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Hautkrebs-Früherkennung: Wann zum Arzt?

Die Sonne muss man nicht generell meiden. Allerdings braucht die Haut – vor allem die von Kindern – einen guten UV-Schutz und ab und zu einen Check beim Arzt


Gerade die zarte Haut kleiner Kinder sollte keinen Sonnenbrand abbekommen

Wenn Babys mit grellen Sonnenstrahlen in Kontakt kommen, reagieren sie intuitiv abwehrend: Sie blinzeln, drehen ihren Kopf zur Seite und fangen an zu quengeln. Gut, wenn wir uns an ihnen ein Beispiel nehmen. Denn zu viel UV-Licht schadet. Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 200.000 Menschen an hellem Hautkrebs. 24.000 bekommen die Diagnose schwarzer Hautkrebs; jeder achte Patient stirbt daran. Wie Sie den Sommer ohne Reue genießen, erklären unsere beiden Experten:


Unbeschwert Sonne tanken: Geht das noch?

Ja. Und es ist auch wichtig, denn die Sonnenstrahlen tun der ­Seele und dem Körper gut. Lebensnotwendig sind sie sogar für die Bildung von Vitamin D, das für das Knochenwachstum sorgt. „Deshalb würde ich nie raten, die Sonne ganz zu meiden“, sagt Prof. Dr. med. Eggert Stockfleth, Leiter des Hauttumorcentrums der ­Charité in Berlin und Vorsitzender der Europäischen Hautkrebsstiftung. Aber: in Maßen genießen und mit dem richtigen Sonnenschutz!



Prof. Dr. Eggert Stockfleth

Wann entwickelt sich Hautkrebs?

Neben den Genen und verschiedenen Viren tragen UV-Strahlen zur Entstehung von Hautkrebs bei. „Die Haut ist wie ein UV-Konto, auf das man ­­einzahlt“, sagt Stockfleth. „Je nach Hauttyp ist das Konto schneller voll. Dann steigt das Hautkrebsrisiko.“ Personen mit heller Haut haben einen geringen Eigenschutz und sind stärker gefährdet, Hautkrebs zu bekommen, als Personen mit dunkler Haut. Wenn jemand viele Leberflecken hat (mehr als 50), sich oft im Solarium bräunt und in seiner Familie schon jemand Hautkrebs hatte, trägt er ein erhöhtes Risiko.

Sind Kinder stärker ­gefährdet?

Ja. Zum einen verbringen sie mehr Zeit im Freien – und bekommen so mehr Sonnenstrahlen ab. Zum anderen ist ihre Haut dünner und besonders empfindlich. „Die Barriere­funktion der Haut ist noch im Aufbau“, sagt Stockfleth. Deshalb rötet sich die Haut der Kleinen sehr schnell – mit lebenslangen Folgen. „Sonnenbrände im Kindesalter schädigen die Stammzellen der Haut derart, dass noch Jahrzehnte später bösartige Tumore auftreten können“, so der Experte. Je jünger die Kleinen, des­to gefährlicher die Strahlen. Deshalb sollten Kinder unter einem Jahr nicht in die Sonne.


Wann sollte man zum Arzt gehen?

„Immer, wenn sich die Haut verändert hat“, sagt Dr. med. Jessica Hassel, Leiterin der Hautkrebsambulanz am Universitätsklinikum Heidelberg. Etwa wenn ein Leberfleck größer oder dunkler geworden ist, juckt oder blutet. Das können Anzeichen für ein Melanom sein. Solche Hautveränderungen treten auch an Körperstellen auf, die selten dem Licht ausgesetzt sind. Kinder und Erwachsene mit vielen oder auffälligen Muttermalen sollten regelmäßig zum Arzt. Oft entfernt er bestimmte Male, um auszuschließen, dass es sich um ein Melanom handelt.

Wer kann am Screening teilnehmen?

Unabhängig davon raten Experten, das Hautkrebs-Screening zu nutzen. Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren können die Früherkennungsuntersuchung alle zwei Jahre in Anspruch nehmen. „Ein früh erkanntes Melanom ist zu 100 Prozent heilbar, ein fortgeschrittenes nur zu 30 Prozent“, so Stockfleth. Einige Kassen bieten das Screening auch für unter 35-Jährige an oder zahlen eine jährliche Kontrolle. Auch private Krankenkassen bieten eine Vorsorge an.

Wie läuft das Hautkrebs-Screening ab?

Zur Untersuchung können Sie entweder zum Haut- oder Hausarzt gehen. Wichtig ist, dass er für das Screening zertifiziert ist.

Zunächst erkundigt sich der Arzt nach dem Gesundheitszustand und fragt nach Vorerkrankungen. Dann folgt die Untersuchung. „Mit dem bloßen Auge wird die Haut, auch auf dem Kopf, im Mund und an den Genitalien, betrachtet“, erklärt Hassel.

Was bringen zusätzliche Untersuchungen?

Manche Hautärzte bieten das Screening mit Auflichtmikroskop (Dermatoskop) an. Damit kann man in zehnfacher Vergrößerung auch tiefer gelegene Hautschichten betrachten. Die Methode muss privat bezahlt werden. „Für Risiko-Patienten ist es aber sinnvoll“, sagt Stockfleth.

Zusätzlich gibt es die Video-Dermatoskopie. Dabei werden Bilder von auffälligen Pigmentmalen gemacht und können bei späteren Kontrollen verglichen werden. „Das empfehle ich Patienten, die viele Leberflecke haben“, sagt Hassel. Aber auch das ist keine Kassenleis­tung, die Kosten sind um einiges höher als mit dem Auflichtmikroskop.

Anders, wenn man einen verdächtigen Fleck abklären lässt oder der Hausarzt wegen einer Auffälligkeit zum Hautarzt überweist: Dann übernimmt die Kranken­kasse die Kosten.

Leberfleck oder Krebs?

Hautkrebs kann sehr unterschiedlich aussehen. Um ein auffälliges Pigmentmal einzuschätzen, hilft die ABCDE-Regel. Trifft einer der Punkte zu, sollte der Arzt den Fleck prüfen:

  • A wie Asymmetrie: ungleichmäßig ­geformt, asymmetrisch
  • B wie Begrenzung: unscharfe, ausgefranste oder unebene Ränder
  • C wie Colorit: auffällige Färbung, hellere und dunklere Farben in einem Fleck
  • D wie Durchmesser: an der größten Stelle ist der Fleck größer als 5 Millimeter
  • E wie Erhabenheit oder Entwicklung: Male, die höher sind als die umgebende Haut oder sich verändert haben



Bildnachweis: W&B/Privat, Fotolia/Artur Gabrysiak/2009

Peggy Elfmann / Baby und Familie; aktualisiert am 04.06.2014, erstellt am 08.06.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, Fotolia/Artur Gabrysiak/2009

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