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Plötzlicher Kindstod: So schläft das Baby sicher

Der Plötzliche Kindstod, auch SIDS (Sudden Infant Death Syndrome) genannt, ist die häufigste Todesart im ersten Lebensjahr von Kindern. Durch welche Maßnahmen Sie Ihr Baby schützen können


Rückenlage beim Schlafen: Der beste Schutz vor dem Plötzlichen Kindstod

Seit im Juli 2011 bekannt wurde, dass der Sohn von Schauspieler Hardy Krüger jr. im Alter von nur acht Monaten am Plötzlichen Kindstod starb, ist die Angst vor dem leisen Tod im Schlaf bei vielen Eltern wieder präsent. Der Plötzliche Kindstod scheint unvorhersehbar. Unkalkulierbar. Aber dennoch können Eltern einiges tun, um das SIDS-Risiko für ihr Baby erheblich zu senken.

Was ist der Plötzliche Kindstod?

Meist passiert es nachts: Das Baby schläft ein und hört im Schlaf auf zu atmen. Der Atemreflex setzt aus. Für Mediziner wie Professor Dr. med. Gerhard Jorch, Direktor der Universitätskinderklinik in Magdeburg und einer der führenden SIDS-Experten, ist der Plötzliche Säuglingstod selbst nach Jahrzehnte langer Forschung ein ambivalentes Thema – rätselhaft und klar zugleich. „Die Ursachen von SIDS sind zum größten Teil nicht geheimnisvoll, sondern bekannt,“ sagt Jorch. Es gebe einige Gründe – zum Beispiel Herzrhythmusstörungen, Unterzuckerung oder eben Atemstillstand –, die zum Tod führen können, die man aber im Nachhinein nicht immer nachweisen kann. Können Mediziner bei einem Säugling also die Todesursache nicht feststellen, gehen sie von einem Plötzlichen Kindstod aus.


Welche Risikogruppen gibt es?

Die meisten Fälle des Plötzlichen Säuglingstodes finden innerhalb des ersten Lebensjahres statt. „Die größte Gefahr besteht um den hundertsten Lebenstag herum,“ weiß der Experte. Genau zu der Zeit fangen die Babys an, sich mehr zu bewegen. Sie beginnen sich zu drehen, aber kommen vielleicht nicht zurück in die Rückenlage, greifen die Decke, aber werden sie nicht wieder los. Das Babybett wird so zur tödlichen Falle. Von Geburt an steigt also das Risiko langsam an bis zum hundertsten Lebenstag. Ab da sinkt es dann wieder ab. Es ist nie ganz Null, aber ab etwa dem zehnten Monat ist der plötzliche Kindstod sehr selten.

Grundsätzlich weiß man, dass Jungen öfter betroffen sind als Mädchen. Außerdem zählen Früh- und Mehrlingsgeburten zur Risikogruppe. Weitere Faktoren, die das Gefahrenpotential erhöhen können, sind beispielsweise andere SIDS-Opfer in der Familie, Drogenkonsum der Mutter in der Schwangerschaft oder vorangegangene schwere Infekte des Babys. Der Kindstod kommt zudem öfter in den Wintermonaten und während Infektwellen vor. Kinder von Eltern, die nicht ausreichend über die Präventionsmaßnahmen informiert sind, zählen ebenfalls zu den Risikogruppen.

Mit seinen rund 200 Fällen im Jahr zählt das SIDS immer noch zu den häufigsten Todesarten im Kindesalter. Jorch möchte besorgten Eltern allerdings die Angst nehmen indem er verdeutlicht: „Wenn ein Kind zum Schlafen auf den Rücken gelegt und in der Wohnung nicht geraucht wird, dann besteht normalerweise ein SIDS-Risiko von deutlich unter 1:10.000.“

Die größten Risikofaktoren

Als das Thema SIDS vor etwa 20 Jahren vermehrt ins öffentliche Bewusstsein drang, starben in Deutschland noch etwa 1.300 Säuglinge pro Jahr an der mysteriösen Todesform. „Dann hat man herausgefunden,“ erklärt Professor Jorch, „dass die Schlafsituation der Säuglinge einen wesentlichen Grund darstellt, warum die Kinder am Plötzlichen Kindstod sterben.“

Die größten Risikofaktoren für den Plötzlichen Kindstod sind unter anderem:

  • das Schlafen in Bauchlage,
  • das Schlafen in einem zu warmen Zimmer oder in zu warmer Kleidung,
  • das Schlafen unter einer schweren Bettdecke oder mit großem Kissen,
  • das Schlafen in verrauchten Räumen,
  • auch das Rauchen während der Schwangerschaft kann das spätere SIDS-Risiko erhöhen.

Seitdem die SIDS-Experten vor zwei Jahrzehnten das Schlafen in Rückenlage und in einem Schlafsack empfohlen haben, sterben pro Jahr mehr als 1000 Kinder weniger am Plötzlichen Kindstod. Somit konnte die Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes in Deutschland um gewaltige 80 Prozent gesenkt werden.

Welche Präventionsmaßnahmen können Eltern treffen?

Optimale Schlafsituation: Legen Sie Ihr Kind in Rückenlage und in einem Schlafsack zur Nachtruhe – ohne Kopfkissen und Decke. Sollte der Schlafsack im Sommer zu warm werden, gibt es alternativ inzwischen extrem leichte Sommerschlafsäcke. Benutzen Sie feste, unverrutschbare Matratzen und achten Sie darauf, dass weder Kuscheldecken, Spielzeug, Kissen oder Stofftiere im Kinderbettchen sind, während die Kleinen schlafen.

Kein Zigarettenrauch: Halten Sie Wohn- und vor allem Schlafräume unbedingt rauchfrei!

Keine überhitzten Räume: Die Temperatur im Kinderschlafzimmer sollte etwa 18 Grad betragen.

Stillempfehlung: Amerikanische Wissenschaftler fanden heraus, dass das SIDS-Risiko bei gestillten Kindern geringer ist. Gründe hierfür: Einerseits wachen gestillte Kinder in der Nacht leichter und öfter auf, andererseits haben sie eine bessere Immunabwehr als Schutz vor riskanten Infekten.

Ist das SIDS-Risiko erhöht, wenn der Säugling im Elternbett schläft?

Einige Experten sind der Meinung, dass das so genannte Co-Sleeping das Risiko des Plötzlichen Kindstods verringert. Fakt ist, dass sich der Schlaf- und Atemrhythmus des Kindes dem der Mutter anpasst, wenn die beiden nebeneinander schlafen. Zudem verhindert Co-Sleeping, dass Kind und Mutter in zu lange Tiefschlafphasen fallen, was das SIDS-Risiko unter Umständen erhöhen könnte. Die Mutter kann demnach schneller reagieren, wenn sie instinktiv Atemveränderungen bei ihrem Säugling feststellt.

Andere Wissenschaftler wiederum behaupten das Gegenteil: nämlich dass das Co-Sleeping das Risiko des Plötzlichen Kindstods vor allem in den ersten Monaten erhöhen kann. Gründe für diese erhöhte Gefahr liegen vor, wenn das Baby zwischen zwei Partnern liegt (Überhitzung), zwischen zwei Matratzen oder unter die Decken bzw. Kissen der Eltern rutschen könnte. Unter keinen Umständen sollte das Kind im elterlichen Bett schlafen, wenn Mutter oder Vater vorher Alkohol konsumiert oder geraucht haben.

Jorch gibt sich in dieser Hinsicht verwundert, „wie rasch manchmal aus einem SIDS-Risikofaktor einer epidemiologischen Studie eine Empfehlung wurde.“ In diesem Fall eben, dass Babys nicht im Elternbett schlafen sollen. Bei einem gestillten Kind, das in einer rauchfreien Wohnung auf dem Rücken und eben bei Mama und Papa im Bett schläft, sei das SIDS-Risiko aufgrund des Elternbettschlafens aber extrem gering. Viele Experten empfehlen auch, ein Beibett zu benutzen, das direkt am Elternbett befestigt werden kann. So hört das Baby Mama und Papa atmen und spürt die Nähe. Und die Mutter braucht nur rüberzugreifen, um das Kind zu sich zu holen, wenn es gestillt werden möchte. Aber es besteht eben nicht die Gefahr einer Überhitzung.

Tagsüber Bauchlage üben

Ein besonderes Anliegen ist es Jorch auch, dass Eltern die Bauchlage nun nicht verteufeln. Ganz im Gegenteil: Im wachen Zustand und unter Beobachtung sollen die Eltern sogar die Bauchlage üben und trainieren. Wenn die Kleinen nämlich im Schlaf quasi ungeübt in die Bauchlage gelangen, kann das nämlich durchaus gefährlicher werden.




Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Ablestock

Sandra Schmid / www.baby-und-familie.de; aktualisiert am 19.08.2013, erstellt am 26.08.2011
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Ablestock

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