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Wehwehchen oder ernste Krankheit? Wie Eltern sicherer werden

Wenn Kinder krank werden, reagieren Eltern oft unsicher. Gleich zum Arzt? Oder lieber noch ein bisschen abwarten? So schärfen Sie Ihr Urteilsvermögen


Lieber einmal zu oft mit dem Baby zum Arzt, als zu spät handeln

Montagabends in die Notaufnahme, weil das Baby fiebert? „Warum nicht?“, sagt Prof. Dr. med. Johannes Otte, Chefarzt der Kinderklinik Bethel in Bielefeld. „Lieber einmal zu oft, als einmal zu spät handeln.“ Nicht selten lernen die Erwachsenen erst dort, wie sie ihrem Kind ein Zäpfchen geben können. „Viele Eltern sind heutzutage sehr unsicher, was die Gesundheit ihrer Kinder angeht“, sagt Dr. med. Hermann Josef Kahl, Kinderarzt in Düsseldorf.


Eine, die täglich mit Eltern und deren Sorgen zu tun hat, ist ­Kira Wieczarkowicz vom Pädagogischen Leitungsteam des Fachbereichs Elternschule und Familienbildung der IN VIA Aachen e.V.: „Wenn das Kind noch nicht geboren ist, kann sich niemand vorstellen, was auf einen zukommt. Klar, dass man dann mit dem Nachwuchs nicht immer sofort weiß, was zu tun ist.“

Nachhilfe vom Arzt

Von Hochbesorgten und Naturbegabten spricht Kinderarzt ­Otte, wenn er an die Eltern denkt, die zu ihm in die Notaufnahme kommen. Egal, wer vor ihm steht, er sieht sich und seine Kollegen immer auch als Gesundheitsberater. „Es gibt welche, die schon wegen der kleinsten Anzeichen einer Krankheit in die Klinik fahren. Hier ist es dann unsere Aufgabe, zu unterstützen und zu erklären, weshalb das Kind zum Beispiel gerade so viel schreit.“ Gleiches gilt natürlich auch für die Praxen: „Bei jeder Vorsorgeuntersuchung sollte ein Kinderarzt darauf hinweisen, welche Entwicklungsschritte nun folgen, welche Probleme damit im Zusammenhang stehen und an welchen Symptomen Eltern ­diese erkennen.“

Zwei Gründe sind dafür verantwortlich, dass Mütter und Väter heute manchmal Nachhilfe brauchen. Zum einen: schwindende Familienstrukturen. Heute gibt es kaum noch das dichte Geflecht, in dem Erfahrungen und altes Hausmittel-Wissen von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Infos aus dem Internet

Zum anderen: das Internet. Nicht jeder steigt bei der Masse an Informationen durch. Wer Symp­tome in Suchmaschinen eingibt, stößt mitunter auf die schlimms­ten Krankheiten. Natürlich sorgen sich Eltern dann. „In den meisten Fällen ist der Husten aber wirklich nur ein Husten“, beruhigt Otte und sieht im Internet auch Positives: „Ich erlebe viele Eltern, die bereits sehr gut informiert sind, wenn sie zu uns kommen.“

Ordentliche Kenntnisse sind gut, sie dürfen aber nicht zu eigenmächtigem Handeln verführen. So kann die Einnahme frei verkäuflicher Medikamente gefährlich werden, wenn dadurch ein wichtiger Arztbesuch versäumt und Anzeichen ­einer ernsteren Krankheit nicht erkannt werden. Trotzdem fragen viele Eltern, die ihrem Kind etwa homöopathische Mittel geben, vorher weder Arzt noch Apotheker.

Für Spezialfälle gibt es Elternschulen

Besonders fit müssen Eltern mit chronisch kranken Kindern sein. Deshalb bieten viele Kliniken sogenannte Elternschulen zu bestimmten Krankheiten wie ­Diabetes, Neurodermitis oder Epilepsie an. Auch Mütter und Väter von Frühgeborenen bekommen bei Mediziner Otte schon Unterricht: „Wir zeigen ihnen, wie sie die Atmung des Babys regelmäßig überprüfen können und was zum Beispiel bei Aussetzern zu tun ist.“ Derartig geschult, kann er Eltern mehr Verantwortung übertragen. Das verbessert deren Selbstsicherheit, was dem Kind zugutekommt. Außerdem lässt sich so die Liegezeit im Krankenhaus verkürzen – ebenfalls ein Vorteil für die Familie.

Vernetzung mit anderen Eltern wichtig

Selbstbewusstsein und Know-how sind aber auch im Alltag wichtig. Die besten Ratgeber dafür sind andere Eltern, meint Kira Wieczarkowiecz aus Aachen. Neben Eltern-Kind-Gruppen und speziellen Familientrainings sieht die Sozialpädagogin vor allem in sogenannten offenen Treffen eine Chance zur Vernetzung unter Eltern. „Hier ist die Schwelle, nach Hilfe zu fragen, viel niedriger. Denn wenn Eltern merken, dass alle die gleichen Probleme haben, fällt es nicht mehr schwer, auch von sich zu erzählen.“

Generell verzeichnet Wieczarkowiecz immer mehr Familien, die sich in der Elternschule oder in den angeschlossenen Familienzentren weiterbilden lassen. Auch Eltern aus, wie sie sagt, „bildungsungewohnten“ Bereichen kommen immer öfter. „Wir versuchen mit verschiedenen Projekten wirklich viele zu erreichen. Und es ist egal, wie es der Familie wirtschaftlich geht. Die Hauptsache ist, dass Mütter und Väter sich nicht zu schade sind, nach Hilfe zu fragen, wenn sie sie brauchen.“




Bildnachweis: Panthermedia/Monkey Business Images/RYF

Julia Jung / Baby und Familie; 16.05.2012
Bildnachweis: Panthermedia/Monkey Business Images/RYF

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