Homeoffice: Diese vier Fallen vermeiden

Bei der Arbeit und doch zu Hause – schnell erreichbar, wenn mit dem Kind etwas ist: Für Eltern ist das Homeoffice oft von Vorteil. Vorausgesetzt, sie vermeiden diese Fallen

von Barbara Weichs, aktualisiert am 22.03.2016

Ein eigener Arbeitsplatz und feste Arbeitszeiten sind im Homeoffice wichtig

Getty Images/Westend61

Früher hieß es Telearbeit, heute gehen Arbeitnehmer ins Homeoffice. Was so schick klingt, ist für viele Eltern eine schlichte Notwendigkeit. "Mütter und Väter empfinden Homeoffice als wertvollen Beitrag zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie", sagt Cornelia Spachtholz, Vorstandsvorsitzende des Verbands berufstätiger Mütter in Köln. Denn von acht Uhr morgens bis fünf Uhr abends im Büro zu sein, ist für Mütter und Väter oft nicht mehr möglich – gerade wenn sie einen langen Arbeitsweg haben und Kita-Öffnungszeiten einhalten müssen.

Das große Plus des Zu-Hause-Arbeitens: Man kann sich die Zeit freier einteilen, in der man seine Aufgaben erledigt. "Sind Arbeits- und Lebensort nicht voneinander getrennt, erhalten Beschäftigte mehr Flexibilität und Zeitsouveränität", sagt Dr. Jutta Rump, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Leiterin des Instituts für Beschäftigung und Employability an der Hoch­schule Ludwigshafen. Gerade für Frauen, die nach der Babypause schnell zurück in den Job möchten, kann es auch den Wiedereinstieg erleichtern.


Prof. Jutta Rump leitet das Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) an der Hochschule Ludwigshafen

W&B/Privat

Entscheidend ist, das Modell gut zu planen und umzusetzen. So umschiffen Eltern typische Fallen:

Falle 1: Kein richtiger Arbeitsplatz

Im Idealfall findet das Arbeiten nicht am Esstisch statt. Perfekt wäre ein eigener Raum mit einer Tür zum Schließen. "Ist sie zu, signalisiert das dem Rest der Familie: Hier arbeitet Mama oder Papa und sollte ungestört bleiben", erklärt Cornelia Spachtholz. Ein weiterer Vorteil: Die schwierige Abgrenzung zwischen Privatleben und Arbeit klappt so besser. Außerdem unerlässlich: ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz, damit die Gesundheit nicht leidet, sowie gute Technik, die reibungsloses Arbeiten ermöglicht. Und: Die Kinder sollten betreut sein. "Denn Sie müssen so konzentriert arbeiten können wie im Büro", sagt Jutta Rump.


Cornelia Spachtholz ist Vorstandsvorsitzende des Verbands berufstätiger Mütter e.V. (VBM) in Köln

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Falle 2: Keine klaren Arbeitszeiten

Im Homeoffice braucht es klare Regeln, um die Vermischung von Privatsphäre und Job zu verhindern – und zwar in zwei Richtungen: mit der Familie und den Kollegen. Ansonsten führt die neu gewonnene Freiheit nur zu noch größerem Stress. Der Familie muss klar sein, dass Sie arbeiten, obwohl Sie zu Hause sind. "Besprechen Sie miteinander, aus welchen Gründen Sie gestört werden dürfen", ­erklärt Rump. Gerade Partner, die außerhalb der eigenen vier Wände ihrem Job nachgehen, so die Erfahrung der Personalexpertin, tendieren dazu, dem im Home­office Arbeitenden Aufgaben im Haushalt zu übertragen – mit der Begründung, er sei ja immer da. "Machen Sie von Anfang an deutlich, dass das Ihre Arbeitszeit ist", so Rump.

Auch die Kollegen brauchen klare Ansagen: Wann und wie lange sind Sie erreichbar und verfügbar? Feste Kernzeiten helfen, dass einen die Außenstehenden nicht zu sehr vereinnahmen. "Letztlich liegt es an Ihnen, diese Absprachen auch einzuhalten und tatsächlich auf Freizeitmodus umzuschalten und nicht immer wieder E-Mails oder Anrufe zu checken", erklärt Cornelia Spachtholz. Und das, ­ohne sich dabei schlecht zu fühlen. "Für viele ist das die eigentliche Herausforderung beim Homeoffice: die dafür nötige Selbstdisziplin tatsächlich aufzubringen", sagt Spachtholz. Die meisten Menschen, so die Expertin, neigen nämlich eher dazu, sich selbst auszubeuten, als sich klar abzugrenzen. 

Falle 3: Zu wenig Kommunikation

Mal eben die Kollegin, die einem gegenübersitzt, um Rat fragen, weil man mit einer Sache nicht weiterkommt? Sich beim Kaffeeholen übers letzte­ Wochenende austauschen? Wer zu Hause arbeitet, muss selbst aktiv werden, um den Kontakt zu den Kollegen nicht zu verlieren. "Das Team muss realisieren, dass Sie da sind, sonst verlieren Sie den ­Anschluss", erklärt Jutta Rump. Deshalb: Morgens eine kurze­ Begrüßungsmail verschicken und immer wieder zum Telefonhörer greifen. "Gespräche sind ­essenziell", so die Expertin. In ihren Augen ist das nur dann schwierig umzusetzen, wenn Arbeitnehmer zu hundert Prozent im Homeoffice arbeiten. "Davon würde ich abraten. Ideal wären zwei bis drei Tage und die restliche Zeit vor Ort im Büro."

Falle 4: Klassische Fehleinschätzung

Passt das Modell zu einem oder nicht? Wirklich herausfinden lässt sich dies im Prinzip nur, indem man es ausprobiert. "Es sei denn, Sie wissen von vornherein, dass Sie die notwendige Eigenverantwortung und Eigeninitiative nicht aufbringen", sagt Jutta Rump. Die Expertin rät, sich zudem folgende Fragen ehrlich zu beantworten: Fühle ich mich wohl mit dem Modell? Schaffe ich die Trennung zwischen Job und Privatleben, oder brauche ich dafür zwei Orte? Stehe ich unter Druck? Habe ich das Gefühl, mich vor den Kollegen rechtfertigen zu müssen? Die Sorge, sich karrieretechnisch ins Abseits zu bringen, muss im Grunde niemand haben – "es sei denn, Sie arbeiten in einem Unternehmen, in dem immer noch eine Präsenzkultur herrscht", sagt ­­Jutta Rump.



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