Wadenwickel bei Kindern: Was beachten?

Wenn Kinder Fieber haben, sind Wadenwickel für viele Eltern ein bewährtes Hausmittel. Was Sie dabei beachten sollten

von Dr. med. Dagmar Schneck, 20.12.2013

Wadenwickel gelten als bewährtes Hausmittel

W&B/Stephan Höck

Fieber tritt bei vielen Kinderkrankheiten und anderen Infekten auf. Dann sollte man zunächst durch einen Arztbesuch klären, ob hinter dem Fieber eine ernste Erkrankung steckt, die einer ärztlichen Behandlung bedarf. In vielen Fällen sind in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt auch Hausmittel zur Unterstützung der Behandlung geeignet. Wadenwickel können zum Beispiel das Fieber senken.


Wichtig: Keine Wadenwickel bei kalten Händen und Füßen

Bei Kindern spricht man üblicherweise ab 38 Grad von Fieber und ab 39 Grad von hohem Fieber. Die erhöhte Körpertemperatur hat eine wichtige Funktion: Sie steigert die Stoffwechselaktivität und hilft dem Körper, Krankheitserreger zu bekämpfen. In den meisten Fällen ist es nicht notwendig, fiebersenkende Maßnahmen zu ergreifen. Sind die Hände oder Füße kalt, zeigt das eine Zentralisierung des Kreislaufs an. Das bedeutet, dass zugunsten der Blutversorgung der inneren Organe die Arme und Beine weniger durchblutet werden. Dann sollten Sie Wadenwickel auf keinen Fall anwenden.


Bei hohem Fieber können Wadenwickel das Wohlbefinden verbessern  

Wenn das Kind unter hohem Fieber leidet, es zunehmend erschöpft oder unruhig ist, kann es angebracht sein, das Fieber etwas zu senken. Neben fiebersenkenden Medikamenten können auch Wadenwickel helfen. Beide Maßnahmen sollten Sie mit dem Kinderarzt absprechen. Wadenwickel können die Körpertemperatur um ein halbes bis ein Grad senken und Benommenheit, Unruhe oder Kopfschmerzen lindern. Je nachdem wie gut das Kind mitmacht, sind Wadenwickel bereits ab sechs Monaten oder erst mit etwa einem Jahr möglich. Kinder unter sechs Monaten sollten keine Wadenwickel erhalten.


Mit drei Tüchern wickelt es sich am besten

F1online/docstock

So legt man Wadenwickel an

Wadenwickel müssen straff sitzen, sonst fühlen sie sich unangenehm an und entfalten unter Umständen nicht die volle Wirkung. Für die Wickel verwenden Sie am besten drei Tücher:

  • Das Innentuch kommt direkt auf die Haut. Verwenden Sie ein Baumwoll- oder Leinentuch, zum Beispiel ein Geschirrhandtuch oder eine Stoffwindel. Auch alte Kniestrümpfe (keine Kunstfasern!) eignen sich, bei denen man das Fußteil einfach abschneidet.
  • Tauchen Sie das Tuch in handwarmes Wasser, wringen es aus und legen es um den Unterschenkel.
  • Darüber kommt ein trockenes Zwischentuch aus Baumwolle. Es saugt überschüssige Flüssigkeit auf und schützt das Außentuch. Das Zwischentuch muss ein bisschen größer sein als das Innentuch.
  • Als Drittes legen Sie ein trockenes Woll- oder Frotteetuch unter.

Das Wasser sollte handwarm sein

Wichtig: Bitte verwenden Sie kein kaltes, sondern handwarmes Wasser. Die Temperatur des Wickels darf höchstens ein bis zwei Grad unter der gemessenen Körpertemperatur liegen. Zu kaltes Wasser würde die Hautgefäße verengen, sodass der Körper nur noch schlecht Wärme abgeben kann.

Wie oft die Wickel wechseln?

  • Bei hohem Fieber ist der erste Wickel fast schon warm, wenn das zweite Bein umwickelt ist, er muss dann rasch erneuert werden.
  • Die zweiten Wickel werden nach etwa zehn Minuten gewechselt.
  • Der dritte Wickel bleibt maximal eine halbe Stunde.

Bleiben Sie bei Ihrem Kind, während die Wickel anliegen, und beobachten Sie den kleinen Patienten genau – fängt er an zu frieren, nehmen Sie die Wickel unverzüglich ab. Bei Kindern im ersten Lebensjahr sind Wadenwickel oft kaum anwendbar, hier kann man mit handwarmem Wasser den Körper einmal abwaschen.


Was kalte Wadenwickel bewirken

Das kalte Wasser in den Wickeln bewirkt eine Kühlung der Unterschenkel. Das führt zu einem direkten Wärmeverlust. Außerdem aktiviert der Kältereiz das vegetative Nervensystem. Zunächst wird der Sympathikus angeregt, das ist der "Leistungsnerv". Er aktiviert den Stoffwechsel, steigert den Blutdruck und vertieft die Atmung. Sobald der Wickel genauso warm wie die Haut ist, beginnt eine umgekehrte Reaktion: Der Parasympathikus – "der Erholungsnerv" – wird aktiviert, Entspannung und Schmerzlinderung sind die Folge. In dieser Phase kann sich der Körper bereits wieder erwärmen. Wickel zur Fiebersenkung sollten in dieser Phase entfernt werden.


W&B/Privat

Beratender Experte: Dr. med. Guido Krandick ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Nach Studium in Bonn, Wien und Würzburg folgte eine fast zehnjährige Tätigkeit an der Kinderklinik Schwabing der TU-München. Seit 2000 führt er eine eigene Praxis südlich von München. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.


Quellen:
1. Stellmann M. Kinderkrankheiten natürlich behandeln, München Gräfe und Unzer Verlag 2004
2. Kunze P, Weigert V Wickel, Tees und Mutterliebe. Die besten Hausmittel für kranke Kinder, München Gräfe und Unzer Verlag 2012
3. Bachmann R, Schleinkofer B Natürlich gesund mit Kneipp, Stuttgart, Trias-Verlag 2013
4. Uhlemann C, Lange U, Seidel E, Grundwissen Rehabilitation, Physikalische Medizin, Naturheilverfahren,  Bern, Verlag Hans Huber, 2007
5. Melchart, Naturheilverfahren, Leitfaden für die ärztliche Aus-, Fort-, und Weiterbildung, Stutgart, New York, Schattauer Verlag 2002


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: W&B/Stephan Höck, W&B/Privat, F1online/docstock
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