Einfach nie wieder. Nie wieder das lästige Ziepen im Bauch. Nie wieder Blutungen. Nie wieder alle vier Wochen daran denken, Tampons in die Handtasche zu stecken.
Menstruationsmanagement nennen es die Amerikanerinnen, wenn sie hormonelle Verhütungsmittel wie Pille, Hormonspirale oder Vaginalring durchgehend anwenden und so ihren Zyklus selbst bestimmen.
Ein Trend, der auch in Deutschland Einzug hält, so Professor Thomas Strowitzki, ärztlicher Direktor der gynäkologischen Endokrinologie des Universitätsklinikums Heidelberg. „Vor allem junge Frauen möchten vermehrt auf ihre Periode verzichten.“
Ein Problem? Anwendungstechnisch betrachtet nicht. Normalerweise schlucken Frauen in einem Zyklus 21 Tage lang Hormonpräparate, pausieren dann eine Woche. In dieser Zeit kommt es zu einer Blutung. Die lässt sich umgehen, indem man die 21-Tage-Pille mehrere Monate durchnimmt – inzwischen sind auch Langzeitpillen in Deutschland zugelassen. „Üblich sind vier Zyklen“, erklärt Thomas Strowitzki. Das heißt: Die Frau nimmt vier Pillenblister hintereinander, setzt dann eine Woche aus.
Der Grund für die Pause: Nach einer längeren Zeit ohne Menstruation hat sich manchmal die Gebärmutterschleimhaut aufgebaut und sollte abbluten. Dass dies ansteht, merkt man etwa an Zwischenblutungen. Eine Faustformel, wie lange man die Pille durchnehmen kann, gibt es nicht, erklärt die Hamburger Hormonspezialistin und Gynäkologin Dr. med. Katrin Schaudig.
Zeigt sich im Ultraschall, dass sich die Schleimhaut noch nicht aufgebaut hat, „kann man die Hormone problemlos auch länger nehmen“. Manche schlucken sie jahrelang durchgehend. Frauen, die zu Zwischenblutungen neigen, rät die Gynäkologin davon ab. In jedem Fall sollte man die Pille nicht eigenständig durchnehmen, sondern zuvor mit seinem Arzt sprechen.
Der Langzeitzyklus funktioniert nur mit sogenannten monophasischen Pillen, die konstant die gleiche Wirkstoffmenge enthalten. Auch ein Vaginalring, der gleichmäßig Östrogene und Gestagene abgibt, erfüllt diesen Zweck.
Die Periode lässt sich auch mittels einer Hormonspirale unterdrücken – allerdings nach einem anderen Prinzip: Dabei wird Gelbkörperhormon direkt in die Gebärmutter transportiert. Das verhindert, dass sich eine befruchtete Eizelle einnisten kann. Die Hormonbelastung für den Körper ist viel geringer, als wenn die Hormone auf den ganzen Organismus wirken – wie bei der Pille.
Schadet es den Frauen, wenn sie auf die Blutung verzichten? „Dazu gibt es keine aktuellen Studien“, erklärt Expertin Schaudig. Zuletzt kam vor fünf Jahren das unabhängige Wissenschaftsinstitut Cochrane nach dem Vergleich von sechs Untersuchungen zu dem Schluss, dass die durchgehende Pilleneinnahme sicher ist. Allerdings forderte es weitere Studien über mögliche Nebenwirkungen.
Die Experten konnten zum Beispiel noch nicht klären, ob die zusätzliche Hormondosis, die die Frauen schlucken, langfristig das Krebsrisiko erhöht. „Derzeit gibt es dazu keine Anhaltspunkte“, so Hormonspezialistin Schaudig. Bislang deutet ebenfalls nichts darauf hin, dass Frauen, die durchgehend die Pille nehmen, später schwerer schwanger werden.
Bei manchen Erkrankungen, da sind sich alle Experten einig, lohnt es sich sogar, die Periode zu unterdrücken: bei Endometriose zum Beispiel, einer Wucherung der Gebärmutterschleimhaut, oder bei Myomen, gutartigen Muskeltumoren der Gebärmutter. Auch wenn Frauen während ihrer Tage unter Migräne oder starken Stimmungsschwankungen leiden, scheint die Form der Verhütung sinnvoll.
„In jedem Fall bietet die Langzeitpille einen besseren Schutz vor Schwangerschaft“, sagt Strowitzki. Die Präparate sind zwar möglichst niedrig dosiert. Der konstante Wirkstoffspiegel unterdrückt die Funktion der Eierstöcke aber noch wirksamer, als wenn man regelmäßig eine Pause einlegt. Vergisst die Frau etwa eine Pille, fällt das meist nicht ins Gewicht.
Wo also liegt das Problem? „Nach derzeitigem Wissensstand gibt es keines“, so Schaudig. Dass Frauen jeden Monat bluten, „bringt, medizinisch betrachtet, keinen Nutzen“, erklärt sie. Im Gegenteil: „Die regelmäßige Menstruation ist eher eine Erscheinung der Moderne“, sagt die Gynäkologin. Früher seien Frauen entweder schwanger gewesen, oder sie hätten gestillt – und hatten ziemlich selten ihre Regel.
Die Blutung, die während der Pillenpause eintritt „erfüllt bestenfalls einen kosmetischen Zweck“, so Schaudig. Schließlich handelt es sich nicht um eine echte Menstruation, sondern nur um eine Entzugsblutung, die eintritt, weil dem Körper keine Hormone mehr zugeführt werden. „Die Pille allein ist schon ein enormer Eingriff in den Körper“, erklärt die Gynäkologin. „Der Unterschied zum Langzeitzyklus ist dann eher marginal.“
Langzeitpille ja oder nein? Offenbar eher eine Frage der persönlichen Vorlieben. Es gibt Frauen, die Wert darauf legen, jeden Monat zu bluten, weil sie befürchten, sonst das Gefühl für die Abläufe ihres Körpers zu verlieren. „Solche emotionalen Argumente sollte man in jedem Fall ernst nehmen“, sagt Strowitzki.
Anne-Bärbel Köhle, Baby und Familie;
03.03.2011
Bildnachweis: Fotolia/Thingamajiggs/2011
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