Schuppenflechte: Vorsicht vor Verwechslung!

Neurodermitis und Psoriasis können sich bei Kindern ähneln, erfordern aber unterschiedliche Behandlungen. Für Schuppenflechte gibt es jetzt gezielte Therapien

von Peggy Elfmann, Anne-Bärbel Köhle, aktualisiert am 15.12.2015

Schön eincremen: In Schulungen lernen Kinder mit Psoriasis, ihre Haut zu pflegen

Picture Press Bild- und Textagentur GmbH/Sigrid Reinichs

Der Po: eine grobe Kruste, die Haut wund und aufgeplatzt. Das Kleinkind, das Kinderärztin Dr. Sibylle Scheewe in der Fachklinik Sylt-Westerland zu sehen bekam, war ihr bislang jüngster Patient mit Psoriasis. Der Junge war gerade zwei Jahre alt, ­seine Mutter verzweifelt. Bislang hatten der Kinderarzt und sie vermutet, bei dem Ausschlag habe es sich um einen schweren Fall von Windeldermatitis gehandelt. Stattdessen lautete die Diagnose: Schuppenflechte oder wie Mediziner sagen: Psoriasis.

Wenn ihre Kinder Haut­erkrankungen entwickeln, leiden Eltern unwillkürlich mit. Ausgerechnet die zarte Haut ihres Kindes ist betroffen, die doch eigentlich makellos sein sollte, die zum Streicheln und Knuddeln da ist. Vor allem stellen sich Eltern die Frage: Geht das irgendwann auch wieder weg?


Biologika helfen der Haut

Mit Hauterkrankungen haben Kinder unter Umständen lebenslang zu tun. Das ist die schlechte Nachricht – die, die alle Eltern beunruhigt. Schuppenflechte ist – ähnlich wie Neurodermitis – in gewisser Weise unberechenbar. Sie verschlimmert sich ohne erkennbaren Grund, verschwindet wieder, ohne dass man viel dazu getan hat. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Ärzte können bei manchen Hauterkrankungen wie Psoriasis so gezielt wie nie zuvor eingreifen. Inzwischen sind potente Mittel auf dem Markt, soge­nannte ­Biologika. Auch in schweren Fällen von Schuppenflechte können sie bei kleinen und großen Patienten "wieder zu einem erscheinungsfreien Hautbild" führen, sagt Professor Dietrich Abeck, Dermato­loge aus München. Das klingt großartig. Doch gleichzeitig schränkt Abeck ein: "Wir hatten zwar noch nie so tolle Medikamente wie ­heute. Aber sie waren auch noch nie so ­teuer." Viele Wirkstoffe, die etwa bei Schuppenflechte hilfreich wären, sind zudem für Kinder nicht zuge­lassen, "weil es an ­Studien fehlt", erklärt der Experte.

Neurodermitis zehnmal häufiger als Schuppenflechte

Das größte Problem: Immer noch erhalten betroffene Kinder gelegentlich die falsche Diagnose. "Wir sehen in unserer Klinik immer wieder junge Patienten, die jahrelang gegen Neurodermitis behandelt wurden, dabei haben sie Schuppenflechte", sagt Kinderärztin Scheewe. Der Grund: Neuro­­dermitis und Schuppen­flechte können auf der Haut manchmal ähnlich aussehen. Doch Schuppenflechte ist bei Kindern vergleichsweise selten, tritt häufiger erst im Erwachsenenalter auf. "Der Kinderarzt bekommt ­also nicht allzu viele Fälle zu sehen", sagt Scheewe.

Etwa 200 000 Kinder in Deutschland leiden darunter, schätzt der Deutsche Psoriasis Bund. Neurodermitis dagegen haben schätzungsweise zehnmal so viele Kleine: Zwei Millionen Kinder in Deutschland plagen sich laut Deutscher Dermatologischer Gesellschaft damit herum.

Das können Eltern tun

"Kinder mit Haut­erkrankungen sollten zu einem Dermatologen gehen, der sich mit ihrer spezifischen Hauterkrankung auskennt", rät Ottfried Hillmann aus Hamburg, Vorsitzender des Deutschen Psoriasis-Bundes. Selbsthilfegruppen kennen meist geeignete Adressen und helfen bei der Suche. Informationen dazu finden sich zum Beispiel unter: www.psoriasis-bund.de. "Hauterkrankungen sind ein Stigma", sagt Hillmann. "Sie haben immer auch Auswirkungen auf die Seele des Kindes."


Schuppenflechte und Neurodermitis unterscheiden: Bei Neurodermitis (links) führt vermutlich ein Mangel an bestimmten Ei­­weißen dazu, dass die Hornschicht sich nur schlecht aufbauen kann. Bakterien und Pilze können deshalb leichter eindringen. Bei Schuppenflechte (rechts) wandern hingegen Zellen der obersten Hautschicht siebenmal schneller an die Hautober­fläche als bei Gesunden. Es kommt zu übermäßiger Schuppenbildung.

W&B/Jörg Neisel

Psoriasis: Die Fakten

Psoriasis ist, grob gesagt, eine vererbte Krankheit, die durch ­einen Auslöser ausbrechen kann. Das kann zum Beispiel die mechanische Belastung der Haut sein, aber auch ein Medikament wie Betablocker oder Malaria-Mittel oder eine Infektionskrankheit, wie ­eine eitrige Mandelentzündung. Fest steht: "Es ist eine Systemerkrankung, hinter der immer eine Autoimmunerkrankung steckt", sagt Scheewe. Psoriasis kann in verschiedenen Formen vorkommen, manche Kinder haben eine Psoriasis-Arthritis. Dabei greift das Immunsystem auch die Gelenke an. Sie müssen zusätzlich von einem Arzt behandelt werden, der auf Rheuma spezialisiert ist.

Psoriasis behandeln

Bei der Schuppenflechte gehen Ärzte nach einem Stufenplan vor. Nach einem komplizierten Berechnungsmuster, dem sogenannten PASI-Index, kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. Bei manchen Patienten reicht es, mit Cremes zu behandeln, die etwa Harnstoff enthalten, auch in Kombination mit Kortison. Eine Behandlung mit ­Vitamin D3 ist bewährt, sie ist für Kleinkinder aber nicht zuge­lassen. Bestrahlungen mit UV-Licht kommen wegen des Hautkrebs­risikos praktisch nur bei Erwachsenen zum Einsatz. Mit einer gezielten Antikörper-Therapie können Ärzte bei Kindern ab sechs Jahren beginnen. Die Biologika werden gespritzt, gelten als vergleichsweise gut verträglich. Der Nachteil: Der Körper gewöhnt sich daran. "Man muss also irgendwann das Präparat wechseln", so Scheewe. "Am Ende können sich die Patienten nur selbst helfen."

Hilfe zur Selbsthilfe

An Scheewes Klinik werden Kindern mit Neurodermitis oder Schuppenflechte und deren Eltern Schulungen angeboten. Die Kleinen lernen, wie sie ihre Haut pflegen – aber auch, wie sie mit abwertenden Bemerkungen umgehen. Eltern können viel dafür tun, dass ihr Kind trotz der Haut­er­scheinung ­gestärkt groß wird. "Manche ­Eltern reagieren verständlicherweise hektisch auf die Erkrankung", sagt Scheewe. "Dann ist es wichtig, sich psychologische ­Hilfe zu holen." Je gelassener alle mit der Krankheit umgehen, umso entspannter und selbstbewusster lebt auch das Kind damit.



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Bildnachweis: Picture Press Bild- und Textagentur GmbH/Sigrid Reinichs, W&B/Jörg Neisel
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