Das Leben auf engstem Raum beginnt vom ersten Moment an: „Wir sperren schon Babys und Kleinkinder buchstäblich ein“, sagt Professor Dr. Hans Peter Brandl-Bredenbeck vom Lehrstuhl für Sportpädagogik der Universität Augsburg. Ein normaler Tag im Leben eines Kleinen? Immer häufiger verläuft er so: raus aus dem Bett, rein ins Hochstühlchen, dann ab in den Autositz, um in die Kita zu fahren. Dort sitzen die Kleinen an ihren Mini-Tischchen und spielen. Später holen wir sie im Auto wieder ab, zwängen sie zum Shoppen in einen Einkaufswagen. Ab nach Hause, erst essen, dann ins Bett. Containisierung nennen dieses Leben manche Experten – so, als ob wir unsere Kinder den ganzen Tag in eine kleine Schachtel stecken und damit ihre Bewegungslust dämpfen.
„Bewegung spielt eine immer geringere Rolle im Alltag von Kleinen“, sagt Brandl-Bredenbeck. „Und auch in der Ausbildung der Erzieherinnen findet Bewegung keinen Platz“, kritisiert er. Das Prinzip der Containisierung lässt sich sicherlich nicht auf jede Kita und auf jede Familie übertragen, aber es ist ein Trend, den die Forscher seit Längerem beobachten. Gleichzeitig ergeben Studien: Die Zahl der Kinder, die in Sportvereinen Mitglied sind, ist seit 20 Jahren stabil. Immerhin 60 Prozent der bis zu Zehnjährigen sind regelmäßig im Sportverein. Klingt erst mal äußerst positiv. Nur: „Ein Judokurs oder eine Ballettstunde einmal die Woche ersetzen nicht die Bewegung Tag für Tag“, sagt Brandl-Bredenbeck. Dazu käme: Wenn die Kleinen erst mal in die Schule gehen, säßen sie noch mehr und bewegten sich noch weniger.
Das eingesperrte Kinderleben hat seinen Preis: Sechs von zehn Schülern zeigten der Studie „Kid-Check“ im Saarland zufolge Haltungsschäden. Die Kinder sind etwa nicht in der Lage, über einen bestimmten Zeitraum im Stehen ihre Körperspannung zu bewahren. Nach kurzer Zeit ermüden die Muskeln. Die Spätfolgen: Rückenleiden wie etwa Bandscheibenvorfälle. „Wer sich nicht bewegt, hat zudem ein höheres Risiko für Übergewicht“, sagt Brandl-Bredenbeck.
Bereits heute gilt etwa jedes sechste Kind in Deutschland als zu dick. Studien zeigen zudem: „Kinder und Jugendliche, die keinen aktiven Lebensstil lernen, tun sich auch später schwer damit, sich zu bewegen, und haben als Erwachsene überdurchschnittlich häufig mit Problemen wie Übergewicht, Bluthochdruck oder Diabetes zu kämpfen“, sagt Brandl-Bredenbeck. Deshalb sei es sehr wichtig, „frühzeitig mit Bewegungserziehung anzufangen, damit die Lust am Sport auch im Erwachsenenalter bestehen bleibt“.
Wie kann man Kinder im Alltag zu mehr Bewegung animieren? Hier die Tipps von Experten – und ein paar Extra-Anregungen:
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Anne-Bärbel Köhle / Baby und Familie;
27.06.2012
Bildnachweis: Thinkstock/Stockbyte
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