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Blutschwamm, Feuermal, Leberfleck: Zum Arzt?

Hautveränderungen bei Babys und Kindern sind oft weniger schlimm, als sie aussehen. Dennoch ist regelmäßige Kontrolle nötig


Bei einem Blutschwamm wandern Blutgefäße über die Haut­oberfläche hinaus

Erst sah es aus wie ein Kratzer: ein kurzer, hellroter Strich auf der Stirn von Lena*, damals gerade vier Wochen alt. Doch plötzlich wuchs der Fleck, nicht nur in die Breite, sondern auch in die Höhe. „Da konnte man fast zuschauen, so schnell ging das“, erinnert sich Lenas Mutter, Heike Ritter* aus München. Was da innerhalb weniger Wochen so rasant wuchs, war ein Häm­­angiom oder Blutschwamm. „Medizinisch handelt es sich dabei um einen Tumor. Das klingt schlimmer, als es ist, denn diese Art ist fast immer gutartig“, so der Dermatologe Dr. med. Georg Papathanassiou aus Schwerte. Trotzdem ist der Schreck groß, wenn dem Kind plötzlich ­eine dunkelrote Beule wächst. Selten sind Blutschwämme nicht: In Deutschland trifft es drei bis fünf Prozent der Säuglinge.


Wandernde Blutgefäße

Zu Beginn ist es nur ein kleiner roter Fleck, der kaum auffällt. „Bei vielen Kindern bleibt es bei dieser Verfärbung, man spricht dann von einem Feuermal. Sitzt der Fleck im Nacken, sagt man auch Storchenbiss“, erklärt PD Dr. med. Natalie Garcia Bartels, Oberärztin der Kinderdermatologischen Hochschulambulanz an der Berliner Charité. Was da so rötlich schimmert, sind Blutgefäße. „Aus bisher kaum bekannten Gründen liegen die Adern an diesen Stellen knapp unter der Hautoberfläche und nicht, wie es normalerweise sein sollte, in tieferen Schichten“, sagt Papathanassiou. „Das sorgt für die rötliche Färbung.“ Wandern die Blutgefäße noch weiter nach oben, über die Haut­oberfläche hinaus, spricht man vom Blutschwamm. Er besteht schon bei der Geburt oder entwickelt sich bis zum ersten Geburtstag. Wächst er so rasch wie bei der kleinen Lena, wird er meist sofort entfernt. Denn in solchen Fällen besteht das Risiko, dass aus dem kleinen ein größerer Tumor wird. Die meis­ten Hämangiome und Feuermale verschwinden allerdings im Lauf der Kindheit von selbst.



Dr. Georg Papathanassiou hat eine Hautarztpraxis in Schwerte. Einer seiner Schwerpunkte ist die Kinderdermatologie

Manchmal rasche Behandlung nötig

Entscheidend für die Therapie ist neben dem raschen Wachstum der Ort, an dem der Blutschwamm sich bildet. „Die wuchernden Blutgefäße können große Schäden anrichten, zum Beispiel wenn sie am Auge sitzen“, so Papathanassiou. Wird hier nicht schnell gehandelt, kann das Kind schwere Sehstörungen zurückbehalten oder sogar erblinden. Auch an den anderen Körperöffnungen und den Genitalien sollten Blutschwämme schnell entfernt werden. „Sonst besteht die Gefahr, dass die Geschwülste, wenn sie etwa an oder in der Nase sitzen, die Atmung erschweren“, so Garcia Bartels.



PD Dr. med. Natalie Garcia Bartels ist Oberärztin der Kinderdermatologischen Hochschulambulanz der Charité Berlin

In bestimmten Bereichen des Gesichts weisen Feuermale und Häm­angiome auf mögliche ­innere Gefäß­fehlbildungen hin: „Wo genau auch innere Organe oder Nerven von den wuchernden Adern betroffen sein könnten, erkennt nur der Arzt. Deshalb sollte das Kind auch mit kleinen Malen zum Dermatologen“, rät Garcia Bartels. Hämangiome und Feuermale, die sich über eine ganze Gliedmaße ziehen, sollten ebenfalls unter ärztlicher Kontrolle­ stehen.

Oft hilft Lasern

Häufig setzen Ärzte die Lasertherapie gegen Blutschwämme ein. Die Wärme-Licht-Behandlung stoppt die wuchernden Gefäße in ihrem Wachstum und leitet ihre Rückbildung ein. „Das kann ein bisschen zwicken, geht aber sehr schnell“, so Hautarzt Papathanassiou. Die kleine Lena bekam von ihrer ersten Laser-Behandlung gar nichts mit. „Sie hat das einfach verschlafen“, erinnert sich ihre Mutter. Meist sind etwa drei Sitzungen notwendig, um die Ausbreitung der Blutgefäße zu stoppen.

Ungünstig liegende Hämangiome oder solche, die sich sehr unregelmäßig über größere Flächen ausbreiten, lassen sich auch mit Medikamenten, etwa Kortison, behandeln. Nebenwirkungen kann es geben. Diese hängen von der Dosis und dem Alter des Kindes ab. Darüber klärt der Arzt auf. Eine Zufallsentdeckung bescherte Hautärzten vor einigen Jahren ein weiteres Mittel gegen Blutschwämme: Ein Betablocker, eigentlich eingesetzt gegen hohen Blutdruck und bestimmte Herzrhythmusstörungen, ließ bei einem Jungen die Hämangiome verschwinden. Mittlerweile konnten mehrere Studien und Fallbeispiele die Wirksamkeit des Medikaments bestätigen. Fachleute schätzen seine Wirkung sogar als besser und nebenwirkungsärmer ein als die des Kortisons. Noch fehlen allerdings Daten aus großen Studien. „Jetzt muss noch herausgefunden werden, warum diese neue Therapie so gut wirkt. Aber es war ein glücklicher Zufall für die Hämangiom-Behandlung“, sagt Garcia Bartels.


Kleine und große Flecken

  • Blutschwämme sind kleine, gutartige Tumore der Blutgefäße. Nur an bestimmten Stellen können sie gefährlich werden.


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  • Feuermale können eine Vorstufe der Blutschwämme sein, bleiben jedoch flach. Im Gesicht sollten sie entfernt werden.


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  • Café-au-lait-Flecken sind benannt nach ihrer Farbe. Ab sechs Stück sollte der Arzt sie beobachten.


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  • Leberflecken hat fast jeder hellhäutige Mensch. Ab 50 Stück oder bei Auffälligkeiten ist ein Check beim Hautarzt nötig. Achtung bei mehrfarbigen Malen!


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Pigmentflecken selten gefährlich

Auch andere Hautmale können in früher Kindheit auftreten: Flecken, die durch zu viele Pigmente entstehen, haben fast alle hellhäutigen Menschen. Sie sind selten gefährlich, und nur in bestimmten Fällen sollte der Hautarzt sie regelmäßig ­kontrollieren. Weil ihre Farbe an Kaffee mit Milch erinnert, tragen die Café-au-lait-Flecken diesen Namen. ­Die medizinisch zu den Hyperpigmentierungen zählenden Male sind an sich ungefährlich und müssen nicht behandelt werden. Zeigen sich jedoch mehr als sechs, die bei einem Kind ­einen Durchmesser größer als einen halben Zentimeter haben, kann etwas Ernsthaftes dahinterstecken: „Treten viele Flecken auf, stehen sie häufig in Verbindung mit Neurofibromatose, die auch Morbus von Recklinghausen genannt wird“, so Papathanassiou. Nervenschäden, Entwicklungsverzögerungen, Hörprobleme, aber auch Knötchen unter der Haut oder an den Augen sind weitere Zeichen dieser seltenen Krankheit.

Die bekanntesten Hautmale sind sicherlich die Leberflecken. Auch sie sind generell kein Anlass zur Sorge. „Wenn aber Kinder schon mit Leberflecken auf die Welt kommen, sollten diese streng beobachtet werden“, sagt Dermatologe Papathanassiou. „Angeboren haben diese nämlich ein höheres Risiko, sich später zu bösartigem Hautkrebs zu entwickeln.“ Gleiches gilt – übrigens auch bei Erwachsenen – bei asymmetrischen, mehrfarbi­gen, erhabenen, ungleichmäßig begrenzten oder sehr großen Flecken. Auffällig ist immer auch, wenn ein Hautfleck, ob vorhanden oder neu, sich schnell verändert – hinsichtlich Form, Farbe und Größe.

 

* Namen von der Redaktion geändert




Bildnachweis: Your Photo Today/Phanie, Your Photo Today/BSIP, www.dermis.net, ddp Images GmbH, W&B/Privat

Julia Jung / Baby und Familie; aktualisiert am 20.03.2014,
Bildnachweis: Your Photo Today/Phanie, Your Photo Today/BSIP, www.dermis.net, ddp Images GmbH, W&B/Privat

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