriff: Viren und Bakterien. Beim Arzt haben sie scheinbar ideale Bedingungen: kranke Kinder, schwache Immunsysteme, Schnoddernasen neben Durchfallgeplagten. Welch Paradies für krank machende Keime! Geht man da am Ende mit einem gesunden Kind hin und einem kranken nach Hause? Das fragt man sich mitunter, wenn der Nachwuchs nur zur Vorsorgeunter­suchung oder zur Impfung in die Praxis muss. „Natürlich besteht eine gewisse Ansteckungsgefahr, aber man sollte sie nicht überbewerten“, beruhigt Dr. med. Tors­ten Spranger, niedergelassener Kinderarzt in Bremen. „Das Risiko, dass Kinder sich in der eigenen Familie oder im Kindergarten anstecken, ist viel größer.“


Sorgfältige Hygiene beugt vor

Zudem tun Sprechstundenhilfen, Ärzte und Reinigungskräfte alles, um Erkältungsviren und Durchfallkeime zu beseitigen. Obers­tes Gebot in jeder Arztpaxis: Hygiene. Sitzgelegenheiten, Tische und Bänke werden täglich gerei­nigt, Untersuchungsräume desinfiziert, Spielzeug in Seifenlauge eingeweicht. Aber auch Eltern können etwas beitragen, um Ansteckung zu vermeiden: „Den Kindern am besten vor und nach jeder Untersuchung die Hände waschen“, rät Spranger. Viele Keime wie etwa Noroviren werden nämlich durch Schmierinfektionen, also durch Berühren von Gegenständen wie Türklinken, übertragen. „Händewaschen mit Wasser und Seife kann die Infektionskette schon unterbrechen“, erklärt der Kinderarzt. Denn: Die meisten Erreger können nicht einfach von einer Person zur anderen fliegen. „Für eine Ansteckung braucht es in der Regel einen engen Körperkontakt über ­einen gewissen Zeitraum“, erklärt Spranger. „Und das ist beim Spielen mit Freunden viel eher gegeben als im Wartezimmer.“ Dass sich ein Kind direkt beim anderen ansteckt, ist eher unwahrscheinlich.



Dr. med. Torsten Spranger ist Kinderarzt und hat eine eigene Praxis in Bremen

Eigenes Spielzeug mitbringen

Auch bei Einhaltung sämtlicher Hygienevorschriften gibt es jedoch keinen hundertprozentigen Schutz vor Ansteckung. „Rein medizinisch gesehen wäre es natürlich am besten, Kinderärzte würden ein steriles Wartezimmer ohne Spielzeug und mit ausschließlich abwaschbaren Oberflächen einrichten“, sagt Spranger. Aber würden sich Kinder in so einer Atmosphäre noch wohlfühlen?

Die bessere Lösung: das Plüschtier oder die Lieblingspuppe von zu Hause mitbringen. „Dann sind die Kinder gar nicht auf das Spielzeug beim Arzt angewiesen. Außerdem haben sie etwas bei sich, das in der ungewohnten Umgebung Vertrauen schafft“, sagt er. Viele Ärzte versuchen darüber ­­hinaus, die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten: indem sie Eltern bitten, vor jedem Besuch ­einen Termin zu vereinbaren und auch bei akuten Beschwerden vorher anzurufen. „Wir können auf diese Weise lange Wartezeiten vermeiden und die Ansteckungs­gefahr schon am Telefon abschätzen“, sagt Spranger. Kinder, die zum Beispiel einen Ausschlag haben oder an Durchfall und Erbrechen leiden, werden, wenn möglich, in ein separates Wartezimmer gesetzt oder gleich ins Untersuchungszimmer gebeten. So kommen sie erst gar nicht mit den anderen Kindern in Kontakt. Ähnlich ist es bei Kindern, die nur zu ­einer Impfung oder Vorsorgeuntersuchung kommen, also eigentlich gesund sind. Auch sie sollten nach Möglichkeit keinem unnötigen Risiko ausgesetzt werden. Manchmal werden für diese Kinder auch bestimmte Praxiszeiten reserviert.

Spaziergang statt Wartezimmer

Aber auch wenn es keine separaten Wartezimmer oder Extrazeiten gibt, müssen Eltern nicht allzu viel befürchten: Denn viele Kinder haben beim Arzt gar keine Lust herumzutoben. Wer schlapp ist und Fieber hat, fühlt sich meist auf Mamas Schoß wohler­ als auf dem Bauteppich oder in der Puppen­­ecke. Eltern von aktiveren Kindern rät Torsten Spranger, ein Auge auf den Nachwuchs zu haben: „Wenn offensichtlich ist, dass im Wartezimmer viele hustende und schniefende Patienten sitzen, sollten Eltern ihre Kinder nicht allzu frei spielen lassen.“ Die Alternative: gemeinsam mit dem Kleinen ein Bilderbuch anschauen oder ihm eine Geschichte erzählen.

Manchmal bietet es sich an, die Wartezeit außerhalb der Praxis zu verbringen. „Fragen Sie an der Rezeption nach, wie lange es noch dauert“, rät der Kinderarzt. Bei gutem Wetter kann man die verbleibende Zeit prima mit einem Spaziergang an der frischen Luft überbrücken.




Bildnachweis: Strandperle Medien Services e.K/cultura, W&B/Privat

Julia Schulters / Baby und Familie; 09.07.2012
Bildnachweis: Strandperle Medien Services e.K/cultura, W&B/Privat

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