Warum Muttermilch so gesund ist

Muttermilch ist einzigartig: Sie enthält Antikörper gegen Krankheiten, viele wichtige Nährstoffe und nützliche Bakterien. Zwei Expertinnen erklären, was alles in Muttermilch steckt

von Annett Zündorf, aktualisiert am 09.07.2015

Muttermilch versorgt das Baby optimal mit wichtigen Nährstoffen

F1online/Fancy

Sie sieht aus wie Milch, sie riecht wie Milch, sie wird ­sauer wie Milch – und doch ist Muttermilch etwas Besonderes. Nicht umsonst preisen Hebammen und Kinderärzte die Flüssigkeit als perfekte Nahrung für einen Säugling.

"Muttermilch enthält alle Nährstoffe in hoher Qualität, optimaler Menge und im richtigen Verhältnis", erklärt ­Hildegard Przyrembel. Die ehemalige Vorsitzende der Nationalen Stillkommission in Berlin erarbeitet seit vielen Jahren mit Kollegen die ­wissenschaftlichen Grundlagen der Säuglings- und Kleinkindernährung.


Die gesunden Inhaltsstoffe der Muttermilch

Zu den Nährstoffen, die Muttermilch zu bieten hat, gehören neben Wasser und Milchzucker auch Eiweiße, die das Baby besonders leicht verdauen kann, sowie gesunde Fettsäuren. Vitamine und Mineralstoffe ergänzen das Rundum-sorglos-Paket für den Nachwuchs. Einzig der Vitamin-D- und Vitamin-K-Gehalt sind zu gering. Daher werden diese Vitamine Babys in Deutschland extra zugeführt.

"Muttermilch dient nicht nur der Ernährung. Vor allem schützt sie den Nachwuchs auch vor schädlichen Keimen", erläutert Denise Both, Stillberaterin und Fachbuchautorin aus Füssen. Wie das im Einzelnen funktioniert, ist Forschern noch nicht ganz klar. Zu vielfältig ist die Zahl der nützlichen Stoffe: Wachstumsfaktoren, Antikörper, Oligosaccharide (das sind bestimmte Kohlenhydrate) und Bakterien saugt das Baby mit jeder Mahlzeit ein.

Schon die erste Milch, die in den ers­ten zwei Tagen nach der Geburt tröpfchenweise aus der Brust fließt – das Kolostrum –, enthält eine riesige Menge Abwehrstoffe gegen Krankheitserreger. Damit schlürfen die ganz Kleinen einen wahren Schutzcocktail. Sie leiden seltener unter Magen-Darm-Erkrankungen und Atemwegs­infekten als ungestillte Kinder. "Das Kolos­trum erleichtert Säuglingen den Wechsel von der sterilen Umgebung im Mutterleib in eine Welt voller Keime", sagt Both.


Während der Schwangerschaft nimmt das Drüsengewebe in der Brust zu. Darin bildet sich später die Muttermilch. Über die Milchgänge gelangt diese zur Brustwarze und zum Baby

W&B/Martina Ibelherr

Mit der Milch gelangen von Anfang an auch zahllose Bakterien in den Darm des Neugeborenen. Rund 700 verschiedene Arten sollen es laut einer Studie sein. Sie schaffen im zunächst unbesiedelten Darm eines Säuglings eine gute Flora – wo schon nützliche Bakterien sitzen, haben es schädliche schwerer, sich niederzulassen.

Damit sich die guten Bakterien in Babys Darm wohlfühlen, stecken in der Milch eben auch Oligo­saccharide. Diese Ballast­­stoffe sind die Nahrung für die nützlichen Keime. Zudem heften sich die Oligo­saccharide an die Darmschleimwand und bilden dort eine Art Schutzfilm, sodass sich Krankheitserreger nicht halten können.

Sind gestillte Kinder gesünder?

Die Mischung wertvoller Stoffe in der Muttermilch scheint nicht nur im Säuglingsalter positiv zu wirken. Gestillte Kinder bekommen seltener entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn. Kauen sie – in kleinsten Mengen – das erste Brot, während sie noch gestillt werden, sinkt ihr Risiko, an Zöliakie zu erkranken.

"Studien deuten darauf hin, dass bei gestillten Kindern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Übergewicht sinkt. Wir wissen aber noch nicht, warum das so ist", sagt Przyrembel.

Spendermilchbanken für Frühchen

Nicht nur die Milch der eigenen Mutter kann in Babys eine positive Kraft entfalten. Frühchen beispielsweise erhalten manchmal Spendermilch. Denn Studien zeigten, dass Frühchen diese besser vertragen als künstliche Nahrung.

Erhalten die Kleinen die ­natürliche Kost, erkranken sie seltener an ­lebensbedrohlichen Darm­in­fek­ten. Ein Grund, weshalb auch in Deutschland neue Frauenmilchbanken an Kliniken entstehen. Denn Mütter von Frühchen haben anfangs oft noch keine eigene Milch.

Medikamente wärhrend der Stillzeit: Arzt fragen

Hildegard Przyrembel ist sich mit Experten weltweit ­einig: Auch die Einnahme von ­Medikamenten ist in der Regel kein Grund, mit dem Stillen aufzuhören. ­­Vorsicht ist zwar geboten, da Wirkstoffe in die Muttermilch übergehen können. "Aber für die meisten Erkrankun­gen gibt es ein geeignetes Präparat, das Stillende nehmen dürfen", so die Fachfrau. Man sollte sich ­immer vom Arzt beraten lassen.

Bei allen Vorteilen, die Muttermilch bietet, gilt ebenso: "Wenn ­eine Frau nicht stillen kann oder möchte, heißt das nicht, dass sie ­eine schlechte Mutter ist", sagt Przyrembel. "Für ­diese Frauen und ihre Kinder gibt es hervorragende Alternativen."



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