Pflanzliche Mittel bei Erkältungen

Winterzeit ist Erkältungszeit, gerade bei Kindern. Heilpflanzen können helfen, die Beschwerden zu lindern. Was es dabei zu beachten gibt

von Julia Schulters, 02.03.2016

Arzneien mit Salbei können Halsschmerzen bei Kindern lindern

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Die Nase läuft, der Kopf brummt, und ­irgendwie kratzt es im Hals. Kein Zweifel: Die nächste Erkältung ist da – und mit ihr viele läs­tige Symptome. "Gerade bei Atemwegsbeschwerden hat sich die Pflanzenmedizin bewährt", sagt Margit Schlenk, Fachapothekerin für Offizinpharmazie, Homöopathie und Naturheilverfahren aus Neumarkt in der Oberpfalz. "Die meisten Mittel sind außerdem gut verträglich und machen kaum Probleme mit anderen Medikamenten."


Margit Schlenk ist Apothekerin und Inhaberin zweier Apotheken in Nürnberg und Neumarkt in der Oberpfalz

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Trotzdem ist in manchen Fällen Vorsicht geboten: Nicht alle Präparate sind beispielsweise für Kinder jeden ­Alters geeignet. Eltern sollten sich daher immer in der Apotheke beraten lassen. Gleiches gilt für Schwangere. "Da es kaum Studien zur Einnahme in der Schwangerschaft gibt, sind die meisten Mittel nicht für werdende Mütter zugelassen", sagt Schlenk.

Wann zum Arzt?

Husten, der länger als ein paar Tage anhält, sollte immer vom Arzt abgeklärt werden. Gleiches gilt bei Atemnot, anfallsweisem Husten und wenn andere Symptome wie etwa hohes Fieber, starke Hals- oder Ohrenschmerzen dazu­­kommen. Säuglinge und Kleinkinder gehören mit Husten oder Fieber immer zum Arzt.


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Eibisch

Bei einem geröteten Rachen durch trockenen Reizhusten können Präparate mit Eibischextrakt guttun. "Die darin enthaltenen Schleimstoffe legen sich wie eine Bettdecke auf die gereizte Rachenschleimhaut und beruhigen sie", erklärt Schlenk. Dickflüssige Sirupe und Lutschpastillen eignen sich besonders, weil sie länger an der entzündeten Stelle verbleiben als dünnflüssige Tees. Vorsicht: Die Schleimstoffe aus dem Eibisch können die Aufnahme von an­deren Arzneimitteln in den Körper verzögern. Deshalb sollten Eibischpräparate möglichst nicht gleichzeitig mit anderen Medikamenten eingenommen werden.


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Schlüsselblume

Die Schlüsselblume enthält Wirkstoffe, die dafür sorgen, dass der Schleim sich verflüssigt. Dadurch lässt sich das Sekret ­besser ab­husten. Auch bei Nasennebenhöhlenentzündungen kommt die Heilpflanze zum Einsatz. "Meist finden sich die Extrakte der Schlüsselblume in Kombinationspräparaten mit Wirkstoffen anderer Heilpflanzen", sagt Schlenk. Belegt ist die Wirksamkeit bei Erkältungshusten in Kombination mit Thymian. "Wer auf Primelgewächse allergisch reagiert, sollte auf Präparate mit Schlüsselblume allerdings lieber verzichten", sagt Schlenk.


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Salbei

Bei Entzündungen im Mund und Rachenbereich sowie Halsweh können Lutschpastillen, Gurgellösungen und Tees mit Salbei helfen. "Die enthaltenen Gerbstoffe haben einen zusammenziehenden Effekt auf die Schleimhäute und dichten sie gegen Erreger ab", sagt Schlenk. Darüberhinaus wirke das ätherische Öl antibakte­riell und antiviral. Wichtig: "Salbeipräparate sollten nicht länger als vier Wochen angewendet werden, da Salbei ­einen Inhaltsstoff enthält, der in großen Mengen die Leber schädigen kann", sagt Schlenk. Für Schwangere und Kleinkinder sind das reine ätherische Öl sowie alkoholische Extrakte nicht zu empfehlen. Auch Stillende müssen vorsichtig sein: "Salbei hat einen hemmen­den Einfluss auf die Milchbildung", erklärt Schlenk.


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Thymian

Er ist sozusagen der Alleskönner unter den Heilpflanzen: "Sein ätherisches Öl wirkt anti­bakteriell, antiviral, löst den Schleim und entkrampft die Bronchien", erklärt Apothekerin Schlenk. Außerdem regt es die Tätigkeit sogenannter Flimmerhaare in den Bronchien an, die Schleim, Bakterien und andere Verunreinigungen abtransportieren.

Schlenk emp­fiehlt die Dragees, Lutschpastillen, Säfte, Tropfen, Tees und Bäder bei ­einer akuten Bronchitis. "Besonders effektiv sind Kombinationspräparate mit Efeu", erklärt sie. "Die Inhaltsstoffe ergänzen sich prima in ihrer Wirksamkeit – quasi wie Shampoo und Spülung." Die Studienlage bewertet die Pharmazeutin als gut: "Vor allem für die Kombinationspräparate aus Thy­mian und Efeu sowie Thymian und Schlüsselblume ist die Wirksamkeit gut belegt", sagt sie.


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Fenchel

Bewährt hat sich Fenchel bei Blähungen und Völlegefühl, "aber auch bei Erkältungen tut er einen guten Dienst", sagt Apothekerin Schlenk. Das ätherische Öl löst fest­sitzenden Schleim und aktiviert gleichzeitig den Abtransport aus den Bronchien. "Kinder mögen den Geschmack von Fenchel in der Regel ganz gern", sagt Schlenk. Trotzdem gilt bei Arzneipflanzentees grundsätzlich: "Sie sollten nicht länger als vier Wochen am Stück und nicht ausschließlich getrunken werden", sagt Schlenk. Fenchelhonig wird für Kinder unter einem Jahr gar nicht empfohlen. Er kann Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten, das bei Babys schwere Muskellähmungen verursachen kann.


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Eukalyptus

Das ätherische Öl der Pflanze löst festsitzenden Schleim und unterstützt seinen Abtransport aus den Bronchien. Die Inhaltsstoffe werden über die Darmschleimhaut aufgenommen und schließlich über die Lunge abgeatmet. ­­­Kleiner Nachteil: "Man riecht dadurch sehr nach Eukalyptus", sagt Schlenk. Weichge­latine-Kapseln mit dem ätherischen Öl sollten nicht mit Heiß­­getränken zusammen eingenommen werden.

"Sonst ­lösen sie sich bereits vorzeitig im ­Magen auf", erklärt die ­­Apothekerin. ­Manche Menschen re­agieren darauf mit ­Magen-Darm- oder Gallenbeschwerden. Eine Alterna­tive zu Kapseln oder Bonbons sind Erkältungsbalsame. Ihre ­Inhaltsstoffe ­ziehen in die Haut ein und tragen so zur Linderung der Beschwerden bei. "Bei Säuglingen und Kleinkindern dürfen die Balsame nicht im Bereich des Gesichts aufgetragen werden", warnt Schlenk. Schlimmstenfalls ­könne es zu einem Erstickungsanfall kommen. Auch für Asthmatiker eignet sich Euka­lyptus nur bedingt: "Manche Patienten reagieren auf das ätherische Öl mit Atemnot", sagt die Apothekerin.


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Efeu

Wenn der Schleim festsitzt und sich nur schwer abhusten lässt, ist Efeu ein guter Helfer. "Seine Inhaltsstoffe lösen den Schleim und entkrampfen die Atemwege", erklärt Schlenk. Besonders ­effektiv wirken Säfte oder Tropfen, die zusätzlich Thymian ent­halten. Generell gilt: Zubereitungen mit Efeu bitte nur als Fertig­präparate aus der Apotheke einnehmen! Schlenk warnt ­davor, Efeu selbst zu pflücken und zu verarbeiten. "Die Blätter sind teilweise extrem hautreizend", sagt sie. Menschen mit einer ­Magenschleimhautentzündung verzichten besser auf die Einnahme von Efeu-Präparaten. "Die enthaltenen Saponine können die Magenschleimhaut reizen", sagt Schlenk. Verträglicher sind Mittel mit Efeuextrakt, wenn sie zum Essen eingenommen werden.



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Bildnachweis: Jump Fotoagentur/Annette Falck, W&B/Angie Wolf, Action Press GmbH & Co. KG/Bildagentur-online/Tschanz-Hofmann, ddp Images GmbH /Manfred Ruckszio, W&B/Gerhard Hagen, Getty Images/Peter Anderson, Action Press GmbH & Co. KG/imagebroker.com, ddp Images GmbH /Bildagentur-online/Tschanz-Hofmann
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