Mutter-Kind-Kur: Was Sie wissen sollten

Väter und Mütter haben einen gesetzlichen Anspruch auf eine Kur, wenn der Arzt eine entsprechende Diagnose stellt. Ob sie mit oder ohne Kinder verreisen, können sie selbst entscheiden

von Nadja Katzenberger / www.baby-und-familie.de; aktualisiert am 23.06.2015

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Leidet eine Mutter unter chronischer Erschöpfung, steht ihr oft eine Kur zu

Nicht immer sieht der Alltag einer Familie so harmonisch aus wie in der Werbung. Stattdessen steht jeden Tag der ganz normale Wahnsinn auf dem Programm: Trotzige Kinder, Streit mit dem Partner, Stress im Job. Bei vielen Familien kommen weitere Belastungen dazu: Eine chronische Erkrankung, die Trennung der Eltern oder ein Trauerfall. Dann kann es notwendig sein, dass Mama oder Papa eine Auszeit braucht. Möglich macht das eine Mutter-/Vater-Kind-Kur. Man kann sie nicht nur bei akuten Krankheiten beantragen, sondern auch um ernsthaften Problemen, etwa einem Burn-out, vorzubeugen.


Was genau ist eine Mutter-Kind-Kur?

Mütter oder Väter können die Kur zur Vorbeugung oder als Rehabilitationsmaßnahme beantragen – das richtet sich nach dem Grad der Erkrankung und der Diagnose des Arztes. Als Rehabilitationsmaßnahme wird die Kur zum Beispiel nach einer Krebserkrankung bewilligt oder bei Hautkrankheiten wie Neurodermitis. Die Therapien und Anwendungen in der Kurklinik sind dann darauf abgestimmt. „Vorbeugend ist eine Mutter-Kind-Kur möglich, wenn Sie ganz allgemein das Gefühl haben, nicht mehr zu können“, sagt Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks. Wer sich überlastet fühlt, häufig unter Kopf- und Rückenschmerzen oder immer wieder unter Infekten leidet, sollte über eine solche Auszeit nachdenken. „Frauen kommen oft erst, wenn sie nicht mehr können, sie sollten ihre eigenen Befindlichkeiten ernst nehmen“, sagt Schilling. Im Sozialgesetzbuch ist die medizinische Vorbeugemaßnahme sogar gesetzlich verankert. Sie kann verhindern, dass die Probleme – etwa die Rückenschmerzen – chronisch werden. Denn den betroffenen Müttern und Vätern wird gezeigt, was sie selbst dagegen tun können.

Die Kur selbst dauert in der Regel 21 Tage. Wenn es sinnvoll oder medizinisch notwendig ist, kann man den Aufenthalt um eine Woche verlängern. Dazu muss ein Verlängerungsantrag bei der Krankenkasse gestellt werden. Rund 80 Häuser, die entsprechende Kuren anbieten, gehört zum Müttergenesungswerk. Aber es gibt auch private Einrichtungen die mit den Krankenkassen kooperieren. In der Regel sind die Kinder in diesen drei Wochen dabei. Es gibt aber auch die Möglichkeit, die Kur alleine anzutreten, dann spricht man von einer Mütter-Kur bzw. Väter-Kur.

Wer hat Anspruch auf eine Mutter-Kind-Kur?

Voraussetzung für eine Mutter-Kind-Kur ist ein ärztliches Attest. Dafür können Sie sich an Ihren Hausarzt wenden. „Er muss eine Diagnose stellen, denn die Krankheit der Mutter ist die Voraussetzung für die Bewilligung der Kur“, sagt Anne Schilling. Sprechen Sie Ihren Arzt also an, wenn Sie an einer chronischen Erkrankung wie einer Allergie oder Hautkrankheit leiden, aber auch bei anderen Problemen wie Erschöpfungszuständen, depressiven Phasen, Schlafstörungen oder Rückenproblemen. Das Attest sollte so detailliert wie möglich sein und auch sogenannte Kontextfaktoren beinhalten: Dazu gehören zum Beispiel Erziehungsprobleme, Trennungssituationen, ein Pflege- oder Trauerfall. Sie können dazu beitragen die Krankheit oder die Beschwerden zu beeinflussen und auch dazu, ob und wo die Kur bewilligt wird. Im Regelfall hat man alle vier Jahre Anspruch auf eine Kur, bei medizinischen Gründen auch häufiger. Bei Kindern gilt üblicherweise eine Altersgrenze von 12 bis 14 Jahren.

Brauchen die Kinder auch ein Attest?

Nicht unbedingt. Aber: Kinder ohne Attest begleiten Mama oder Papa als „gesunde Kinder“ und haben dann keinen Anspruch auf Therapien oder Anwendungen. Es ist deshalb sinnvoll, auch beim Kinderarzt nach einem Attest zu fragen und eine mögliche Indikation zu besprechen. Etwa zwei Drittel der mitreisenden Kinder sind in der Regel behandlungsbedürftig. Sie sollten bei einer Mutter-Kind-Kur nicht älter als 12 bis 14 Jahre sein, schulpflichtige Kinder müssen sich solange von der Schule beurlauben lassen.

Wer hilft mir beim Antrag?

In seinen 1300 Beratungsstellen informiert das Müttergenesungswerk über alle Einzelheiten zur Kur und unterstützt Sie beim Antrag. Eine Beratungsstelle finden Sie über die Online-Suche des Müttergenesungswerks (http://www.muettergenesungswerk.de/beratungsstellensuche*), beim Paritätischen Wohlfahrtsverband, dem Deutschen Roten Kreuz, der Diakonie, der AWO oder der Caritas. Auch am Info-Telefon des Müttergenesungswerks können Sie sich beraten lassen: 030/330029-29.

Wer bewilligt die Kur?

Das sind die Krankenkassen. Dort reicht man das Attest zusammen mit dem Antrag ein. Die Vordrucke gibt es bei der Krankenkasse, manchmal auch zum Download auf der Homepage. Lassen Sie sich vorher ausführlich beraten – nicht nur darüber, wie Sie den Antrag am besten ausfüllen. Sondern auch, welche Klinik am besten zu Ihrer Krankheit und Ihrer Lebenssituation passt. „Unsere Häuser haben Schwerpunkte – manche sind auf Naturheilkunde spezialisiert, andere besonders gut geeignet für behinderte Kinder, das Angebot ist vielfältig“, sagt Anne Schilling. Es ist wichtig, im Vorfeld die passende Klinik zu finden. Diese kann man der Krankenkasse als Wunschklinik nennen und mit etwas Glück auch dort die Kur bewilligt bekommen. „Mütter und Väter haben hier ein gesetzlich verankertes Wunsch- und Wahlrecht, das sie auf jeden Fall wahrnehmen sollten, denn der Aufenthalt in der Wunschklinik trägt maßgeblich zum Gelingen der Kur bei“, so die Expertin.

Was muss ich selbst bezahlen?

Die Krankenkasse trägt die Kosten für den Aufenthalt, dazu kommt ein gesetzlicher Eigenteil von zehn Euro pro Tag für jeden Erwachsenen – in drei Wochen sind das 220 Euro. Einkommensschwache Teilnehmer können diesen Eigenanteil reduzieren. Die Selbstbeteiligung an Kassenleistungen ist auf zwei Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens begrenzt – bei chronisch Kranken sogar auf ein Prozent. Bei einer Hartz-IV- oder Sozialhilfeempfängerin mit einem oder mehreren Kindern wären das beispielsweise rund 90 Euro. Frauen oder Männer, die darüber hinaus finanzielle Unterstützung brauchen, können diese aus Spendenmitteln des Müttergenesungswerks bekommen.

Und wenn der Antrag abgelehnt wurde?

In den vergangenen Jahren bekamen immer mehr Mütter und Väter einen positiven Bescheid. Das hat allerdings auch volle Häuser und längere Wartezeiten zur Folge. Schilling rät: „Wenden Sie sich immer an eine Beratungsstelle, wenn Sie einen ablehnenden Bescheid bekommen oder keinen Platz in Ihrer Wunschklinik. Es lohnt sich, nachzufragen, denn manchmal werden kurzfristig Plätze frei.“ Auch wenn die Krankenkasse den Antrag zunächst ablehnt, lohnt sich ein Widerspruch – 65 Prozent der Widersprüche sind erfolgreich und die Mütter können Ihre Kur schließlich antreten.

Wie läuft die Kur ab?

Für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer gibt es einen Behandlungsplan, der auf das Krankheitsbild abgestimmt ist. Dazu gehören medizinische, physiotherapeutische oder psychotherapeutische Maßnahmen. Je nach Klinik liegt der Schwerpunkt auf Naturheilkunde, Psychotherapie, körperlichen Anwendungen oder anderen Therapien – das Angebot ist vielfältig. Gerade deshalb sollte man sich vorher gut überlegen, welche Klinik am besten passt. Je nach Einrichtung werden die Kinder den ganzen Tag oder zeitweise betreut. Auch das richtet sich nach Ihren Bedürfnissen: Manche können die Kur am besten nutzen, wenn Sie viel Zeit für sich selbst haben. Andere erholen sich besser, wenn Sie besonders viel Zeit mit dem Nachwuchs verbringen.

Was ist das Besondere an einer Vater-Kind-Kur?

Die Kur steht Vätern genauso zu wie Müttern. Im Jahr 2014 haben 1200 Väter eine Vater-Kind-Kur oder eine Väter-Kur (ohne Kinder) beantragt. Wenige im Vergleich zu rund 50.000 Müttern – aber der Anteil der Männer steigt jedes Jahr. Deshalb haben sich 13 Kliniken des Müttergenesungswerks auf Vater-Kind-Kuren spezialisiert. An einigen gibt es Väter-Gruppen mit eigenen Maßnahmen oder Therapien. Andere Einrichtungen nehmen zu bestimmten Zeiten nur Väter und ihre Kinder auf und richten ihr Angebot auf die Bedürfnisse und Probleme von Männern aus.

 

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