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Vorzeitige Wechseljahre: Mit Mitte 30 in die Menopause

Nie mehr verhüten, keine Periode mehr – aber auch keine Chance, noch mal ein Baby zu bekommen. Manche Frauen kommen bereits mit Mitte 30 in die Wechseljahre. Die Ursache bleibt oft ungeklärt


Eigentlich bleibt mit Mitte 30 noch genügend Zeit zum Kinderkriegen. Die Wecheljahre können einem aber einen Strich durch die Rechnung machen

Kinder ja oder nein? Die Frage hatte Susanne Beck* aus Köln immer mal wieder gewälzt. Sie liebte ihren Job. Und ihr Mann war zu diesem Zeitpunkt nicht besonders scharf auf Nachwuchs. Also verschob die 35-Jährige die Entscheidung. Sie war ja noch jung …

Dass sich die Kinderfrage erledigt hatte, erfuhr die PR-Fachfrau zufällig. Ihr Gynäkologe riet, ­eine Pillenpause zu machen. Monatelang wartete Susanne Beck auf ihre Periode. Nichts passierte. Ihr Arzt tippte zunächst auf ein hormo­nelles Ungleichgewicht, harmlos und nicht unüblich. Dabei war Susanne Beck längst in den Wechseljahren.


Vorzeitiger Wechsel: Eine von hundert Frauen betroffen

Diagnose vorzeitige Wechseljahre – was heißt das eigentlich? Und wie viele Frauen sind tatsächlich davon betroffen? „Wir befinden uns da in einer ziemlichen Grauzone“, erklärt Dr. Katrin Schaudig, Gynäkologin und Hormonexpertin in Hamburg am Gynaekologicum. Denn Wechseljahre sind kein festgesetzter Zeitpunkt, sondern ein schleichender Prozess. Lediglich die eigentliche Meno­pause – also der Zeitpunkt der letzten Blutung – lässt sich rückwirkend datieren. „Wenn bei einer Frau die Menopause vor dem 40. Lebensjahr eintritt, dann sprechen wir von vorzeitigen Wechseljahren“, erklärt Frauenarzt Professor Christoph Keck vom Endokrinologikum in Hamburg. Mindestens eine von hundert Frauen ist davon betroffen. Es bedeutet: Die Eierstöcke haben ihre Funktion für immer eingestellt, geben keine Eizellen mehr ab. Zum Vergleich: „Im Schnitt erleben in Deutschland Frauen mit 52 Jahren die Menopause“, sagt Schaudig.



Dr. Katrin Schaudig ist Gynäkologin in Hamburg und Expertin für Wechseljahre

Diagnose für Betroffene oft ein Schock

Aber doch nicht schon mit Mitte 30! Das war der erste Gedanke, der Susanne Beck durch den Kopf schoss. Nie mehr Kinder! Nie mehr eine Blutung! Nicht mehr verhüten! Aber wenigstens ließ sich jetzt erklären, warum sie die letzten Monate so schlecht geschlafen hatte.

„Ich hatte außerdem per­manent Stimmungsschwankungen, ­wurde viel schneller wütend als früher, regte mich über alles auf.“ Als sie einmal in Tränen ausbrach, nur weil vor ihr die Ampel auf Rot sprang, „da wusste ich: Es muss etwas passieren”. Sie ging zum Arzt und ließ sich erneut untersuchen. Mehrere Bluttests brachten schließlich Klarheit (siehe Kasten unten). Warum sie der frühe Wechsel ereilte – der Grund dafür ließ sich nicht finden.



Professor Christoph Keck leitet den Bereich Gynäkologie am Endokrinologikum in Hamburg

Gründe oft nicht feststellbar

Die Ursachen für frühe Wechseljahre bleiben oft unentdeckt –  „in 70 Prozent der Fälle finden wir keine Erklärung“, sagt Ärztin Katrin Schaudig. Manchmal spürt das Labor im Blut immunologische Veränderungen auf, die auf eine Auto­immunerkrankung hinweisen, bei der sich das Immunsystem gegen die eigenen Eizellen richtet. In wenigen Fällen liegt der vorzeitige Hormonrückgang an einem Gendefekt. „Dann sollte man auch immer die Töchter der Betroffenen untersuchen lassen“, rät Keck. Aufhalten lassen sich die Wechseljahre nicht. „Sie sind ein unumkehrbarer Vorgang. Die Menopause bedeutet: Der Eizellvorrat in den Eierstöcken ist aufgebraucht“, erklärt Schaudig. Dass der Körper in diesem Prozess die Produktion mancher Hormone zurückfährt (siehe Grafik unten), ist nur eine Folge des Eizellschwundes.

Bei Beschwerden zum Arzt

Wann die Menopause genau einsetzt, lässt sich nicht vorhersagen: „Natürlich kann man die hormonelle Situation einer Frau bestimmen und im Ultraschall Aussagen über den Eizellvorrat machen“, sagt Expertin Schaudig. „Daraus eine Prognose für die Zukunft abzuleiten ist aber nicht möglich.“ Dass der Wechsel ansteht, bemerkt man an ersten Unregelmäßigkeiten des Zyklus. Manchmal kommen die Blutungen einige Monate lang normal und setzen dann mehrmals aus – oft sind sie ungewöhnlich stark. Auch prämenstruelle Symptome wie zum Beispiel Brustspannen machen Frauen in der sogenannten Prämenopause gelegentlich zu schaffen. Bei einigen treten die ersten typischen Wechseljahresbeschwerden auf: Hitzewallungen, nächtliche Schweißausbrüche oder eine trockene Scheide.


Messbarer Rückgang

Anhand eines Bluttests ermittelt das Labor die Konzentration der Hormone ­­­Östradiol, Follikelstimulierendes Hormon (FSH) und Anti-­Müller-Hormon (AMH). Sind die Werte von FSH erhöht und die von Östradiol und AMH erniedrigt, könnte das ein Zeichen dafür sein, dass die Frau in den ­­­Wechseljahren ist. „Ein Test allein ist aber niemals aussagefähig, dazu können die Werte einfach zu sehr schwanken“, sagt Hormonexperte Keck. Deshalb muss die Blutanalyse im Abstand von vier bis sechs Wochen mindestens noch einmal, besser noch häufiger, wiederholt werden.


Vorzeitige Menopause: Hormontherapie erwägen

Spätestens jetzt sollten Betroffene zum Arzt gehen. „Frauen, die unter 40 Jahren in die Wechseljahre kommen, benötigen eine Hormon­ersatztherapie“, erklärt ­Schaudig. Forschungen zeigen nämlich: Geht im Zuge der Wechseljahre die Produktion an Östrogenen zurück, steigt das Osteoporose-Risiko. Denn Östrogen schützt Knochen und Gefäße. „Kommt ­eine Frau mit 50 in die Wechseljahre, liegt noch ­eine Lebensspanne von etwa 33 Jahren vor ihr – bei gesunden, sportlichen Frauen reicht der Schutz durch die Hormone meist für diese Zeit“, rechnet Keck vor. Bei jungen Frauen sei ohne Behandlung „der Knochenschwund programmiert“. Meist ersetzen Ärzte die Hormone bis etwa 50, „also zu dem Alter, an dem die Frau physiologisch in die Wechseljahre käme”, sagt Keck. Vorab sollte der Arzt allerdings ausführlich über mögliche Risiken einer Hormonersatztherapie informieren. Vor- und Nachteile müssen in jedem Fall sorgfältig abgewogen werden.

Seit ein paar Jahren nimmt Susanne Beck Östrogene und Gestagene in niedriger Dosierung. Die Stimmungsschwankungen ­haben aufgehört. Sie schwitzt nachts nicht mehr. Und sie hat ihren Frieden damit gemacht, dass nicht sie, sondern ihr Körper die Entscheidung für oder gegen ein Baby gefällt hat.

Grafik: Niedergang der Hormone


Menopause

Die Prämenopause beginnt in der Regel um die 40 Jahre. Allmählich nimmt das Hormon Gestagen ab. Der Körper kann mit Zyklusschwankungen reagieren. In der Perimenopause schwindet auch das Östrogen, und zwar relativ rasch. Manche leiden jetzt unter Hitzewallungen oder Stimmungsschwankungen. Die Postmenopause bezeichnet die Phase nach der letzten Regelblutung. Der Körper produziert kaum Östrogen und Gestagen mehr. Das Risiko für Osteo­porose steigt.




Bildnachweis: W&B/Dr. Ulrike Möhle, W&B/Privat, iStock/Anouchka

Anne-Bärbel Köhle / Baby und Familie; aktualisiert am 22.10.2013,
Bildnachweis: W&B/Dr. Ulrike Möhle, W&B/Privat, iStock/Anouchka

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