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Leiden beim Zahnen: Mythos oder Wahrheit?

Eckzähne tun besonders weh, anfangs ist Putzen unnötig – über die ersten Zähne gibt es viele Gerüchte. Eine Kinderzahnärztin klärt auf


Ist das Kind während der Zahnungsphasen so fröhlich, können die Eltern aufatmen

Ungefähr, wenn das Baby ein halbes Jahr alt ist, geht es normalerweise los: Es beißt mit Vorliebe auf seinem Spielzeug oder Mamas Finger herum, wirkt unruhig und sabbert mehr – eindeutige Anzeichen dafür, dass es die ersten Zähnchen bekommt. Damit verbunden sind Schmerzen, wenn sich die neuen Beißerchen durch das Zahnfleisch schieben.

Mythen und Irrtümer über das Zahnen weit verbreitet

Was lindert die Beschwerden? Kann das Baby davon krank werden? Und ab wann gilt: Zähne putzen? Kinderzahnärztin und Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde Sabine Bertzbach stellt klar, bei welchen der verbreiteten Meinungen zum Zahnen es sich um die Wahrheit und bei welchen es sich um Irrtümer handelt.


Zahnen: Stimmt das überhaupt?

  • Die beiden ­unteren Schneidezähne wachsen zuerst

    Ja – bis auf ganz wenige Ausnahmen. „Ich kann zwar keine Statistik liefern, aber in gefühlten 99 Prozent der Fälle zeigen sich zuerst die unteren mittleren Milchschneidezähne“, bestätigt Sabine Bertzbach, Kinder­zahnärztin aus Bremen.

    Äußerst selten bricht als Ers­tes auch mal ein oberer Schneidezahn bei einem Kind durch. Und eines von 2000 Babys kommt schon mit einem Zähnchen zur Welt, obwohl das Zahnen normaler­weise erst um den sechsten Lebensmonat herum losgeht.


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  • Wenn Kinder zahnen, bekommen sie Fieber und Durchfall

    Nein. Zwar leiden viele Babys während der Zahnungsphasen unter diesen Symptomen. Dabei handelt es sich jedoch um eine zufällige Überschneidung. Denn nach dem vierten Monat nimmt der Nestschutz – der Schutz durch mütterliche Abwehrstoffe – ab. Da das Immunsystem der Kleinen noch ausreifen muss, treten jetzt häufiger Infekte auf. „Die meisten Kinder bekommen ihre Zähne ohne große Beschwerden“, sagt die Kinderzahnärztin. „Hin und wieder rötet sich das Zahnfleisch über dem durchbrechenden Zahn oder schwillt an.“ Einige Babys weinen und quengeln mehr als sonst, fast alle entwickeln einen deutlich stärkeren Speichelfluss. Treten Fieber oder Durchfall auf, sollten Sie den Kinderarzt um Rat fragen.


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  • Die ersten Zähnchen muss man noch nicht putzen

    Nein. „Sobald der erste Zahn sichtbar wird, sollten Eltern mit dem Putzen beginnen“, rät die Kinderzahnärztin. Dazu genügt es, mit einer angefeuchteten Babyzahnbürs­te oder einem Zahn-Fingerling das oder die Zähnchen sanft zu massieren. So gewöhnen Sie Ihr Kind an das tägliche Putz-Ritual. „Auf­passen sollten Sie auf das Lippenbändchen zwischen den oberen Schneidezähnen, das bei vielen Babys stark ausgeprägt und sehr berührungsempfindlich ist“, warnt Bertzbach. Viele Kinder wehren sich an dieser Stelle gegen den Gebrauch der Zahnbürste. Deshalb am bes­ten die Schneidezähne links und rechts vom Lippenbändchen einzeln putzen. Wer unsicher ist, kann auch beim Kinderzahnarzt nachfragen.


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  • Auf einer Möhre herumkauen nimmt die Schmerzen

    Ja, mit Einschränkung. Babys beißen mit Begeisterung auf allem Möglichen herum, ob das nun Mamas Zeigefinger oder eine Rassel ist. Auf diese Weise massieren sie das schmerzende Zahnfleisch. Aber: „Von Möhren oder Brot rate ich ab. Da besteht die Gefahr, dass sich das Kind verschluckt und etwas in die Luftröhre bekommt, falls sich ­größere Stücke lösen“, warnt Bertzbach. Manche Eltern geben ihren Kleinen Veilchenwurzel. „Das halte ich für keine hygie­nische Lösung“, so die Expertin. Denn trotz Auskochens könnten noch Keime enthalten sein. Leichter zu reinigen und zu groß, um sich daran zu verschlucken, sind Beißringe aus Kunststoff oder Gummi. Manche enthalten Flüssigkeit und lassen sich kühlen, um den Kleinen Linderung zu verschaffen (nur im Kühlschrank, nicht im Eisfach aufbewahren!). „Sie können die betroffene Stelle auch vorsichtig mit dem sauberen Zeigefinger massieren“, so Bertzbach. Die Apotheke berät Sie gerne über Zahnungshilfen.


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  • Die Eckzähne tun besonders weh

    „Nein, das kann ich nicht bestätigen“, sagt die Zahnärztin. Allerdings: „Der Durchbruch der Eckzähne zwischen dem 16. und 18. Lebensmonat fällt mit einer schwierigen Entwicklungsphase zusammen“, erklärt Bertzbach. Die Kleinen sind dann, unabhängig vom Zahnen, häufiger schlecht drauf.

    Manche Kinderärzte sagen, dass die oberen Eckzähne Probleme machen, wenn während des Wachstums Entzündungen auftreten. Die Wurzelspitzen, die bis unter die Augenhöhle reichen, sollen Druckschmerzen verursachen. „Ich persönlich halte das für unwahrscheinlich, meiner Erfahrung nach sind Eckzähne nicht problematischer als andere“, so die Expertin.


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  • Bernsteinketten bewahren vor Beschwerden

    Da sind die Ansichten geteilt. Viele Hebammen und Heilpraktiker schwören auf die Wirkung, Mediziner halten ­Bernsteinketten als Zahnungshilfe für Humbug. „Vielleicht hilft’s, wenn man dran glaubt“, meint Sabine Bertzbach. „Es besteht aber Strangulationsgefahr, falls das Kind mit der Kette um den Hals beim Spielen oder Klettern hängen bleibt.“

    Weiteres Risiko: Wenn die Kette reißt, könnte das Kind die Steine in den Mund nehmen und sich verschlucken. Deshalb lieber Finger weg von der Bernstein-Therapie.


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  • Wenn die ­Zähne kommen, muss man abstillen

    Nein, das kann man nicht ver­allgemeinern. Beruhigend zu wissen, falls Sie sich vor Bissen in die Brustwarze fürchten: Anfangs fehlt der Gegenbiss, und die unteren Zähne werden beim Trinken von der Zunge des Kindes verdeckt. Das Stillen läuft also schmerzfrei ab.

    „Sobald das ­Baby mehrere Zähne hat und zu fest nach der Brust schnappt, muss man ihm sanft klarmachen, dass das wehtut“, sagt die ­Kinderzahnärztin. Übrigens enthält Muttermilch relativ viel Zucker. Deshalb sollten Sie, auch wenn Sie Ihr Kind voll stillen, von Anfang an auf Zahn­pflege bei dem Kleinen achten.


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Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto, W&B/Martina Ibelherr

Tanja Pöpperl / Baby und Familie; aktualisiert am 04.11.2013, erstellt am 21.11.2011
Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto, W&B/Martina Ibelherr

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