Sind Einweg- oder Stoffwindeln besser?

Die ideale Windel schont Babys Haut, ist praktisch und umweltverträglich zugleich. Ein Überblick über Vor- und Nachteile verschiedener Wickellösungen

von Nadja Katzenberger, aktualisiert am 23.02.2016

Bewegungsfreiheit: Mit der passenden Windel macht Strampeln Spaß

Stockbyte/ RYF

Die Schnellen: Wegwerfwindeln

Fast alle frischgebackenen Eltern schaffen erst einmal die Einweg-Variante an. Wegwerfwindeln sind einfach in der Handhabung und lassen sich schnell in der Mülltonne entsorgen. Moderne Windeln sind fast schon High-Tech-Produkte: sehr dünn und mit hoher Saugkraft, damit Urin und Stuhl nicht auslaufen. Im Inneren nehmen Zellstoff und sogenannte Superabsorber, bestimmte Polymerverbindungen, die Ausscheidungen auf. "Einwegwindeln halten dicht, die Kinder haben mehr Bewegungsfreiheit und man muss nicht so oft wickeln", sagt die Münchner Hebamme Judith Röchner.

Der Nachteil: "Sie sind nicht unbedingt atmungsaktiv." Manche Babys reagieren auch empfindlich auf einige Inhaltsstoffe von Windeln, darunter Bleichstoffe oder Mineralöle (Paraffin). Als Folge kann die Haut wund werden – Windeldermatitis entsteht. 


Was tun bei Ausschlag? Vor allem häufig wickeln, damit Stuhl und Urin möglichst kurz Kontakt zu Babys Haut haben. Zudem: "So oft wie möglich Luft an die nackte Haut lassen – am besten kann das Baby etwa zwei Mal am Tag für 20 Minuten ohne Windel strampeln," rät Röchner. Die Haut von zu früh geborenen Kindern ist besonders sensibel. Sie sollte man deshalb besonders oft wickeln. Passende Windelgrößen gibt es auch für Frühchen. Hilft das alles nicht, und hat man den Eindruck, das Problem könnte von der Windel kommen, heißt es: Windelmarke wechseln.

Noch einen Nachteil haben Wegwerfwindeln: Sie sind schlecht für die Umwelt, machen etwa zehn Prozent des Restmülls in Deutschland aus. Eine Wegwerfwindel braucht mehrere hundert Jahre, bis sie verrottet – und hierzulande landen täglich etwa acht Millionen Windeln im Müll.

Eine Alternative: Öko-Einwegwindeln. Sie werden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, verzichten oft auf Bleich- und Duftstoffe und können – je nach Marke – teilweise im Biomüll oder auf dem Kompost entsorgt werden.

Die Verträglichen: Stoffwindeln

Wer sich bei der Windelfrage intensiver mit dem Umweltthema auseinandersetzt, landet manchmal bei Stoffwindeln. Die haben mit Wickeln zu Omas Zeiten kaum mehr etwas gemein – es existieren moderne Lösungen. Grob lassen sich zwei Systeme unterscheiden:

  • Die Kombination aus Saugwindel mit Vlies und auslaufsicherer Überziehhose
  • Komplettsysteme, die mit Druckknopf oder Klettverschluss geschlossen werden

Stoffwindeln gibt es in verschiedenen Größen, manche wachsen auch mit.

Der große Vorteil: Stoffwindeln bestehen aus Naturmaterialien wie Wolle oder Baumwolle. Die Windeleinlagen können je nach Beschaffenheit entweder gewaschen, im Müll oder in der Toilette entsorgt werden. Das Wickeln selbst ist zumindest am Anfang zeitaufwändiger, außerdem braucht die Windel mehr Platz unter der Kleidung und die Kleinen können sich eventuell nicht so gut bewegen. "Dafür werden sie oft schneller sauber, weil sie mit Stoffwindeln schneller ein besseres Gefühl für ihre eigenen Ausscheidungen bekommen", berichtet Hebamme Röchner. Und: "Mit Stoffwindeln werden die Babys automatisch breiter gewickelt, das ist besser für die Hüfte."

"Manche Eltern wechseln nach einer Windeldermatitis zu Stoffwindeln, weil sie hautverträglicher sind", sagt die Hebamme. Allerdings muss man dann entsprechend oft wickeln, denn Stoffwindeln saugen natürlich nicht so gut wie Wegwerfwindeln. Ein weiterer Nachteil: Das Waschen und Trocknen der Windeln frisst Zeit, man sollte sich mehrere Windeln und Einlagen anschaffen. Das geht ins Geld – ein Windelset kostet etwa 300 Euro, hält dann aber auch, bis das Kind keine Windel mehr braucht. Vorteil Stoffwindel: Man kann sie auch beim nächsten Kind verwenden oder gebraucht kaufen. Und in manchen Städten gibt es Windelservices, die die benutzten Stoffwindeln abholen und gewaschene mitbringen. Stoff und Einweg kombinieren geht auch: Manche Eltern wickeln zu Hause mit Stoff und benutzen unterwegs Einwegwindeln.

Aber sind die Stoffwindeln wirklich besser für die Umwelt? In der Herstellung auf jeden Fall – nicht aber, was ihre Reinigung betrifft. Denn da fallen Energiekosten für Waschmaschine und Trockner an, Abwasser entsteht. Waschbare Einlage für Stoffwindeln haben oft den Nachteil, dass sie, an der Luft getrocknet, rau und hart werden. Der Trockner macht sie schön weich – was aber wiederum schlecht für die Ökobilanz ist. Eine britische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Ökobilanz von Wegwerf- und Stoffwindeln ungefähr gleich ausfällt.


So passt die Windel richtig:

  • die Passform fällt je nach Marke verschieden aus, das ist auch abhängig von der Figur des Babys
  • die Gewichtsangaben auf der Packung sind nur ein Anhaltspunkt: Manchmal ist es besser, zur nächsten Größe zu wechseln, weil sie besser passt
  • Bleiben am Bein Druckstellen der Raffbündchen zurück, ist die Windel wahrscheinlich etwas zu klein
  • Am Bauch sollte die Windel nicht zu eng sitzen – mindestens einen Finger sollte man testweise noch hineinstecken können
  • Höschenwindeln lassen sich einfach hochziehen und sind für den Übergang zum Sauberwerden praktisch. Manchmal sind sie aber auch unbequem: Der Steg ist nicht so elastisch wie bei herkömmlichen Windeln mit Klettverschluss
  • Schwimmwindeln sind im Schwimmbad oder am See praktisch, ein wirklich großes Geschäft können sie aber nicht aufhalten.


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Bildnachweis: Stockbyte/ RYF
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