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FSME-Impfung bei Kindern: Ab welchem Alter?

Zecken sind gefährliche Krankheitsüberträger – unter anderem von FSME. Experten empfehlen Menschen in Risikogebieten, sich impfen zu lassen. Doch für Kleinkinder gilt das oft noch nicht


Die Zecke kann mit ihrem Stich gefährliche Infektionskrankheiten wie FSME oder Borreliose übertragen.

Beim Blumenpflücken auf der Wiese, beim Zelten auf freiem Feld, beim Wandern in den Bergen – in der freien Natur lauern sie oft: Zecken. Die winzigen Spinnentiere übertragen gefährliche Infektionskrankheiten wie Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) und Borreliose. Gegen FSME gibt es eine Impfung. Diese empfiehlt die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts allen, die in Risikogebieten wohnen oder Urlaub machen. Aber gilt die Impf-Empfehlung auch schon für Kinder und Babys?


"In vielen Fällen nicht“, sagt Professor Christian Bogdan, Mitglied der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts. „Die Impfstoffe sind zwar für Kinder ab einem Jahr zugelassen, aber es besteht ein breiter Konsens, dass die Impfung mindestens bis zum Alter von drei Jahren wenig sinnvoll ist.“ Der Grund: Bei Kleinkindern verläuft FSME meist mild. Bleibende Schäden treten äußerst selten auf. Auf die Impfung reagieren dagegen fünfzehn Prozent der Kinder mit Fieber. „Deshalb sind die meisten Ärzte bei Kindern unter drei Jahren mit der Impfung sehr zurückhaltend, viele auch noch bei den Unter-Sechsjährigen“, sagt Bogdan, der auch das Mikrobiologische Institut des Uniklinikums Erlangen leitet.

FSME-Impfung meist erst für Kinder ab drei Jahren

Aber gibt es nicht Fälle, in denen eine Impfung trotzdem empfehlenswert ist? Vor einem mehrtägigen Fahrrad- oder Wanderausflug zum Beispiel oder bei Kindern im Waldkindergarten? „Generell ist die Indikation bei Kindern unter sechs Jahren sehr eingeschränkt“, sagt Bogdan. Im Prinzip könne man aber immer impfen, wenn man der Auffassung ist, es bestünde ein besonderes Risiko. Die Entscheidung trifft der Arzt in Rücksprache mit den Eltern. Relevant kann sein, ob das Kind schon einmal von einer Zecke gestochen wurde. „Zecken gehen nicht auf jeden Menschen“, sagt Bogdan. „Sie bevorzugen solche, die bestimmte chemische Reize und Duftstoffe aussenden.“ Hat ein Kind trotz häufigem Aufenthalt in der freien Natur noch nie eine Zecke gehabt, könne ein Grund dafür sein, dass es nicht so anfällig für die Parasiten ist. Dann sei die Impfung möglicherweise weniger dringlich.

Ist sie nötig, ist es am besten, sie für die Wintermonate einzuplanen. Denn Zecken sind von März bis November aktiv – und bis der Impfschutz erreicht ist, dauert es mindestens sechs Wochen. Aber auch während des Jahres spricht nichts dagegen, sich bei Bedarf noch impfen zu lassen. Denn die meisten Zeckenstiche passieren im Hochsommer. Die Impfung besteht aus drei Dosen, die ersten zwei verabreicht der Arzt im Abstand von einem bis drei Monaten. Zirka zwei Wochen nach der zweiten Spritze ist der Schutz bereits wirksam. Die dritte Dosis folgt dann nach neun bis zwölf Monaten. Auffrischimpfungen sind – je nach Alter – alle drei bis fünf Jahre nötig.

Schnellimpfung wenig sinnvoll

Wer vergessen hat, sich rechtzeitig impfen zu lassen, kann sich für eine sogenannte Schnellimmunisierung entscheiden. Der Impfschutz wird damit aber nur ein bis zwei Wochen früher erreicht. „Ich als Immunologe halte eine Schnellimpfung generell für eine schlechte Idee“, sagt Bogdan. Die Abstände zwischen den Spritzen orientieren sich bei der normalen Impfung an der Immunantwort des Körpers. Auf jede Dosis hin produziert das Immunsystem Antikörper gegen den Erreger. Beim ersten Kontakt „merkt“ sich der Körper den Erreger, beim zweiten fällt die Immunantwort dann stärker aus. Bei der Schnellimpfung ist dieser Abstand nicht groß genug, so dass die zweite Reaktion die erste überlagert. Der verstärkende Effekt fehlt. Außerdem ist eine vierte Spritze im Abstand von einem Jahr nötig, damit der Schutz bestehen bleibt. „Erwachsenen würde ich höchstens zu einer Schnellimpfung raten, wenn ein sehr hohes Risiko besteht“, sagt Bogdan.

FSME: Vor allem für Erwachsene gefährlich

Hat die virusbefallene Zecke einmal zugestochen, lässt sich eine Übertragung von FSME nicht mehr verhindern. „Bei FSME gibt es kein Zeitfenster, wie bei der Borreliose“, sagt Bogdan. Da die Borreliose-Erreger im Darm der Zecke sitzen, dauert es in der Regel 10 bis 24 Stunden, bis sie von dort über die Speicheldrüsen der Zecke in den menschlichen Organismus gelangen. FSME-Erreger befinden sich dagegen schon in den Speicheldrüsen der Zecke. „Trotzdem sollte man die Zecke natürlich so schnell wie möglich entfernen.“

Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung ist außerdem gar nicht so hoch: Selbst in Hochrisikogebieten tragen nur höchstens 5 Prozent der Zecken das FSME-Virus in sich. Außerdem führen nur 20 bis 30 Prozent der Zeckenstiche zu einer Infektion, bei der Symptome auftreten. Diese ähneln zunächst denen einer Grippe. Typisch sind Fieber, Übelkeit und Kopfschmerzen. Bei rund zehn Prozent der Erkrankten steigt nach kurzer Besserung das Fieber ein zweites Mal an. Es drohen Komplikationen: Rund die Hälfte dieser Patienten bekommen dann eine Hirnhautentzündung, 40 Prozent eine Gehirnentzündung und 10 Prozent eine Rückenmarksentzündung, die jeweils zu Lähmungserscheinungen führen können. Manchmal sind diese von Dauer – bei Kindern kommt das aber so gut wie nie vor. „Erwachsene sollten sich aber unbedingt impfen lassen, wenn sie sich in Risikogebieten aufhalten“, sagt Bogdan. Damit die Zecke gar nicht erst zusticht, tragen Wanderer am besten Kleidung, die die Beine vollständig bedeckt, und benutzen geeignete Insektenschutzmittel.




Bildnachweis: iStock/Rolf Aasa

Daniela Frank / www.baby-und-familie.de; erstellt am 23.04.2012
Bildnachweis: iStock/Rolf Aasa

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