Theoretisch könnte man sich gegen alles versichern. Aber was ist sinnvoll – zum Beispiel als Familie? Und vor allem: Bei wem schließt man die Policen ab? Schließlich sind manche Versicherungen – etwa Kinderinvaliditäts-, Lebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen – teuer und auf eine lange Laufzeit angelegt. Sie vorzeitig zu kündigen kann kostspielig werden. Wichtig ist also, ein Unternehmen zu finden, dem man traut, und einen Tarif zu ermitteln, der optimal zur Lebenssituation passt. Wir fragten nach bei Dr. Peter Grieble vom Ressort „Versicherungen“ der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart.
Man kann sicher sein, dass die Versicherer in Deutschland das Geld ihrer Kunden nicht auf den Bahamas verbraten und dann pleitegehen. Man sollte sich aber vor schwarzen Schafen unter den Versicherungsvermittlern in Acht nehmen – die einem Versicherungen empfehlen, die man nicht braucht, die nicht ausloten, welcher Tarif zu einem passt, die Verbraucher falsch informieren und in einer trügerischen Sicherheit wiegen, umfassend versichert zu sein.
Grundsätzlich gilt erst einmal: Ein Versicherungsvertreter vertreibt in der Regel nur die Produkte einer Firma. Je größer die Produktpalette des Unternehmens, desto mehr kann ein Versicherungsvertreter anbieten. Aber: Verbraucher können natürlich nicht erwarten, dass der Vertreter ihnen auch Informationen zu möglicherweise besseren Versicherungstarifen anderer Unternehmen liefert. Manche Vertreter sind übrigens im Dienste mehrerer Unternehmen unterwegs. Das sind sogenannte Mehrfirmenvertreter. Das kann grundsätzlich besser sein als ein Einfirmenvertreter, weil es mehr Vergleichsmöglichkeiten gibt. Aber bei beiden Vertreterformen gilt: Sie stehen immer im Lager des Versicherers, nicht des Verbrauchers.
Sie können erwarten, dass er eine ordentliche Bedarfsanalyse macht, über die Angebote richtig informiert und zu den Versicherungen rät, die zum Verbraucher passen. Dabei wird etwa bei einer Lebensversicherung oder einer Berufsunfähigkeitspolice ganz genau ermittelt, wie viel Geld im Versicherungsfall benötigt wird. Auf Basis der Analyse schlägt dann der Versicherungsvertreter die passende Police vor. So ein Gespräch kann aber nicht in fünf Minuten ablaufen.
Da wendet man sich am besten an einen Versicherungsmakler oder Honorarberater. Ein Versicherungsmakler hat einen möglichst großen Überblick über den Versicherungsmarkt und findet die beste Versicherung heraus, die nach seiner Analyse zu seinem Kunden passt. Das kostet den Verbraucher nichts. Der Makler lebt von Provisionen der Firmen, für die er abschließt. Wirklich unabhängig berät nur ein Honorarberater. Er erhält keine Provisionen, sondern lebt vom Honorar seiner Kunden.
Das kann ganz unterschiedlich sein. 100 Euro in der Stunde sind ein Anhaltswert. Damit kommt man ziemlich weit – und spart dies unter Umständen anschließend bei der Versicherung ein. Dann nämlich, wenn der Honorarberater besonders günstige Tarife gefunden hat oder bei Vertragsabschluss keine Vertriebsprovision anfällt. Seriöse Honorarberater findet man bei den Verbraucherzentralen oder beim Bundesverband der Versicherungsberater (www.bvvb.de*).
Grundsätzlich gilt: Pauschale Empfehlungen taugen nichts. Fragen Sie ruhig nach, wie lange der Vermittler schon im Geschäft ist. Wer bei einem Versicherungsabschluss zweifelt, sollte sich Rat holen, etwa bei den Verbraucherzentralen. Das kostet ein geringes Honorar – und erspart einem teure Fehler.
In jedem Fall eine private Haftpflicht. Zudem empfehlen wir eine Kinderinvaliditätsversicherung. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung brauchen alle, die Geld verdienen. Sinnvoll ist eine Risikolebensversicherung für Familienernährerinnen oder -ernährer.
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Anne-Bärbel Köhle / Baby und Familie;
20.08.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, Getty Images/Visit Peaks & Derbyshire
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