Wickeln und weiterbilden: Während der Elternzeit gilt es, beruflich auf dem Laufenden zu bleiben. Sie kann aber auch eine Chance sein, neues Wissen zu erwerben
Nach einem Jahr Elternzeit hat sich an der Arbeitsstelle meist nicht viel geändert. Doch: Wer länger aussteigt, etwa weil nach Kind eins bald Kind zwei folgt oder das Kleine nicht sofort einen Betreuungsplatz bekommt, dem begegnen nicht nur neue Kollegen, sondern häufig auch neue berufliche Anforderungen. „Deshalb sollte man die Abwesenheit aktiv nutzen und sich beruflich auf dem Laufenden halten“, rät Cornelia Spachtholz, stellvertretende Vorsitzende des „Verbands berufstätiger Mütter e.V.“ aus Köln. Mit diesen Tipps kommen Sie ans Ziel:
Wo kann ich mich über neue Anforderungen im Beruf informieren?
Wer in seinen alten Beruf wieder einsteigen möchte, erfährt durch die Firma, welche Weiterbildungen sich lohnen. Am besten sind persönliche Kontakte: „Jeder hat ein, zwei vertraute Kollegen. Mit denen sollte man in der Elternzeit unbedingt in Verbindung bleiben, denn sie können über neue Anforderungen oder veränderte Arbeitsabläufe berichten“, sagt Spachtholz. Manche Firmen informieren ihre Mitarbeiter in Elternzeit gezielt, zum Beispiel über das Internet. Spätestens ein halbes Jahr bevor die Elternzeit endet, sollte man beginnen, den Neustart zu planen.
Cornelia Spachtholz ist stellvertretende Bundesvorsitzende des "Verbands berufstätiger Mütter e.V." aus Köln
Wer nicht wieder an seine Arbeitsstelle zurückkehren kann oder möchte, sollte sich frühzeitig Alternativen überlegen. Fachzeitschriften und Newsletter können Anregungen geben. Gerade nach längerer Auszeit lohnt sich aber eine persönliche Beratung.
Wer kann mich beraten?
Ein Ansprechpartner ist die Agentur für Arbeit. „Wir beraten alle, die arbeitslos gemeldet sind oder eine neue Stelle suchen“, erklärt Frauke Wille, Referentin bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Auch Gleichstellungsbeauftragte der
Stadt oder Frauenberatungsstellen helfen gezielt Müttern nach der Familienpause. Auf dem Portal „Perspektive Wiedereinstieg“ finden Sie Beratungsstellen in Ihrer Nähe (www.perspektive-wiedereinstieg.de*). Die Industrie- und Handelskammern (IHK) informieren ebenfalls zu Weiterbildung und Wiedereinstieg (www.wis.ihk.de*).
Eine Alternative sind professionelle Coaches. Die Auswahl ist groß, die Stundensätze variieren sehr. Qualifizierte Experten finden Sie über das Berufsberatungsregister des Deutschen Verbands für Bildungs- und Berufsberatung (www.bbregister.de*), den
Deutschen Bundesverband Coaching (www.dbvc.de*) oder den Deutschen Verband für Coaching und Training (www.dvct.de*).
Wo finde ich passende Kurse?
Von Ihrem Berater sollten Sie eine Übersicht über geeignete Seminare bekommen. Falls Sie auf eigene Faust suchen wollen, geht das am besten online. Das Bildungsministerium hat einen guten Suchdienst entwickelt: das InfoWeb Weiterbildung (www.iwwb.de*). In mehr als 110 Datenbanken können Sie bundesweite und regionale Fortbildungen finden. Fündig werden Sie auch im Kursnet der Arbeitsagentur (www.kursnet.arbeitsagentur.de*), bei den IHKs (www.ihk-weiterbildung.de*), den Volkshochschulen (www.meine-vhs.de*) und dem Forum Berufsbildung (www.forum-berufsbildung.de*). Speziell für Akademiker gibt es die Weiterbildungsdatenbank der Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium (www.wisswb-portal.de*).
Kann ich aus der Ferne lernen?
Der Vorteil an Fernunterricht: Sie sind unabhängig von Kurszeiten. „Allerdings muss man viel Motivation und Disziplin mitbringen“, sagt Spachtholz. Zusätzlich gibt es Präsenztermine. „Informieren Sie sich rechtzeitig, wie oft und wo diese stattfinden.“ Eine Übersicht geben die Zentralstelle für Fernunterricht (www.zfu.de*) und die Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (www.zfh.de*). Einzige staatliche Fernuniversität in Deutschland ist die FernUniversität Hagen (www.fernuni-hagen.de*). Beim E-Learning sind Sie vollkommen flexibel, aber auch ganz auf sich gestellt. Das Bundesinstitut für Berufsbildung listet Angebote auf (www.eldoc.info*).
Von der Arbeitsagentur gibt es die kostenlose Lernbörse (www.arbeitsagentur.de*). „Sie ist exklusiv für Kunden der Arbeitsagenturen und bietet Weiterbildungen zu BWL, IT oder Fremdsprachen“, sagt Wille. Eine neue Möglichkeit des E-Lernens sind die sogenannten Webinare der Volkshochschulen (www.vhs-webinare.de*). Vom heimischen Computer sind Sie live bei einem Kurs dabei.
Wer bezahlt die Fortbildung?
Wie hoch die Kosten sind, hängt vom Anbieter, Thema und von der Dauer des Seminars ab. Am günstigsten sind Volkshochschulkurse, private Anbieter verlangen oft deutlich mehr. Prüfen Sie außerdem, ob noch Nebenkosten für Lehrmaterial oder Prüfungsgebühren dazukommen.
Unter Umständen wird die Fortbildung bezuschusst oder ganz bezahlt. „Ob die Arbeitsagentur oder das JobCenter die kompletten Kosten übernimmt, muss vorher mit dem zuständigen Berater geklärt werden“, sagt Wille. Diesen Bildungsgutschein gibt es, wenn sich durch die Fortbildung die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen – das beurteilt der Vermittler.
Berufstätige – auch in Elternzeit – können unter bestimmten Voraussetzungen die Bildungsprämie beantragen. Dabei zahlt das Bildungsministerium die Hälfte der Kurskosten, jedoch maximal 500 Euro. Beratungsstellen finden Sie unter www.bildungspraemie.info*. In einigen Bundesländern gibt es ähnliche Fördermöglichkeiten, meist für Mitarbeiter kleinerer Unternehmen. Für Lehrgänge, die auf staatliche Prüfungen vorbereiten, können Sie das Meister-BAföG beantragen (www.meister-bafoeg.info*).
Wie unterstützt mich die Firma?
Wenn Mütter sich während ihrer Elternzeit weiterbilden möchten, sollten sie dies mit ihrem Chef besprechen. In manchen Firmen gibt es sogar spezielle Programme. „Wir laden Mitarbeiter in Elternzeit zu Workshops und Fortbildungsveranstaltungen ein“, sagt Svenja Wilke, Sprecherin Human Resources bei Daimler in Stuttgart, ein Unternehmen mit Zertifikat vom Audit „berufundfamilie“. Wenn sich jemand extern fortbilden möchte, stehe dem nichts im Wege. „Grundsätzlich ist es möglich und erfolgt in Absprache mit dem Vorgesetzten, dass wir die Kosten übernehmen.“
Auch bei Vodafone – ebenfalls als familienfreundlich zertifiziert – werden Fortbildungen zur Rückkehr in den Job gefördert. „Kurz vor dem Wiedereinstieg beraten wir Mütter, welche Weiterbildungen zur schnellen Auffrischung des Fachwissens sinnvoll sind. Die ersten Gespräche können bis zu einem halben Jahr vor dem Wiedereinstieg erfolgen“, erklärt Gerda Köster, Verantwortliche für den Bereich Work & Life Balance bei Vodafone in Düsseldorf. Meist handele es sich um interne Schulungen, aber so Köster: „Nachfragen lohnt sich. Wenn es entsprechende externe Maßnahmen gibt, unterstützt Vodafone eine Weiterbildung.“ Deshalb der Rat aller Expertinnen an Mütter in Elternzeit: Werden Sie aktiv!
Der Check für ein optimales Beratungsgespräch: Wie Sie sich auf den Beratungstermin vorbereiten können und was Sie erwartet, erläutert Cornelia Spachtholz vom Verband berufstätiger Mütter:
Vorbereiten: „Überlegen Sie sich, wo Sie beruflich stehen und wie Sie ansetzen können“, sagt die Fachfrau. Was ist Ihre Ausbildung? Welche Berufserfahrung haben Sie? Was hat Ihnen in Ihrem Beruf Spaß gemacht? Wo waren Sie erfolgreich? Seien Sie realistisch, und prüfen Sie, ob Sie Qualifikationen auffrischen müssen. „Erstellen Sie einen neuen Lebenslauf, und schicken Sie diesen Ihrem Berater noch vor dem Gesprächstermin zu“, sagt Spachtholz.
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Neu orientieren: In der Familienphase sammeln Frauen viele Kompetenzen wie Organisationsfähigkeit. „Machen Sie sich bewusst, was Sie alles dazugelernt haben“, rät Spachtholz. Mit dem Familienkompass des Deutschen Jugendinstituts etwa lassen sich berufsrelevante Familienkompetenzen messen (www.famcompass.eu). Versuchen Sie für sich zu klären, was Sie erreichen möchten. Möchten Sie Voll- oder Teilzeit arbeiten? Wollen Sie in Ihren Beruf zurückkehren oder sich neu orientieren? Falls ja: Welches Wissen fehlt Ihnen? Hilfreich kann es sein, Stellenanzeigen zu lesen. Dann bekommen Sie eine Vorstellung, was auf dem Arbeitsmarkt gefragt ist.
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Beim Termin: Die Beraterin möchte zunächst von Ihnen wissen: Warum suchen Sie das Gespräch? Welches Ziel haben Sie? Gemeinsam werden Sie Ihre beruflichen Möglichkeiten und Perspektiven besprechen. Wenn Ihr Potenzial und Ihre Interessen geklärt sind, geht es konkret um die Weiterbildung. Welche Lehrgänge kommen infrage? Wie bringen Sie diese weiter? Weitere Themen, die Sie besprechen sollten: Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten, Organisation der Kinderbetreuung. Wie kann Ihr Partner, die Familie, Freunde oder Ihr Arbeitgeber Sie unterstützen?
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Rückschau: Prüfen Sie die vorgeschlagenen Kurse auf Inhalt, Kosten und Abschlussmöglichkeiten. „Überlegen Sie, wie viel Zeit Sie in eine Fortbildung stecken können“, so die Expertin. Filtern Sie passende Seminare heraus. Falls Sie noch Fragen haben, bitten Sie um ein weiteres Gespräch oder holen Sie eine zweite Meinung ein.
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Peggy Elfmann / Baby und Familie;
17.11.2011
Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Henrik Abrahams
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