Windpocken

Das Varizella-Zoster-Virus verursacht Windpocken. Mehr Informationen zu Symptomen, Ansteckung und Behandlung der Krankheit
aktualisiert am 11.08.2017

Windpocken: Etwa zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung tritt der Ausschlag auf

Digital Vision/RYF

Windpocken - kurz zusammengefasst

Typisch für Windpocken ist der Ausschlag, bei dem rote Flecken, Bläschen und bereits verschorfte Stellen nebeneinander vorkommen - der sogenannte "Sternenhimmel". Windpocken in der Schwangerschaft sind gefährlich für das Baby. Das Virus ist hoch ansteckend und kann schon ein bis zwei Tage bevor der Ausschlag auftritt auf andere übertragen werden. Etwa eine Woche nach Beginn des Ausschlags sind die Bläschen verschorft und der Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen ist wieder erlaubt. Eine Impfung kann vor der Krankheit schützen.

Was sind Windpocken?

Windpocken (Varizellen) sind eine hoch ansteckende Viruserkrankung. Die wichtigsten Symptome sind ein Ausschlag mit roten Flecken und Bläschen am ganzen Körper sowie leichtes Fieber. Seltene, aber mögliche Komplikationen sind unter anderem eine Lungen- oder Hirnhautentzündung sowie die bakterielle Infektion der Bläschen. Jahre später kann es durch im Körper verbliebene Viren zu einer Gürtelrose kommen. Seit der Impfempfehlung im Jahr 2004 ist die Krankheit viel seltener geworden.

Hochansteckender Erreger: So sieht das Virus aus

Mauritius/Science Source

Ursachen und Ansteckung

Das Varizella-zoster-Virus (VZV) ist der Erreger der Windpocken. Es gehört zu den Herpesviren und ist so ansteckend, dass sich vor der Einführung der Impfung die meisten Menschen schon als Kinder mit dem Erreger infiziert haben. Wer einmal erkrankt war, ist anschließend normalerweise lebenslang gegen das Virus geschützt. Aus diesem Grund zählte man Windpocken zu den Kinderkrankheiten. Erwachsene, die noch keine Windpocken hatten beziehungsweise nicht gegen sie geimpft sind, können die Krankheit jedoch bekommen.

Die Übertragung erfolgt über die Luft (den "Wind") durch virushaltige Tröpfchenkerne, die von erkrankten Personen beim Atmen und Husten ausgeschieden werden und dazu führen können, dass sich Menschen im Umkreis von mehreren Metern anstecken. Auch der Inhalt der auf der Haut auftretenden Bläschen ist infektiös.

Die Krankheit ist bereits ein bis zwei Tage bevor der Hautausschlag auftritt ansteckend. Die Gefahr einer Weiterverbreitung ist am größten in den anschließenden zwei bis drei Tagen, während ständig neue Bläschen hinzukommen. Gut fünf Tage nach dem letzten Schub, wenn die Bläschen vollständig verschorft sind, geht von dem Kranken keine Infektionsgefahr mehr aus. Erst dann - etwa eine Woche nach Krankheitsbeginn – dürfen sie gemäß dem Infektionsschutzgesetz wieder Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen und Kindergärten besuchen. Ein schriftliches Attest ist nicht erforderlich.

An einer Gürtelrose kann man sich nur über den Bläscheninhalt mit Windpocken anstecken. Das bedeutet, dass es meist genügt, betroffene Stellen mit Kleidung abzudecken.

Typisches Bild eines Windpocken-Ausschlags

W&B/Angelika Jakob/RY

Symptome

Die Inkubationszeit beträgt zwischen acht Tagen und drei Wochen. Meist tritt etwa 14 bis 16 Tage nach der Ansteckung der typische Hautausschlag auf. Teilweise geht ihm ein unbestimmtes Krankheitsgefühl mit Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und leichtem Fieber voraus, oft wird das jedoch gar nicht bemerkt.

Plötzlich treten dann rote Flecken und juckende Bläschen auf. Könnte man zunächst noch an Mückenstiche denken, wird mit der Ausbreitung des Ausschlags auf eigentlich mit Kleidung bedeckte Körperbereiche die Diagnose leichter. Die Bläschen können auch unter den Augenlidern, auf der Mundschleimhaut, dem behaarten Kopf und den Geschlechtsorganen auftreten. Da meist rote Flecken, Bläschen und bereits geöffnete Bläschen gleichzeitig sichtbar sind, spricht man auch vom Bild des "Sternenhimmel". In der Regel besteht nur leichtes Fieber.


Komplikationen

Auf unserer Haut sind stets unbemerkt Bakterien wie Staphylokokken und Streptokokken vorhanden. Bei eröffneten Bläschen können diese zu Infektionen führen, so dass eine Therapie mit Antibiotika notwendig werden kann. Kratzt der Patient an den Bläschen, können sich später Narben bilden.

Nicht direkt behandeln kann man eine Lungenentzündung durch das Windpockenvirus. Sie tritt etwa drei bis fünf Tage nach Krankheitsbeginn auf und ist bei Erwachsenen deutlich häufiger als bei Kindern. Auch eine Entzündung des Kleinhirns (Zerebellitis), die sich meist mit Gleichgewichtsstörungen zeigt, kann akut auftreten, aber auch erst drei Wochen später. Sehr selten sind eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) oder Veränderungen an den Blutgefäßen bis hin zum Schlaganfall beim Kind. In Einzelfällen kann es auch zu Komplikationen wie Herzmuskelentzündungen, Veränderungen an der Hornhaut des Auges, Nierenentzündungen, Gelenkentzündung, Blutungsneigung und Leberentzündung kommen.

Schwangere sollten sich vor Windpocken in Acht nehmen

Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

nach obenWindpocken in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft bedeuten Windpocken eine Gefahr für das Ungeborene. Wenn eine werdende Mutter vor der 20. Schwangerschaftswoche daran erkrankt, besteht für das Kind ein Schädigungsrisiko von einem Prozent. Es kann zu Hirnschäden, Gliedmaßenfehlbildungen, Wachstumsstörungen oder einem angeborenen grauen Star (Katarakt) kommen. 

Steckt sich die Mutter fünf Tage vor bis zwei Tage nach dem Geburtstermin an, ist die Erkrankungsgefahr für das Kind besonders hoch. Bei den sogenannten Neugeborenen-Varizellen sind besondere Behandlungsmaßnahmen notwendig (siehe Abschnitt "Therapie"). Der Verlauf ist bei so kleinen Babys besonders schwer und das Risiko, dass das Kind an der Krankheit verstirbt beträgt etwa 20 Prozent.

Frauen mit Kinderwunsch, die nicht gegen Windpocken geimpft sind, sollten sich daher impfen lassen und zwar mindesten vier Wochen bevor sie versuchen schwanger zu werden. Denn in der Schwangerschaft darf nicht aktiv gegen Windpocken geimpft werden. Nach Kontakt mit Windpocken ist jedoch die Gabe von Antikörpern gegen das Virus möglich. Schwangere, die mit Varizellen in Kontakt gekommen sind, sollten sich daher zügig an Ihren Frauenarzt wenden.

nach obenDiagnose

Eine Windpockenerkrankung erkennt der Arzt meist allein schon daran, wie der Hautausschlag aussieht und wie er sich auf dem Körper verteilt. Im Blut lassen sich später Antikörper gegen die Varizella-zoster-Viren (VZV) nachweisen.

Auch ist der direkte Nachweis der Viren aus dem Bläschensekret möglich. Dies geschieht mit der Methode der Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Dazu wird die Erbsubstanz DNA im Reagenzglas vervielfältigt. Mit dieser Methode ist ein schneller Nachweis von Windpockenviren möglich, allerdings ist sie nur in Einzelfällen angezeigt. Sie kann zum Beispiel bei einer werdenden Mutter wichtig sein, wenn es darum geht, die Geburt wegen einer Windpockenerkrankung künstlich ein paar Tage hinauszuzögern oder eine besondere Therapie einzuleiten.

Zinkschüttelmixtur hilft, die Bläschen auszutrocknen

Panthermedia/Radka Lindkova

nach obenTherapie

Bei normalem Krankheitsverlauf geht es vor allem darum, das Jucken zu mildern. Kratzt der Patient die Bläschen auf, kommt es leichter zu Infektionen und es bleiben Narben. Seit langem hat sich bei Windpocken eine Zinkschüttelmixtur zum Auftupfen bewährt, sie unterstützt das Austrocknen der Bläschen. Die Fingernägel des kranken Kindes sollten kurz geschnitten sein. Medikamente gegen Juckreiz, sogenannte Antihistaminika, wie man sie von Allergiebehandlungen kennt, gibt es zum Beispiel in Tropfenform. Lassen Sie sich bei Bedarf ein geeignetes Präparat von Ihrem Arzt empfehlen und achten Sie unbedingt auf die korrekte Dosierung!

Bei Fieber oder Schmerzen helfen Mittel mit den Wirkstoffen Paracetamol oder Ibuprofen in der zum Gewicht des Kindes passenden Dosierung. Sprechen Sie im Zweifel mit Ihrem Arzt oder Apotheker darüber, welches Medikament sich für ihr Kind eignet.

Streng verboten ist bei Windpocken die Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS), da es hier zu dem lebensgefährlichen Reye-Syndrom (sprich: "Rei-Syndrom") mit Hirn- und Leberschäden kommen kann.

Ist ein Baby kurz vor oder nach der Geburt erkrankt, besteht dringender Behandlungsbedarf. Vor der Geburt bekommt die werdende Mutter innerhalb von ein bis drei Tagen nach der möglichen Ansteckung spezielle Immunglobuline, das sind bereits fertige Antikörper gegen die Varizella-zoster-Viren. Damit soll vor allem das Ungeborene einen gewissen Schutz mit auf den Weg bekommen. Nach der Geburt werden dem Baby die Antikörper gespritzt. Zusätzlich erhält es meist ein virenhemmendes Arzneimittel (Wirkstoff Aciclovir), vor allem, wenn es bereits Krankheitssymptome zeigt.

Die vorbeugende Verabreichung von Antikörpern gegen das Virus nach Kontakt zu einem Erkrankten kann auch bei Patienten mit einer geschwächten Abwehr, wie Krebskranken oder Patienten mit Immundefekten, sinnvoll sein.

Gegen Varizellen immunisiert? Der Impfpass gibt Auskunft

W&B/Achim Graf

nach obenImpfung

Ohne wirksame Schutzimpfung verursachen Varizella-zoster-Viren fast 43.000 Komplikationen jährlich, ungefähr 5700 der Patienten müssen stationär behandelt werden und 25 bis 40 sterben. Deshalb sollen der Empfehlung der STIKO von 2004 zufolge alle Säuglinge im Alter zwischen 11 und 14 Monaten und im Alter zwischen 15 und 23 Monaten nicht nur gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR), sondern auch gegen Windpocken geimpft werden. Dies ist auch mit einer Vierfachimpfung möglich: der MMRV-Impfung. Der Mindestabstand zwischen den beiden Impfungen beträgt vier bis sechs Wochen. Ältere Kinder und Jugendliche sollten ebenfalls, wenn sie noch nicht an den Windpocken erkrankt sind, bis zu ihrem 18. Geburtstag zwei Impfungen erhalten. Das gilt auch für noch nicht immunisierte Erwachsene, die besonders gefährdet sind, wie Frauen mit Kinderwunsch und Menschen mit einer Immunschwäche oder schwerer Neurodermitis.

Gürtelrose: Reaktivierung des Windpocken-Virus

Die Varizella-zoster-Viren werden vom Immunsystem nur zurückgedrängt und meist nicht ganz beseitigt. Sie wandern dann von der Haut aus über die sensiblen Nervenbahnen in die Nervenzellen (Spinalganglien) entlang der Wirbelsäule und verstecken sich hier, ohne weiteren Schaden anzurichten. Wenn die Abwehrstärke, zum Beispiel in Stresssituationen oder durch Krankheit, sinkt, steigt die Gefahr, dass die Viren wieder aktiv werden und dann eine Gürtelrose verursachen.

Die Gürtelrose oder Herpes zoster zeigt sich mit ähnlichen Bläschen wie die Windpocken. Allerdings entwickeln diese sich nur auf dem Teil der Hautfläche, der von der Nervenbahn versorgt wird, in dessen Spinalganglien sich die Viren befinden. Dies ist meist am Rumpf. Manchmal ist auch der Trigeminusnerv betroffen, dann bildet sich der Ausschlag im Gesicht und man spricht von einer Gesichtsrose. Der wie ein halber "Gürtel" angeordnete Ausschlag geht häufig mit starken Schmerzen einher, die bisweilen nach überstandener Erkrankung als Nervenschmerzen noch länger fortbestehen können.

W&B/Privat

nach obenBeratender Experte

Dr. med. Guido Krandick ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Nach Studium in Bonn, Wien und Würzburg folgte eine fast zehnjährige Tätigkeit an der Kinderklinik Schwabing der TU-München. Seit 2000 führt er eine eigene Praxis südlich von München. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Mehr Informationen zur Gürtelrose auf www.apotheken-umschau.de



Bildnachweis: W&B/Achim Graf, Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY, Panthermedia/Radka Lindkova, W&B/Angelika Jakob/RY, W&B/Privat, Digital Vision/RYF, Mauritius/Science Source

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