Anmelden | Registrieren
Drucken

Zähne (1):
Pflege mit Schlürfi

Lebenslang Angst vorm Bohren? Das muss nicht sein. Deshalb ist es gut, wenn sich ein auf Kinder spezialisierter Arzt um das Gebiss der Kleinen kümmert

Kind beim Zahnarzt

Großmaul: Geduldig lässt sich Kroko seine Zähne putzen

Wenn ein Kind zu Dr. Elena Schaub in die Praxis kommt, ist der Behandlungsstuhl schon besetzt – von Kroko, einem plüschigen Krokodil. Und bevor die Ärztin sich um die Zähne ihres kleinen Patienten kümmert, darf dieser selbst Zahnarzt spielen. Denn sobald Kroko sein Maul aufreißt, kommt ein Gebiss zum Vorschein. Mit einer großen Bürste lässt sich die grüne Handpuppe geduldig von Kinderhand die Zähne säubern. Erst danach ist das Kleine selbst dran mit Mundaufmachen. Meist passiert das ohne Probleme. Alle Ängste sind bis dahin längst vergessen.


„Kroko ist nicht nur ein wunderbares Vorbild, es lenkt die Kinder auch prima ab“, sagt Elena Schaub, die mit ihren beiden Kolleginnen Dr. Cornelia Fach und Dr. Esther Wolf eine Kinderzahnarztpraxis in München führt. Die gesamte Behandlung der kleinen Patienten läuft nach diesem Prinzip ab: An der Decke über dem Behandlungsstuhl hängt ein Bildschirm, hier laufen bei längeren Sitzungen Videos. Die medizinischen Geräte sind so versteckt, dass die Kinder sie gar nicht sehen.

 


Die Zahnfee, ein kleines Püppchen im Glitzerkleid, macht die Kleinen mit Bohrer oder Speichelsauger bekannt. Natürlich heißen die hier nicht so. „Die Spritze ist bei uns das Schlafwasser, der Sauger heißt Schlürfi, der Bohrer ist die Dusche, die einen Zahn sauber putzt“, sagt Schaub. So klingen die Geräte nicht bedrohlich, außerdem können sich Kinder mehr darunter vorstellen.


„Es ist ganz wichtig, dass wir mit der Vorstellungskraft der Kleinen arbeiten, uns auf ihr Sprachniveau begeben und Dinge so verpacken, dass sie fassbarer werden“, erklärt Dr. Bastian Widdershoven. Der Kinderzahnarzt aus Oldenburg zieht beispielsweise keine Zähne, sondern „wackelt“ sie raus. Dadurch erreicht er, dass seine kleinen Patienten keine Angst vor dem haben, was auf sie zukommt. „Wir müssen alles tun, damit Kinder keine Traumata entwickeln“, sagt Widdershoven. Denn: Für etwa 60 bis 70 Prozent der Erwachsenen ist eine Zahnbehandlung mit großen Ängsten verbunden, die meist in der Kindheit ausgelöst wurden. Das gilt es zu verhindern. „Die Kleinen brauchen gute Erfahrungen, damit sie wiederkommen.“


Beim ersten Termin in ihrer Praxis behandeln die Münchner Zahnärztinnen daher ihre kleinen Neupatienten gar nicht. Sie wollen erst mal Vertrauen aufbauen – auch bei den oftmals überforderten Eltern. „Sobald sie unsere Räume betreten, merken die meisten, dass eine Behandlung bei uns anders abläuft, als sie es vielleicht von früher kennen“, sagt Schaub.

 

Da Kinder sich nicht von vornherein vorm Zahnarzt fürchten, fordert sie von den Eltern einen sensiblen Umgang mit dem Thema. So sollten sie zum Beispiel nie mit dem Zahnarzt drohen, auch wenn ihre Kleinen sich die Zähne partout nicht putzen lassen wollen. Gerade wenn Mama oder Papa selbst Angst vorm Zahnarzt haben, ist es oftmals besser, sie erzählen ihrem Nachwuchs nicht, was ihn beim Arztbesuch erwartet. „Das übernehmen wir am besten vor Ort“, sagt Schaub.



Barbara Weichs, Baby und Familie / GesundheitPro; 26.11.2008, aktualisiert am 26.06.2010
W&B/Bernhard Huber

© Wort & Bild Verlag GmbH & Co KG