Blasenentzündung: Was jetzt hilft

Viele Frauen plagen ständig wiederkehrende Blasenentzündungen. Wie man vorbeugen kann und welche Mittel helfen

von Tanja Pöpperl, aktualisiert am 17.07.2015

Anfällig für Blasenentzündungen? Nach dem Baden den nassen Bikini wechseln

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Zu lange mit dünner Bluse und Leinenhose fröstelnd im Straßencafé gesessen, nach dem Schwimmen nicht schnell genug den nassen Badeanzug gewechselt – schon haben sich empfindliche Frauen einen Harnwegs­infekt eingefangen.

Mit Brennen, Stechen, Unterleibskrämpfen und ständigem Harndrang macht er jeden Toi­lettengang zur Qual. Mehr als die Hälfte aller Frauen leidet mindes­tens einmal im Leben unter einer schmerzhaften Blasenentzündung, in bis zu zehn Prozent der ­Fälle treten die Infekte immer wieder auf. Das bedeutet: dreimal im Jahr, manchmal weitaus häufiger.


Dr. med. Wolfgang Bühmann ist Pressesprecher des Bundesverbands Deutscher Urologen und leitet eine Praxis auf Sylt

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Hormonumstellungen begünstigen Harnwegsinfekte

"Es scheint eine genetisch bedingte Empfänglichkeit für wiederholte Harnwegsinfekte zu geben", sagt die Apothekerin Miriam Oster aus Oberursel bei Frankfurt am Main. "So hat man eine fami­liäre Häufung beobachtet. Wenn die Mutter öfter betroffen ist, hat die Tochter mit höherer Wahrscheinlichkeit das gleiche Problem." Zusätzlich spiele die Lebensphase eine große ­Rolle, erklärt Dr. Wolfgang Bühmann vom Berufsverband Deutscher Urologen.

"Die Anfälligkeit für Blasenentzündungen hängt unter anderem mit hormonellen Umstellungen zusammen", so der Mediziner mit eigener Praxis auf Sylt. "Pubertät, Schwangerschaft, neue Verhütungsmethode oder Wechseljahre: Solche Umbrüche bescheren manchen Frauen, die vorher nicht betroffen waren, häufige Harnwegsinfekte. Umgekehrt kann mit dem Eintritt in e­ine neue Lebensphase eine früher bestehende Sensibilität wieder verschwinden."


Miriam Oster ist Vorstandsmitglied des Hessischen Apothekerverbands und leitet drei Apotheken in Oberursel und Frankfurt am Main

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Häufigste Infektionsquelle: Die eigenen Scheiden- oder Darmbakterien

Nicht nur eine genetische Disposition, auch bestimmte Gewohnheiten können mehrmalige Blaseninfektionen begünstigen. Wer etwa regelmäßig zu wenig trinkt, macht es Erregern leichter, sich in den Harnwegen anzusiedeln. "Betroffene Frauen sollten ihre Trinkmenge generell auf zweieinhalb Liter pro Tag steigern", rät der Urologe. "Was Sie da trinken, ob Wasser, klare Brühe oder Kakao, ist prinzipiell egal. Hauptsache, die Blase wird mechanisch durchgespült." Kältereize gilt es ebenfalls zu vermeiden: Das Sitzen auf kaltem Untergrund etwa, zu luftige Kleidung oder knapper Spitzenslip statt wärmender Baumwollunterwäsche bei kühlen Temperaturen. Dabei verringert sich nämlich die Durchblutung im Unterleib, was zu einer lokalen Abwehr­­schwäche führen kann. Da hilft nur: Gesundheit geht vor Sexappeal, Feinripp schützt besser als Stringtanga.

Apropos: Geschlechtsverkehr zählt zu den Risikofaktoren, weshalb der Harnwegsinfekt manchmal als "Flitterwochenkrankheit" bezeichnet wird. Scheidenbakterien gelangen durch Reibung leicht in die Harnröhre und lösen ­eine Entzündungs­reaktion aus. Vielleicht unromantisch, aber hilfreich ist es, hinterher zeitnah zur Toi­lette zu gehen. ­Übrigens werden nur relativ selten fremde Keime vom Mann zur Frau übertragen. Unwahrscheinlich ist auch eine Infektion auf öffentlichen Toiletten oder im Chlorwasser. Fast immer sind eigene Scheiden- oder Darmbakterien die Übeltäter. ­Daher ist ­Hygiene wichtig, sollte aber trotzdem nicht übertrieben werden. "Von ­Intimsprays und -seifen oder Scheidenspülungen rate ich ab, um das gesunde Milieu der Schleimhäute nicht zu stören", sagt ­Miriam Oster. Mit warmem Wasser waschen und beim Toilettengang auf die richtige Wischtechnik achten, reicht aus: von der ­Scheide ausgehend nach hinten.

Antibiotika nicht immer notwenig

Sämtliche Regeln beachtet und trotzdem meldet sich immer wieder das lästige Brennen? Forscher vermuten in diesen Fällen einen Zusammenhang mit Dauer­stress. "Stresshormone schwächen nun mal das Immunsystem. Manche Frauen bekommen unter anhaltender Belastung dauernd Magenschmerzen, bei anderen meldet sich immer wieder die Blase", erklärt Wolfgang Bühmann. Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation oder autogenes Training können hier langfris­tig helfen.

Und auch im Akutfall muss es nicht zwingend immer die Antibiotika­­behandlung sein, wie Miriam ­Oster sagt: "Es gibt ­äußerst potente pflanzliche Mittel mit desinfizierender, abschwellender oder entzündungshemmender ­­Wirkung." Pflanzenpräparate mit Extrakten aus Kapuzinerkresse, Lieb­­stöckel, Meerrettichwurzel oder Tausend­güldenkraut können Symptome gut lindern – immer voraus­gesetzt, es handelt sich um ­einen unkomplizierten Infekt. "Ist dies der Fall, muss man auch keine Angst davor haben, dass der Infekt heimlich vor sich hin schwelt und man etwas verschleppt", so die Apothekerin.

Viele Infekte heilen ohne Antibiotika aus

Sobald die Schmerzen sehr stark werden, in den Nieren oder im Flankenbereich zu spüren sind, Fieber oder Blut im Urin auftritt, sollte man die Beschwerden unbedingt ärztlich abklären lassen. Schwangere, Männer und Kinder müssen immer zum Arzt. Ebenso sollten Frauen, die zum ersten Mal ­eine Blasen­infektion haben, nicht gleich eine Selbsttherapie starten, sondern erst einmal die Ursache abklären lassen. Zum Glück tritt das gefürchtete Aufsteigen des Infekts in die Nieren nur ganz selten auf. "80 Prozent der Infekte heilen ohne Arztbesuch und Antibio­tika aus", be­ruhigt Uro­loge Bühmann.

"Allerdings hängt es vom individuellen Schmerzemp­­finden und dem Leidensdruck ab, ob man mit einem unkomplizierten Infekt alleine durch viel trinken und pflanzliche Mittel klarkommt." Relativ neu ist die Empfehlung, den schmerzlindernden und entzündungshemmenden Effekt des Wirkstoffs Ibuprofen zu ­nutzen. Damit soll während der "Abwarten-und-Tee-trinken"-Phase den Selbstheilungskräften ­eine Chance gegeben werden. Lassen Sie sich vor der Einnahme in der Apotheke beraten. Wenn sich die Beschwerden nach drei bis fünf Tagen nicht deutlich gebessert haben, führt allerdings kein Weg mehr an der Arztpraxis vorbei.

Vorsicht vor Resistenzen

Falls eine Antibiotikabehandlung notwendig ist, gilt nach derzeitiger Studienlage unter anderem der Wirkstoff Nitrofurantoin bei Harnwegs­infektionen als geeignet. Allerdings nicht für Schwan­gere. Grundsätzlich gibt Wolfgang Bühmann zu bedenken: "Es ist ja nicht so, dass alle chemischen Arznei­mittel schlecht und alle pflanzlichen gut für den Körper sind. Pflanzenstoffe können bei Unverträglichkeit oder Überdosierung genauso Schaden anrichten, und manchmal muss man die Grenzen alternativer Mittel akzeptieren." Dennoch warnt der Urologe vor einer unkritischen Einnahme von Antibiotika, um Resistenzen zu vermeiden.


Alternative Mittel im Check

  • Akupunktur
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    Akupunktur

    In einer aktuellen US-Studie zur vorbeugenden Wirkung diverser Mittel bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten ­landete die Akupunktur auf dem zweiten Platz, hinter der länger­fristigen Einnahme eines niedrig dosierten Antibiotikums.

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  • Cramberry
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    Cranberry-Präparate

    Die Studienlage zur Moosbeere ist unklar. Während es Hinweise gibt, dass enthaltene Substanzen zumindest einen vorbeugenden Effekt haben können, halfen Cranberry­kapseln in anderen Untersuchungen nicht besser als ein ­Placebo, also ein Scheinmedi­kament ohne Wirkstoff.

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  • preiselbeere
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    Preiselbeersaft

    Finnische Forscher fanden heraus, dass das tägliche Trinken von 50 Milli­liter Preiselbeersaft über einen Zeitraum von sechs ­Monaten im Vergleich zu gar ­keiner Behandlung das Risiko einer erneuten Harnwegsinfek­­tion deutlich reduziert.

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  • Kapuzinerkresse
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    Senföle

    Diverse Stu­dien legen die antibakterielle Wirkung von Senf­ölen, ­­etwa in Extrakten aus Kapuziner­kresse und Meerrettich­wurzel, nahe. Da sich ­Senföle im Körper überwiegend in ­der Harn­blase anreichern, lassen sie sich bei unkomplizierten Harnwegs­infekten als Alternative zu chemischen Antibiotika einsetzen.

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