Die Zahnfee, ein kleines Püppchen im Glitzerkleid, macht die Kleinen mit Bohrer oder Speichelsauger bekannt. Natürlich heißen die hier nicht so. „Die Spritze ist bei uns das Schlafwasser, der Sauger heißt Schlürfi, der Bohrer ist die Dusche, die einen Zahn sauber putzt“, sagt Schaub. So klingen die Geräte nicht bedrohlich, außerdem können sich Kinder mehr darunter vorstellen.
„Es ist ganz wichtig, dass wir mit der Vorstellungskraft der Kleinen arbeiten, uns auf ihr Sprachniveau begeben und Dinge so verpacken, dass sie fassbarer werden“, erklärt Dr. Bastian Widdershoven. Der Kinderzahnarzt aus Oldenburg zieht beispielsweise keine Zähne, sondern „wackelt“ sie raus. Dadurch erreicht er, dass seine kleinen Patienten keine Angst vor dem haben, was auf sie zukommt. „Wir müssen alles tun, damit Kinder keine Traumata entwickeln“, sagt Widdershoven. Denn: Für etwa 60 bis 70 Prozent der Erwachsenen ist eine Zahnbehandlung mit großen Ängsten verbunden, die meist in der Kindheit ausgelöst wurden. Das gilt es zu verhindern. „Die Kleinen brauchen gute Erfahrungen, damit sie wiederkommen.“
Beim ersten Termin in ihrer Praxis behandeln die Münchner Zahnärztinnen daher ihre kleinen Neupatienten gar nicht. Sie wollen erst mal Vertrauen aufbauen – auch bei den oftmals überforderten Eltern. „Sobald sie unsere Räume betreten, merken die meisten, dass eine Behandlung bei uns anders abläuft, als sie es vielleicht von früher kennen“, sagt Schaub.
Da Kinder sich nicht von vornherein vorm Zahnarzt fürchten, fordert sie von den Eltern einen sensiblen Umgang mit dem Thema. So sollten sie zum Beispiel nie mit dem Zahnarzt drohen, auch wenn ihre Kleinen sich die Zähne partout nicht putzen lassen wollen. Gerade wenn Mama oder Papa selbst Angst vorm Zahnarzt haben, ist es oftmals besser, sie erzählen ihrem Nachwuchs nicht, was ihn beim Arztbesuch erwartet. „Das übernehmen wir am besten vor Ort“, sagt Schaub.