Windeldermatitis

Babys leiden häufig unter einem „wunden Po“. Diese Entzündung der Haut im Windelbereich heißt auch Windeldermatitis. Sie kann zum sogenannten Windelsoor führen

aktualisiert am 12.08.2015

Häufiges Wickeln: Wichtig, um einen wunden Po zu vermeiden

Banana Stock/RYF

Was ist eine Windeldermatitis?

Die Windeldermatitis ist eine sehr häufige Hauterkrankung im Säuglingsalter. Es handelt sich dabei um eine Entzündung der Haut im Windelbereich – meist einfach als „wunder Po“ bezeichnet. Ursache sind hautreizende Stoffe in Urin und Stuhl, manchmal auch eine zu intensive beziehungsweise falsche Reinigung der Haut. Oft kommt eine Besiedelung durch Pilze, seltener auch durch Bakterien hinzu.

So kann zum Beispiel der Hefepilz Candida albicans zu einer Verschlimmerung der Symptome und zum sogenannten Windelsoor führen. Eine Bakterien-Infektion kann nässende oder eitrige Wunden zur Folge haben.


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Ursachen und Risikofaktoren

Ursachen einer Windeldermatitis können unter anderem zu seltenes Wickeln, falsche Pflege oder Durchfall sein.

  • Seltenes Windelwechseln: Urin und Stuhl enthalten Substanzen, welche die Haut reizen können. Feuchtigkeit und Wärme in der Windel begünstigen zudem die Vermehrung von Keimen.
  • Falsche Pflege: Häufiges Waschen mit Seife kann eine Windeldermatitis begünstigen. Außerdem können manchmal auch bei Babys Unverträglichkeiten oder Allergien gegenüber Seifen, Salben, Cremes oder gar Windeln auftreten, welche zu einer Entzündung der Haut führen.
  • Durchfall: Bei häufigem Stuhlgang ist es schwierig, das Baby stets trocken zu halten, zudem ist der Stuhl aggressiver.
  • Bestimmte Nahrungsmittel: Bei manchen Kindern begünstigen saure oder scharfe Lebensmittel eine Windeldermatitis. Diese Reaktion ist jedoch individuell sehr verschieden.

Oft hat man das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben und trotzdem hat das Baby einen wunden Po. Dann heißt es nicht zu verzweifeln und einfach alle unten aufgeführten Tipps abzuarbeiten.


Autsch: Ein wunder Po schmerzt

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Symptome

Bei der Windeldermatitis ist die Haut im Po- und Genitalbereich gerötet und aufgeweicht. Es können auch offenen Stellen, Pickelchen und Pusteln auftreten, die jucken oder brennen. Im weiteren Verlauf kann sich die Entzündung auf die Innenseiten der Oberschenkel und den Bauch ausdehnen.

Eine Windeldermatitis kann das Kind in seinem Wohlbefinden deutlich beeinträchtigen. Die entzündete Haut kann bei Berührung, Bewegung oder Stuhlgang schmerzen oder brennen. Manche Kinder mit einem wunden Po sind sehr weinerlich, mögen nicht essen und schlafen schlecht.

Bei einem Pilzbefall (Windelsoor) zeigen sich zudem nässende Pöckchen und Pusteln sowie weiß schuppende Stellen, die sich charakteristischerweise ringförmig ausbreiten. Typische Symptome eines zusätzlichen Bakterienbefalls sind nässende oder eitrige Wunden.


Diagnose

Der Kinderarzt diagnostiziert eine Windeldermatitis anhand der Hautveränderungen. Bei einem Verdacht auf einen Befall mit Bakterien oder Pilzen wird er eventuell einen Hautabstrich anfertigen, um die Erreger zu ermitteln. Tritt eine Windeldermatitis wiederholt auf oder lässt sie sich nur unzureichend behandeln, kann auch eine Stuhlprobe oder eine Blut-Untersuchung nötig sein, um andere Ursachen der Hautentzündung auszuschließen.


Unten ohne: Etwas Luft tut dem wunden Po gut

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Therapie

Eine Windeldermatitis lässt sich in der Regel durch wenige, einfache Maßnahmen behandeln. So kann sich die gereizte Haut erholen und die Entzündung klingt von alleine ab. Folgende Maßnahmen unterstützen die Heilung:

  • Häufiges Windelwechseln, spätestens nach drei bis vier Stunden und sofort, wenn die Windel gefüllt ist
  • Sorgfältige aber sanfte Reinigung der Haut, am besten mit lauwarmen Wasser oder Öl, ohne stark zu reiben. Geben sie dazu etwas Wasser oder Öl auf ein Pflegetuch oder eine Stoffwindel. Wischen Sie damit den Po sauber. Anschließend muss die Haut gut, aber sehr behutsam, abgetrocknet werden. Dazu kann man sie zum Beispiel vorsichtig mit einem weichen Handtuch abtupfen.
  • Wundschutzpasten können sinnvoll sein. Sie schützen die Haut vor Feuchtigkeit und wirken – zum Beispiel durch Zink –   entzündungshemmend. Synthetische Gerbstoffe oder desinfizierende Farbstoffe können helfen, nässende Stellen zu trocknen. Fragen Sie dazu gegebenenfalls Ihren Kinderarzt oder Ihren Apotheker!
  • Unten ohne: Lassen Sie möglichst viel Luft an den Baby-Po. Ihr Kind kann – gerade im Sommer – auch mal ohne Windel strampeln.

In schweren Fällen kann der Arzt eine Cortisonsalbe zum Auftragen verordnen, um die Entzündung einzudämmen. Mit Cortison sollte man gerade im Windelbereich sehr vorsichtig sein und solche Salben daher nur auf Anweisung des Arztes und entsprechend seinen Empfehlungen anwenden. 

Liegt neben einer Windeldermatitis auch ein Pilzbefall der Haut zum Beispiel in Form eines Windelsoors vor, verschreibt der Arzt zusätzlich eine pilzhemmende Salbe (Antimykotikum). Wenn sich die Pilze auch im Mund oder Verdauungstrakt übermäßig ausgebreitet haben, muss das pilzhemmende Medikament eventuell auch als Saft verabreicht werden. Bei einem zusätzlichen Bakterienbefall sind manchmal Antibiotika nötig, um die Windeldermatitis wirksam zu behandeln.

 In den meisten Fällen heilt eine Windeldermatitis innerhalb von wenigen Tagen folgenlos aus. Sie kann aber auch sehr hartnäckig sein, dann ist Geduld  - und intensive Pflege – nötig


Zufriedenes Kind: Eine trockene Windel trägt dazu bei

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Vorbeugen

Um einen wunden Po zu vermeiden, sollten sie folgende Tipps beherzigen:
    •    Wechseln Sie regelmäßig die Windeln, insbesondere wenn Ihr Kind Durchfall hat.
    •    Reinigen Sie die Haut nur mit klarem Wasser oder Öl. Seife trocknet unnötig aus und kann den natürlichen Schutzmantel der Haut angreifen.
    •    Trocknen Sie die Haut nach der Reinigung sorgfältig ab. Feuchtigkeit begünstigt die Entstehung von Pilzinfektionen.
    •    Lassen Sie Ihr Kind so oft wie möglich ohne Windeln.
    •    Ist die Haut schon leicht gerötet, schützen Wundsalben, zum Beispiel mit Panthenol, Zink oder Lebertran, vor weiterer Reizung. Lassen Sie sich zur Auswahl eines geeigneten Präparates beim Kinderarzt oder in der Apotheke beraten.


Unser Experte: Dr. Guido Krandick

W&B/Privat

Beratender Experte

Dr. med. Guido Krandick ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Nach Studium in Bonn, Wien und Würzburg folgte eine fast zehnjährige Tätigkeit an der Kinderklinik Schwabing der TU-München. Seit 2000 führt er eine eigene Praxis südlich von München. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: PhotoDisc/RYF, F1online, W&B/Christine Beckmann, W&B/Privat, Banana Stock/RYF, Jupiter Images GmbH/Creatas Images
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