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Asthma bei Kindern: Sport ist wichtig

Rennen, toben, spielen: Kleine Asthma-Patienten profitieren ganz besonders von regelmäßiger Bewegung, denn körperlich fitte Kinder haben seltener Asthma-Anfälle


Üben für den Notfall: In einer Schulung lernen Kinder, was bei Anfällen zu tun ist

Sportunterricht – Kinder rennen und hüpfen durch die Halle. Auf einmal bleibt ein Kind stehen. Es hustet und hustet und kann nicht mehr aufhören. Die Luft wird knapp: ein Asthma-Anfall. Der Lehrer steht hilflos daneben. Für Eltern ist diese Vorstellung der Horror. Vielleicht gibt es deshalb eine ganze Reihe von ihnen, die ihre Kinder am liebsten behütet im Zimmer spielen sehen und sie vom Sportunterricht fernhalten. Manche drängen ihren Kinderarzt regelrecht, ein Attest für den Sportunterricht auszustellen. Jeder dritte kleine Asthmatiker ist ganz vom Schulsport befreit.


Der Grund für diese Vorsichtsmaßnahme: Neben Infekten und Allergien gehört körperliche Anstrengung zu den häufigsten Auslösern von Asthma-Anfällen. Auf den ersten Blick scheint die Sorge der Eltern also berechtigt. Lungenspezialisten haben dagegen längst den Wert der Bewegung erkannt: „Sport ist eine Behandlungssäule des Asthma“, sagt Gitta Brockmann. Die Diplom-Psychologin vom Kinder­hospital Osnabrück bringt in Asthma­­schulungen Eltern, Kindern und Lehrern den Umgang mit der Erkrankung bei. Etwa zehn Prozent der Kindergarten- und Schulkinder leiden unter der chronischen Entzündung der Atemwege. Dauer­hafte Sportbefreiungen sind für Brockmann fast so etwas wie ein Behandlungsfehler.



Gitta Brockmann ist Diplom-Psychologin am Kinderhospital Osnabrück und Sprecherin der Akademie Luftikus e.V.

Sport hilft langfristig

Zwar gilt: Körperliche Anstrengung führt zu beschleunigter, vertiefter Atmung. „Dadurch ­trocknet die Atemwegsschleimhaut aus. Bei empfindlichen Menschen löst das eine Verengung der Bronchien – und damit einen Asthma-Anfall aus“, erklärt Dr. med. Johannes Kaplan, Kinderarzt und -pneumologe aus Rheinstetten. Studien zeigen aber, dass regelmäßiges Training die Bronchien weniger empfindlich macht. Wer körperlich fit ist, „dessen Lunge und Kreislauf arbeiten effektiver, so dass sich die Atmung bei gleicher körperlicher Belastung weniger beschleunigt und vertieft“. Beschwerden treten seltener auf.



Dr. Johannes Kaplan ist Kinder- und Jugendarzt mit Schwerpunkt Lungenerkrankungen in Rheinstetten

Also einfach raus und los? Gemach. Um asthmakranken Kindern regelmäßigen Sport zu ermöglichen, müssen Eltern, Kinder, Ärzte und Lehrer zusammen­arbeiten. Eltern müssen Lehrer und Trainer über die Krankheit des Kindes informieren – auch dann, wenn alles in Ordnung ist.

Jeder Sportlehrer betreut asthmakranke Kinder, pro Klasse sind es im Schnitt zwei bis drei. Manche haben Husten, andere pfeifende Atemgeräusche, oder sie fühlen sich schlapp beim Sport. Manche bekommen erst in der anschließenden Ruhephase Probleme. Ganz klar: „Die Kinder müssen ­eine Pause machen dürfen, wann immer sie wollen“, sagt Brockmann. In Schulungen lernen Kinder, ihre Belastungsfähigkeit besser einzuschätzen. Dann dürfen sie auch an ihre Grenzen gehen – schließlich ­gäbe es sonst keine Olympiasieger wie Anni Friesinger. Wenn Kinder sich nicht trauen, dann vor allem, weil ihre Eltern sie zurückhalten oder ihnen Angst vorm Sport machen.

Aufwärmen ist besonders wichtig

Ebenfalls wichtig: Asthmakinder dürfen nicht einfach losrennen. Sie brauchen eine intervallartige Aufwärmphase, sodass sich die Bronchien an die kommende Belastung gewöhnen können. „Zwischen Schnecke und Rennwagen wechseln“, veranschaulicht Brockmann den Trainingsbeginn. „Mit der richtigen Erwärmung dürfen Kinder jede Sportart machen.“ Besonders eignen sich Ausdauer­sportarten wie Laufen, Schwimmen und Radfahren, da sie die Kondition auf sanfte Art und ­Weise steigern. Kleine Jungen und Mädchen dürfen aber auch mit ihren Freunden im Fußballverein kicken oder mit ihnen über den Tennisplatz jagen.

Wissen, was im Notfall zu tun ist

Falls es doch zu einem ­Anfall kommt, muss der Trainer das Kind beruhigen können. Gut, wenn er dann atemerleichternde Stellungen beherrscht. Bei der Torwart­stellung etwa steht das Kind nach vorn gebeugt, mit den Händen auf den Knien. Bei der Lippenbremse wird Luft durch die geschlossenen Lippen gepresst. Es entsteht ein Gegendruck. Dieser verhindert den Kollaps der Atemwege bei angestrengter Ausatmung; die Atemwege werden offen gehalten. Manchmal hilft das schon. Sonst muss ein Notfallspray verabreicht werden. Lehrer brauchen dafür ­einen Notfallplan. „Darin steht, was zu tun und zu geben ist“, sagt Johannes Kaplan. Der Plan wird von Eltern und Arzt unterschrieben und in der ­Schule hinterlegt. Dann dürfen Lehrer auch Medikamente geben. In speziellen Fortbildungen können sie für den Notfall üben, etwa über die AG ­Asthmaschulung (www.asthmaschulung.de*) und die Deutsche Atemwegsliga (www.atemwegsliga.­de*).

Asthmakranke Kinder kennen sich meist perfekt mit den Notfallabläufen aus. Normalerweise haben sie in Schulungen den Umgang mit ihrer Krankheit erlernt, können Torwartstellung und Lippenbremse einsetzen. „Sie erkennen gefährliche Symp­tome und können mit einem Peak-Flow-Messgerät ­ihre Atemleistung bestimmen“, erklärt Diplom-Psychologin Brockmann.

Das Spray immer dabei haben

Außerdem sollten kleine Patienten immer ihr Notfallspray mit sich führen. Wird der Atem einmal knapp, helfen ein paar Hübe. Kinder mit einem Belastungs­asthma sollten auf jeden Fall vor dem Training ihre bronchien­­erweiternden Medikamente nehmen. ­Eine genaue Absprache mit dem Arzt ist wichtig. „Wir können die ­Asthmatherapie heute gut einstellen“, sagt Kinder- und Jugendarzt Kaplan. So passt er vor der Pollenflugsaison die Behandlung seiner kleinen Patienten an, wenn Pollen bei ihnen das Asthma auslösen. Wer die Auslöser kennt, kann sie oft gänzlich vermeiden.

Mädchen und Jungen, die ihre Krankheit gut beherrschen, brauchen nur selten ­eine Sportbefreiung für den Unterricht: „Das kann nach einem Infekt oder Asthma-Anfall sinnvoll sein“, erklärt Fachmann Kaplan. Aber spätestens nach zwei Wochen dürfen die Kinder wieder losdüsen. Und sie profitieren nicht nur von der körperlichen Fitness: „Sport ist wichtig für das Selbstwertgefühl“, sagt Gitta Brockmann. „Gerade chronisch kranke Kinder wollen nicht auffallen, sondern Teil der Gruppe sein.“ Wenn sie mit anderen rennen, geht es ihnen gut.




Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/DAK/Dt. Atemwegsliga/RYF

Annett Zündorf / Baby und Familie; 23.07.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/DAK/Dt. Atemwegsliga/RYF

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