Eine entspannte und selig lächelnde Mutter, ein zufriedenes Baby, das hingebungsvoll an Mamas Brust saugt – die perfekte Stillbeziehung. Dass die Realität jedoch häufig anders aussieht, wissen viele Mütter aus eigener Erfahrung. "Die häufigsten Stillprobleme treten in den ersten vier bis sechs Wochen auf", bestätigt Claudia Seidel. Die Kinderkrankenschwester und Still-und Laktationsberaterin IBCLC arbeitet unter anderem als Stillbeauftragte in einer Geburtsklinik.
Wunde Brustwarzen
Wunde Brustwarzen machen das Stillen zu einer schmerzhaften Angelegenheit. "Ursache für wunde Brustwarzen ist meist eine falsche Anlegetechnik", erklärt Lisa Fehrenbach, Beauftragte für Stillen und Ernährung beim Deutschen Hebammenverband e.V.. Wichtig ist, dass das Baby nicht nur die Brustwarze, sondern auch möglichst viel vom Vorhof mit den Lippen umschließt.
Damit dies gelingt, stützen Sie Ihr Kleines gut und legen Sie es Bauch an Bauch zu sich. Berühren Sie nun mit der Brustwarze den Mund des Babys. Das löst den Suchreflex aus und das Kleine öffnet automatisch seinen Mund. Und noch einen Trick können Sie anwenden: "Sagen Sie zu Ihrem Kleinen ´Mach den Mund weit auf`und machen Sie es ihm mit einem hörbaren "Aaaah" vor. Das Baby wird es Ihnen nachmachen", sagt Claudia Seidel. Erst wenn das Baby seinen Mund weit offen hat, ziehen Sie es an Ihre Brust heran. Ober- und Unterlippe des Babys sollten nach außen gestülpt sein. "Um Ihr Kleines wieder abzulegen, stecken Sie Ihren kleinen Finger sanft in seinen Mundwinkel – so löst sich das Vakuum", rät Lisa Fehrenbach. Ziehen Sie es bitte nicht einfach von der Brust weg, denn das könnte die Brustwarze verletzen.
Zur Pflege der Brustwarzen können Sie etwas Muttermilch ausstreichen, auf den Brustwarzen verteilen und trocknen lassen. Salben mit Lanolin oder Guajazulen fördern die Heilung. Stillen Sie Ihr Kleines in unterschiedlichen Stillpositionen. So wird die Brustwarze nicht immer nur an einer Stelle strapaziert.
Übrigens: Eine gewisse Empfindsamkeit ist gerade am Anfang völlig normal. Die Brust muss sich schließlich erst an die ungewohnte Beanspruchung gewöhnen. Von einem Abhärten der Brustwarzen während der Schwangerschaft – etwa durch Abrubbeln mit einem Handtuch – raten die Expertinnen ab.
Zu wenig Milch
"Zu wenig Milch zu haben ist die Angst fast aller Mütter", sagt Claudia Seidel. Diese Angst sei jedoch häufig unbegründet. Um die Bedenken auszuräumen, sollten Mütter die Gewichtsentwicklung ihres Babys beobachten: "Nach der Geburt verlieren die Kleinen in den ersten Tagen circa sechs bis acht Prozent ihres Geburtsgewichts", erklärt die Expertin. Am zehnten Lebenstag sollte das Baby allerdings sein Geburtsgewicht wieder erreicht haben und danach konstant zunehmen.
Auch anhand der Windelmenge zeigt sich, ob Ihr kleiner Liebling genug Milch bekommt: Trinkt das Baby genug, hat es, gerechnet ab dem Tag des Milcheinschusses ( 4. bis 6. Tag nach der Entbindung) in den ersten vier Lebenswochen vier bis sechs nasse Windeln und drei bis vier Mal Stuhlgang pro Tag. Danach kann ein vollgestilltes Kind auch nur noch einmal pro Woche Stuhlgang haben. "Bekommt das Kleine allerdings tatsächlich zu wenig Milch, hat es nicht genug nasse Windeln, nimmt zu wenig zu, ist häufig unruhig und will dauernd an die Brust", sagt Lisa Fehrenbach.
Jetzt heißt es Ursachenforschung betreiben: Überprüfen Sie Ihre Anlegetechnik. Ist sie falsch, bekommt das Baby unter Umständen zu wenig Milch. Es kann allerdings auch sein, dass das Baby nicht richtig trinkt. "In diesem Fall kann eine hochwertige elektrische Intervallmilchpumpe helfen", erklärt Claudia Seidel. Solche Pumpen kann man beispielsweise in der Apotheke ausleihen. Die Kosten dafür übernehmen die Krankenkassen, wenn ein gültiges Rezept von Frauenarzt oder Hausarzt vorliegt. Die abgepumpte Milch können Sie Ihrem Kleinen dann mit einem Löffel, einem Babytrinkbecher, einem Fläschchen oder einem sogenannten Brusternährungsset geben. Das Brusternährungsset besteht aus einem Behälter, in den die Muttermilch gefüllt wird und den die Mutter sich um den Hals hängt. Über zwei kleine Schläuche, die an der Brust befestigt werden, versorgt er das Baby beim Stillen mit der zusätzlichen Milch.
Wichtig: In den ersten drei bis vier Tagen nach der Entbindung baut sich die Milchproduktion auf. "Legen Sie Ihr Baby in dieser Zeit möglichst oft an, denn das regt die Milchbildung an", rät Lisa Fehrenbach. Je öfter die Brust stimuliert wird, desto mehr Milch wird produziert – die Nachfrage regelt also das Angebot.
Zu viel Milch
Zu viel Milch ist sowohl für die Mutter als auch häufig für das Baby unangenehm: die Brüste spannen, das Kleine verschluckt sich oft, da die Milch regelrecht heraus schießt. Da das Baby außerdem die Brust nicht leer trinken kann, kommt es oftmals nur an die Vordermilch und nicht an die fettreiche Hintermilch. "Darauf deutet ein grünlicher Stuhlgang hin", sagt Claudia Seidel.
Auch wenn es unangenehm ist: "Halten Sie die Spannungsgefühle aus und pumpen Sie möglichst nicht ab", rät Lisa Fehrenbach. Denn je mehr Sie abpumpen, desto mehr Milch wird produziert. "Legen Sie das Kleine während drei bis vier Stunden nur an einer Seite an, die nächsten drei bis vier Stunden ausschließlich an der anderen", empfiehlt Claudia Seidel. Das reguliert einerseits die Milchbildung, andererseits kommt das Baby auf diese Weise auch an die reichhaltige Hintermilch ran. Produziert Ihr Körper jedoch dauerhaft zu viel Milch sollten Sie einen Arzt aufsuchen.
Milchstau
Ein Milchstau entsteht, wenn ein Areal der Brust nicht richtig geleert wird. Es bildet sich dann eine harte und manchmal auch rote Stelle, die schmerz- und druckempfindlich ist. Auch die Körpertemperatur der Mutter kann leicht erhöht sein. Ursache für einen Milchstau können beispielsweise ein zu enger BH, ein abschnürendes Tragetuch, ein veränderter Stillrhythmus oder Stress sein.
"Bei einem Milchstau ist gutes Entleeren das A und O", betont Lisa Fehrenbach. Also: unbedingt weiter stillen! Wickeln Sie vor dem Stillen für fünf Minuten einen feucht-warmen Umschlag um die Brüste. Das weitet die Milchgänge. Legen Sie das Baby zuerst an der schmerzen Brust an, der Unterkiefer des Kleinen sollte dabei in die Richtung zeigen, in der die harte Stelle liegt – so ist die Saugkraft am größten. Nach dem Stillen können Sie die Brust kühlen, etwa mit einer Quarkkompresse.
"Werden Sie bei einem Milchstau frühzeitig aktiv", rät Claudia Seidel. Ist er innerhalb von drei Tagen nicht verschwunden und sind Sie innerhalb von 24 Stunden nicht fieberfrei, suchen Sie bitte einen Arzt auf. "Schlimmstenfalls kann sich aus einem Milchstau nämlich eine Brustentzündung oder gar ein Abszess entwickeln".
Brustentzündung
Wird ein Milchstau nicht behandelt oder dringen Bakterien in die Brust ein, etwa durch wunde Brustwarzen, kann es zu einer Brustentzündung (Mastitis) kommen. Eine Brustentzündung kann mit einer schmerzenden, roten und heißen Stelle an der Brust und grippeähnlichen Symptomen einhergehen: "Die Frau hat Schüttelfrost, hohes Fieber – über 38,5 Grad Celsius – und fühlt sich sehr krank", sagt Lisa Fehrenbach. Genau wie beim Milchstau müssen Sie auch bei einer Brustentzündung meist nicht mit dem Stillen aufhören. Wärmen Sie die Brust vor dem Stillen mit warmen Umschlägen und kühlen Sie sie hinterher. "Zum Kühlen eignen sich Quarkwickel oder ein in ein Tuch gewickeltes Coolpack", empfiehlt Claudia Seidel. Halten Sie außerdem Bettruhe.
Vorsicht: Damit die Haut keine Kälteschäden bekommt, legen Sie das Coolpack bitte nicht direkt auf die Haut!
Sollten Sie eine Temperatur von mehr als 38 Grad haben oder sich innerhalb von 24 Stunden nicht besser fühlen, gehen Sie bitte zum Arzt. Dieser wird sich mittels Ultraschall ein Bild von der Entzündung machen und Ihnen ein passendes Antibiotikum verschreiben. Wichtig: Nehmen Sie das Antibiotikum unbedingt wie verordnet und kurieren Sie sich aus! Bis die Schmerzen vollständig abgeklungen sind, dauert es einige Tage.
Bei Stillproblemen ziehen Sie bitte Ihre Hebammme oder eine Still- und Laktationsberaterin IBCLC zu Rate. Stillberarterinnen in Ihrer Nähe finden Sie im Internet auf den Seiten des Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen IBCLC.
Vanessa von Blumenstein-Langer / www.baby-und-familie.de;
16.12.2010, aktualisiert am 04.01.2011
Bildnachweis: Thinkstock/Stockbyte
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