Auffälligkeiten: Ist mit dem Baby alles okay?

Das Baby spuckt viel, atmet flach, verdreht die Augen, zuckt seltsam – Eltern irritiert anfangs vieles. Meist besteht kein Grund zur Sorge. Folgendes sollten sie aber abklären lassen

von Tanja Pöpperl, aktualisiert am 29.01.2016

Flacher Hinterkopf? Er kann sich bilden, wenn Babys ständig auf dem Rücken liegen

Image Source Limited/Emma Kim

Winzig, zerbrechlich und unglaublich süß – die Freude, nach der Entbindung, ein gesundes Kind im Arm zu halten, ist unbeschreiblich. Doch kaum aus der Klinik entlassen, fangen häufig die Sorgen an: Trinkt das Baby wirklich genug? Warum hört es manchmal auf zu atmen? Sieht der Kopf nicht irgendwie komisch aus? Wir fragten zwei Experten, in welchen Situa­tionen Eltern ganz entspannt bleiben können und wann es besser ist, die Hebamme oder den Kinderarzt um Rat zu fragen.


Das Kind atmet unregelmäßig

Mal hechelt das Kleine im Schlaf, mal legt es eine ­Atempause ein. "Für Eltern sind Atem­aussetzer ein Schock. Aber keine Angst", sagt der Berliner Kinder- und Jugendarzt Jakob Maske. "Die Atmung von Neugeborenen ist phasen­­weise flach, dann wieder tiefer." Die meist ungefährlichen Atemaussetzer dauern bis zehn Sekunden. Manche Babys vergessen das ­Atmen, wenn sie sich beim Trinken verschluckt haben. Tipp von Dr. ­Tanja Brunnert, Kinder- und Jugend­ärztin in Göttingen: "Pus­ten Sie dem Baby ins Gesicht, dann holt es reflexartig Luft."

Wann zum Arzt? Immer wenn Sie beunruhigt sind wegen längeren Aussetzern. Auf jeden Fall, wenn Finger oder Gesicht bläulich sind – ein Hinweis auf Sauerstoffmangel.


Dr. Tanja Brunnert ist Kinder- und Jugendärztin mit eigener Praxis in Göttingen

W&B/Privat

Das Baby hat abgenommen

Schon wieder 100 Gramm leichter? "­In den ersten Lebenstagen ist es normal, wenn Babys abnehmen", sagt Tanja Brunnert. Denn es dauert, bis genug Muttermilch produziert wird – und der Darm ­richtig arbeitet.

Inner­halb der ersten ­Tage verlieren viele Babys bis zu zehn Prozent ihres Geburtsgewichts. Nach zwei Wochen haben sie den Verlust in der Regel ausgeglichen.

Wann zum Arzt? Stagniert das Gewicht oder nimmt es weiter ab, sollten Sie zunächst mit der Heb­amme nach den Ursachen forschen. Möglicherweise stimmt die Trinktechnik des Babys nicht, oder die Milch reicht nicht aus. Lässt sich keine ­Ursache finden, sollte das Kind zum Arzt.


Jakob Maske ist Kinder- und Jugendarzt in einer Gemeinschaftspraxis in Berlin

W&B/Privat

Das Kind spuckt sehr häufig

Sie kommen mit dem Umziehen und Baden kaum hinterher, so oft speit Ihr Säugling nach der Mahlzeit wieder seine Milch aus? "Gedeiht das Kind dennoch gut und ist die meiste Zeit über gut drauf, müssen Sie sich keine Sorgen machen", gibt Kinderarzt Maske Entwarnung. Oft sieht die ausgespuckte Milchmenge größer aus, als sie tatsächlich ist. Manchmal besteht auch ein ausgeprägter Reflux, dabei steigt Magensäure in die Speiseröhre auf. Hier kann ­eine Änderung der Stillgewohnheiten Linderung bringen, zum Beispiel wenn das ­Kleine, während es gestillt wird, ein Bäuer­­chen machen darf. Kindern, die nicht gestillt werden, hilft eventuell eine sogenannte Anti-Reflux-Nahrung. Fragen Sie ­Ihre Hebamme oder Ihren Kinderarzt um Rat. 

Wann zum Arzt? Wenn der Säugling schwach und krank wirkt, viel quengelt, beim Trinken Schmerzen hat oder nicht an Gewicht zunimmt. "Einige Neugeborene leiden an einer Verengung des ­Magenausgangs. Dieser ­­sogenannte Magenpförtnerkrampf muss operiert werden", erklärt ­Jakob Maske.

Das Kleine verdreht die Augen

Hilfe, mein Baby schielt! Die ­Augen rollen manchmal einfach seitlich weg. Auch diese Baby-­Macke ist kein Grund zur ­Sorge. Am Anfang schaffen die Babys es noch nicht, die Augen auf Gegenstände scharf zu stellen, die sich dicht vor ihrer Nase befinden. Dann rutschen die Augen zur ­Seite. Nach etwa drei bis vier ­Monaten sollte das Verdrehen der ­Augen weg sein.

Wann zum Arzt? Wenn das ­Baby einen trüben, milchigen Blick hat, sollte man auf jeden Fall ­einen Kinder- oder Augen­arzt aufsuchen. "Das kann in Einzelfällen ein Hinweis auf ­einen angeborenen Kata­r­akt, den grauen Star, sein, der operiert werden muss", erklärt Kinderärztin Brunnert. Liegen Schielfehler in der Familie, ist es ebenfalls sinnvoll, eine mögliche Augen-Fehlstellung frühzeitig abklären zu lassen. 

Die Augen stehen im Schlaf offen

Schön sieht es nicht aus, wenn bei schlafenden Babys die Lider nicht geschlossen sind und sich ­womöglich die Augäpfel un­ruhig bewegen. Doch es ist harmlos. "Die Muskulatur ist entspannt, und im Liegen fallen die Augenlider eben nicht nach unten, sondern bleiben oft in einer leicht geöffneten ­Position", sagt Jakob Maske. Sichtbare Augen­bewegungen deuten auf ­einen aufregenden Traum hin, aber auch im ruhigen Tiefschlaf können die Lider leicht geöffnet sein.

Wann zum Arzt? Meist verschwindet der sogenannte Kaninchenschlaf im Kleinkindalter. Zum Arzt sollten Sie gehen, wenn Ihr ­Baby nie mit geschlossenen Augen schläft.

Der Kopf ist schief oder flach

Babys Hinterkopf wirkt irgendwie viel zu flach – dieses Phänomen ist nicht selten. "In den letzten 15 Jahren sehen wir in der Praxis viele Babys mit platten, ­teilweise asymmetrischen Hinterköpfen", erzählt Tanja Brunnert. Der Grund ist meist harmlos. "Das kommt schlicht vom vielen Auf-dem-Rücken-Liegen", erklärt die Medi­zinerin. Schließlich empfehlen Ärzte die Rückenlage für ­Babys, weil sich dadurch die Gefahr des plötzlichen Kindstods nachweislich verringert. Tagsüber aber, wenn der Säugling wach ist, sollten Eltern ihren Nachwuchs ruhig von Anfang an auch auf die Seite und den Bauch legen. Dadurch ver­formt sich der noch weiche Schädel nicht so einseitig – und gleichzeitig trainiert das Baby seine Nackenmuskeln.

Wann zum Arzt? Wenn der Kopf des Babys trotz unterschiedlicher Liegepositionen stark verformt ist. In sehr seltenen Fällen kann hinter einer ungewöhnlichen Kopfform eine frühzeitige Verknöcherung der Schädelnähte stecken, die unbedingt behandelt werden muss.

Der Windelinhalt ist komisch gefärbt

Mit einer solch breiten Farbpalette rechnen wohl die wenigsten Neu-­Eltern beim Windelwechseln! Vom schwarzen Kindspech-Stuhl in den ersten Lebenstagen über grün und braun bis hin zum gelben Muttermilch-Stuhl ist alles möglich und normal. Die komische Farbe kann von Gallenfarbstoffen verursacht werden, aber auch von dem, was die stillende Mutter gegessen hat.

Wann zum Arzt? Wenn der Windelinhalt über die ersten Lebenstage hinaus schwarz gefärbt ist oder Spuren von Blut enthält. "Möglicherweise liegt eine Entzündung im Darm oder eine Unverträglichkeit auf Kuhmilchprotein vor", sagt Brunnert. Helles Blut zeigt sich manchmal, wenn leichte Einrisse am After bestehen. Das kommt aber eher bei festem Stuhl ab dem Beikostalter vor.

Das Baby zuckt seltsam

Unheimlich, wenn das Kleine aus dem Nichts zusammenzuckt. Die Ärmchen oder Beinchen zittern kurz, der Unterkiefer vibriert. Das ist vollkommen harmlos. Auch viele Erwachsene kennen dieses Zucken, etwa kurz vor dem Einschlafen. Besonders beim Ablegen zucken die Babys oft zusammen, dabei läuft ein angeborener Klammerreflex ab, den die Kleinen mit etwa vier Monaten verlieren.

Wann zum Arzt? Sollten die Zuckungen sehr häufig vorkommen oder länger anhalten und rhythmisch sein, ist es hilfreich, wenn ­Eltern die Auffälligkeiten mit einem ­Video dokumentieren. Anhand der Aufnahme kann der Arzt besser ­beurteilen, ob eine weitere neurologische ­Untersuchung notwendig ist.



Blick in die Windel

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Bildnachweis: W&B/Privat, Image Source Limited/Emma Kim
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