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Mutter-Kind-Kur: Was Sie wissen sollten

Nicht nur Mütter, sondern auch Väter können mit Ihrem Kind auf Kur gehen. Die Aussichten auf Genehmigung sind insgesamt etwas besser geworden


Wenn momentane Müdigkeit in einen chronischen Erschöpfungszustand umschlägt, kann das gefährlich sein

Der Alltag einer Mutter kann bisweilen zu einem kräftezehrenden Marathon werden. Gründe dafür gibt es viele: Ein Kind, das chronisch krank ist. Ein Haushalt, der überfordert. Und vielleicht noch ein Ehemann, mit dem man ständig im Clinch liegt. Die gesundheitlichen Folgen einer solch andauernden Belastungssituation können vielschichtig sein – von Burn-out bis hin zur Verschlechterung bereits vorhandener Erkrankungen wie Neurodermitis oder Asthma. Mutter-Kind-Kuren können nicht nur bei der Behandlung, sondern auch vorbeugend helfen.

Was genau ist eine Mutter-Kind-Kur?

Mutter-Kind-Kuren gibt es entweder als vorbeugende oder als Rehabilitationsmaßnahme. Die vorbeugende Mutter-Kind-Kur darf durchaus als eine Art medizinische Reißleine angesehen werden. Sie kann nämlich verhindern, dass sich der allgemein geschwächte Zustand von Mama, Papa und/oder Kind zu einer ausgewachsenen Krankheit ausweitet. Im Sozialgesetzbuch ist diese medizinische Vorsorgemaßnahme sogar gesetzlich verankert.

Anders der Kuraufenthalt als Rehabilitationsmaßnahme, zum Beispiel nach einer Krebserkrankung: „Der Unterschied liegt eigentlich nur im Grad der Erkrankung,“ sagt Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks. „Eine Kur als Präventionsmaßnahme kann im Gegensatz zur Reha-Kur helfen, Zustände nicht chronisch oder manifest werden zu lassen.“

Die Mutter-Kind-Kur ist in der Regel stationär und dauert 21 Tage. Im Laufe dieser drei Wochen kann ein Verlängerungsantrag an die Krankenkasse gestellt werden, um die Kur um einer weitere Woche zu verlängern, falls das aus medizinischen Gründen sinnvoll oder notwendig ist. Den Großteil der Kliniken in Deutschland unterhält das Müttergenesungswerk mit über 80 Kliniken. Es gibt aber auch private Einrichtungen, die mit den Krankenkassen kooperieren. Die durchschnittliche Kurteilnehmerin ist 37,6 Jahre alt und hat 1,8 Kinder, die im Schnitt 6,5 Jahre alt sind.

Übrigens:

  • Eine Mutter-Kind-Kur gilt selbstverständlich auch für Väter in vergleichbarer Situation. Deswegen findet man auch immer häufiger den Ausdruck „Mutter-/Vater-Kind-Kur“.
  • Die Mama kann natürlich auch mehr als ein Kind mit in die Klinik nehmen.
  • Die Altersgrenze für Kinder liegt in der Regel bei 12, in manchen Fällen auch bei 14 Jahren.
  • Es gibt auch die Möglichkeit, Maßnahmen ganz bewusst ohne Kind anzutreten, dann spricht man von einer reinen Mutter-Kur.

Wer hat Anspruch auf eine Mutter-Kind-Kur?

„Anspruch haben alle Mütter oder Väter,“ so Schilling, „die den Hauptteil der Familienarbeit leisten.“ Die Voraussetzung für die Inanspruchnahme ist ein Attest, in dem der Hausarzt bescheinigt, dass eine Kur nötig beziehungsweise empfehlenswert sei.

Wie und wo beantrage ich eine Mutter-Kind-Kur?

Das ärztliche Attest wird zusammen mit dem Antrag bei der Krankenkasse eingereicht. Die Vordrucke gibt es bei der Krankenkasse (oft schon auf der Homepage zum Download). Bevor man allerdings die Antragsunterlagen ausfüllt, sollte man sich im Vorfeld beraten lassen.

Tatkräftige Unterstützung gibt es beim Müttergenesungswerk, aber auch bei anderen Wohlfahrtsverbänden wie dem Paritätische Wohlfahrtsverband, dem Deutschen Roten Kreuz, der Diakonie, der AWO oder der Caritas. Die Beratungsstellen helfen Ihnen ganz konkret, die für Ihre Situation am besten geeignete Klinik zu finden, damit Sie diese dann bei der Krankenkasse als Wunschklinik angeben können. Das ist deswegen wichtig, weil Kliniken unterschiedliche Schwerpunkte haben – je nach Krankheit und Lebenssituation. Es gibt zum Beispiel spezielle Kurkliniken für Asthmatikerinnen am Meer. Oder Kliniken, deren Schwerpunkt auf der Kinderbetreuung liegt. Oder Einrichtungen, die darauf spezialisiert sind, Frauen zu betreuen, die einen Angehörigen oder den Partner verloren haben. „Unsere Erfahrung zeigt, dass eine passende Klinik für die Frau auch den besten Erholungs- und Heilungsfaktor bietet,“ erläutert Schilling.

Wichtig: Die optimale Vorbereitung beim Kur-Antrag

Natürlich kann man auch ohne Hilfe die Kur bei der Krankenkasse beantragen. Die Aussichten auf eine Genehmigung sind allerdings mit einer optimalen Vorbereitung größer. „Je ausführlicher die Antragsunterlagen sind, umso besser sind die Erfolgschancen,“ sagt auch die Expertin. Wichtig ist zum Beispiel, dass das Attest möglichst ins Detail geht und die Kontextfaktoren beschreibt (zum Beispiel bei einem Erschöpfungszustand die äußeren Umstände, ob man zum Beispiel in Scheidung lebt oder Familienangehörige pflegen muss).

Wird die Kur genehmigt, muss man sie innerhalb eines gewissen Zeitraums antreten. Sollte die Kur abgelehnt werden, müssen Sie nicht gleich aufgeben, sondern können dagegen Widerspruch einlegen.

Übrigens:

  • Urlaub muss man sich für die Kur nicht nehmen.
  • Inzwischen sind die Aussichten für eine Genehmigung viel besser als zum Beispiel noch im Jahr 2011. Die Ablehnungsquote liegt laut Müttergenesungswerk im Jahr 2012 nur mehr bei 21 Prozent (2011 waren es noch 35 Prozent).

Was kostet eine Mutter-Kind-Kur?

Die Kosten für die (genehmigte) Kur werden von der Krankenkasse übernommen. Pro Tag muss die Mutter oder der Vater jedoch eine Zuzahlung von 10 Euro leisten – bei einer dreiwöchigen Kur macht das 220 Euro. Einkommensschwache Menschen können diesen gesetzlichen Eigenanteil reduzieren. Denn die Selbstbeteiligung an Kassenleistungen ist auf zwei Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens begrenzt – bei chronisch Kranken sogar auf ein Prozent. Bei einer Hartz-IV- oder Sozialhilfeempfängerin mit einem oder mehreren Kindern wären das beispielsweise rund 90 Euro.

Auf Antrag können Menschen mit geringem Einkommen am Anfang des Jahres diesen Pauschalbetrag bezahlen und sind dann von allen Zuzahlungen zu Gesundheitsleistungen befreit. „Die rund 1.300 Beratungsstellen bei den Wohlfahrtsverbänden im Müttergenesungswerk unterstützen kostenlos bei allen Fragen rund um die Kurmaßnahmen“, sagt Schilling. „Die Berater prüfen auch, ob eine finanzielle Unterstützung aus Spendenmitteln des Müttergenesungswerkes für diese Mütter möglich ist.“

Wie läuft eine Mutter-Kind-Kur ab?

Eine Kur ist kein Urlaub mit Vollpension! Sinnvoll ist diese Maßnahme nur, wenn man wirklich aktiv am Kurgeschehen teilnimmt – an den physiotherapeutischen, psychotherapeutischen und medizinischen Programmpunkten. Der ganzheitliche Behandlungsplan wird dabei ganz individuell für die Person angefertigt und – je nach Krankheitsbild – mit Schwerpunkten versehen. In manchen Fällen überwiegen die psychologischen Gespräche, in anderen die Bewegungseinheiten.

Die Kinder werden während des Aufenthalts in der Regel zumindest zeitweise betreut – ebenfalls je nach Bedürfnis. Viele Mütter kommen besser mit therapeutischen Maßnahmen zurecht, wenn ihr Kind beispielsweise sechs Stunden am Tag betreut wird. Andere wiederum nützen die Zeit ganz intensiv mit ihren Kindern. Für Schulkinder gibt es in vielen Kliniken zudem eine schulbegleitende Betreuung.

Kann ein schulpflichtiges Kind mit zur Kur?

Stichwort Schule: Geht das überhaupt mit einer Kur, wenn ich ein schulpflichtiges Kind habe? „Absolut,“ sagt Schilling. Sie rät sogar dazu, die Kuraufenthalte gerade nicht in die Ferien zu legen. „Das Ziel ist ja, den Alltag stressfreier und unbelasteter zu gestalten. Deswegen ist es sinnvoll, wenn man während der Kur nicht in einer Art Ferienmodus lebt, sondern tatsächlichen Alltag erlebt.“ Die Erfahrung zeigt, dass Kinder, die aufgrund einer Kur von der Schule beurlaubt wurden, sich danach wieder sehr gut und neu motiviert in den Schulalltag integrieren. Denn beide Parteien profitieren enorm davon, „wenn sie aus dem Alltag herausgenommen werden und therapeutisch begleitet auf einer anderen Ebene zueinander finden.“




Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto

Sandra Schmid / www.baby-und-familie.de; 09.11.2012, aktualisiert am 22.01.2013
Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto

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