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Alleinerziehend: So bekommen Sie Hilfe

Wenn Mutter oder Vater alleinerziehend sind, kämpfen sie oft für Unterhalt, Wohngeld und Zuschüsse. Auch das Krankheitsrisiko für Alleinerziehende und ihre Kinder ist höher. Unsere Tipps helfen


Gestresste Mama: Alleinerziehende haben oft keine Chance auf eine Auszeit

Höhere Kosten, mehr Stress, schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt – Studien haben gezeigt, dass Alleinerziehende mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen haben als Paare mit Kindern. Laut dem Bundesfamilienministerium bestehen 18 Prozent der Familien in Deutschland aus Alleinerziehenden mit ihren Kindern. Die Mütter oder Väter können oft nur Teilzeit oder gar nicht arbeiten und so ihren Lebensunterhalt nicht ausreichend bestreiten. 41 Prozent der Alleinerziehenden beziehen Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe, bei Paaren mit Kindern sind es nur fünf bis 13 Prozent.

Fehlende Unterstützung kann krank machen

Wenn Alleinerziehende nicht für sich alleine sorgen können, belastet das auch ihre Psyche. „Mütter leiden generell häufig unter ständigem Zeitdruck, beruflichen Belastungen und sozialer Isolierung“, sagt Anne Schilling, Geschäftsführerin des Deutschen Müttergenesungswerks. Bei Alleinerziehenden ist die Belastung entsprechend höher. Hinzu kommt, dass die Mutter oder der Vater die einzige Bezugsperson für das Kind ist und sich kaum Auszeiten nehmen kann. Eine der Folgen: „Alleinerziehende sind in unseren Kliniken deutlich überproportional vertreten“, sagt Schilling. Das Müttergenesungswerk betreibt viele Mütter- und Mutter-Kind-Kliniken. Die Mütter nehmen eine Kur in Anspruch, weil sie zum Beispiel unter Erschöpfungssyndrom, Burnout oder Belastungsreaktionen leiden. Außerdem treten häufig Erkrankungen wie Rückenschmerzen oder Gelenkbeschwerden auf.


Kinder sind meist mitbetroffen

„Das Grundproblem von Müttern ist, dass sie meist sehr viel Verantwortung auf sich nehmen“, so Schilling. „Alleinerziehende glauben oft, keine andere Wahl zu haben. Dabei gibt es auch für sie Möglichkeiten zur Entlastung.“ Nicht nur, um selbst gesund zu bleiben, sondern auch zum Wohl des Kindes: Studien haben gezeigt, dass die Gesundheit des Kindes stark von der der Mutter abhängt und umgekehrt. „Wir stellen fest, dass 80 Prozent der Kinder, die mit ihren kranken Müttern in unsere Kliniken kommen, selbst behandlungsbedürftig sind“, sagt Schilling. Betroffene Kinder leiden überwiegend unter Erkrankungen des Atemsystems, psychischen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten wie Sprachstörungen und Bettnässen.

Langfristig optimistisch

Natürlich sind nicht alle Alleinerziehenden gesundheitlich angeschlagen und in Geldnot. Ihre Eine Studie des Bundesfamilienministeriums hat ermittelt, dass alleinerziehende Frauen ihre Situation langfristig als gar nicht so problematisch beurteilen und sehr optimistisch in die Zukunft blicken. Dennoch sind Alleinerziehende mit ihrer Lage im Schnitt viel unzufriedener als Mütter in Paarfamilien.


Und so können sich Alleinerziehende entlasten:

  • Netzwerk bilden: Suchen Sie Kontakt zu Familie, Freunden, Bekannten und Nachbarn und unterstützen Sie sich gegenseitig. Zum Beispiel können Sie sich mit Freunden bei der Kinderbetreuung abwechseln: An einem Nachmittag kommen die Kinder Ihrer Freunde zu Ihnen, an einem anderen überlassen Sie ihnen Ihre Kinder.


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  • Angebote wahrnehmen: Es gibt viele Hilfen für Alleinerziehende, ob staatlich oder von Verbänden und Stiftungen. Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände, des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter (http://www.vamv.de*, telefonische Beratung über die Landesverbände: http://www.vamv.de/vamv/landesverbaende.html*) oder Ihrer Kommune können Ihnen einen Überblick geben. Auch beim Bundesfamilienministerium können Sie sich informieren: http://www.familien-wegweiser.de*; Service-Telefon: 01801-90 70 50


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  • An sich und das Kind denken: Ist die Mutter gesund, profitiert auch das Kind. Für Ihre Gesundheit ist es nicht förderlich, wenn Sie versuchen, die gesamte Verantwortung alleine zu schultern. Neben der Unterstützung durch Institutionen oder Ihr soziales Netzwerk hilft es auch, sich Pausen zu gönnen. „Kinder können lernen, dass die Mama auch mal Zeit für sich braucht“, sagt Schilling.


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Checkliste: Hilfen im Überblick

Kindesunterhalt
Alleinerziehenden steht vom anderen Elternteil Unterhalt für das Kind zu. Die Höhe richtet sich danach, wie viel der andere verdient und wie alt der Nachwuchs ist. Die Staffelung ist in der sogenannten „Düsseldorfer Tabelle“ beim Oberlandesgericht Düsseldorf verzeichnet (http://www.olg-duesseldorf.nrw.de, unter "Service" und dort "Düsseldorfer Tabelle" *). In speziellen Fällen kann zusätzlich ein Mehrbedarf geltend gemacht werden. Dies gilt zum Beispiel, wenn das Kind eine besondere Therapie benötigt, die die Kasse nicht erstattet – aber auch für Kinderbetreuungskosten. Das Geld für Kita oder Tagesmutter wird dann einkommensabhängig zwischen den Eltern aufgeteilt und kann so zusätzlich vom Unterhaltspflichtigen eingefordert werden.

Betreuungsunterhalt
Muss der Alleinerziehende kleine Kinder betreuen, kann er nicht arbeiten gehen. Deshalb steht Müttern oder Vätern, die Kinder unter drei Jahren versorgen und erziehen, ein Betreuungsunterhalt vom anderen Elternteil zu. Nicht Verheiratete sind dabei mit Geschiedenen gleichgestellt. Der genaue Betrag richtet sich nach dem Einkommen des Unterhaltspflichtigen. Je nachdem, ob dann eine passende Kinderbetreuung vorhanden ist oder nicht, kann sich der Anspruch auch verlängern.

Unterhaltsvorschuss
Wenn der Unterhaltspflichtige keinen Unterhalt zahlt oder die Vaterschaft nicht geklärt ist, kann der Alleinerziehende einen Unterhaltsvorschuss beim Jugendamt beantragen. Dies betrifft jedoch nur den Unterhalt für das Kind. Er wird maximal bis zum Ende des zwölften Lebensjahres bezahlt, aber höchstens sechs Jahre (72 Monate) lang. Seine Höhe richtet sich nach dem Alter des Kindes.

Kindergeld
Alleinerziehende bekommen das Kindergeld in voller Höhe. Der Betrag richtet sich nach der Anzahl der Kinder.

Elterngeld
Alleinerziehende können volle 14 Monate Elterngeld in Anspruch nehmen – Paare müssen diese Zeit unter sich aufteilen. Die Höhe des Elterngelds wird aus dem Vorjahreseinkommen errechnet.

Steuer
Neben den Kinderfreibeträgen können Betreuungskosten und die Kosten für andere haushaltsnahe Beschäftigte steuerlich geltend gemacht werden.

Kinderzuschlag und Wohngeld
Alle Eltern mit geringem Einkommen erhalten Kinderzuschlag und Wohngeld. Den Kinderzuschlag bekommen Familien, bei denen die Eltern mit ihrem Einkommen zwar den eigenen Bedarf decken können, aber nicht den ihrer Kinder. Der Kinderzuschlag kann bei der zuständigen Familienkasse beantragt werden. Zusätzlich stehen den Betroffenen sogenannte Leistungen für Bildung und Teilhabe zu, die beispielsweise bei Schul- und Kitaausflügen, Schulbus, Nachhilfe oder Sportverein gezahlt werden. Sie können bei der Gemeinde oder dem Landkreis beantragt werden. Das Wohngeld als Zuschuss zur Miete können Familien mit geringem Einkommen bei der Wohngeldstelle der Gemeinde beantragen.

Arbeitslosengeld II & Sozialhilfe
Müssen Alleinerziehende Arbeitslosengeld II beziehen, sind sie damit automatisch renten-, kranken- und pflegeversichert. Die Bundesagentur für Arbeit kümmert sich neben der Vermittlung einer Arbeitsstelle auch um eine passende Kinderbetreuung. Sozialhilfe können Alleinerziehende beantragen, wenn sie nicht arbeiten können oder zu wenig Unterhalt bekommen. Alleinerziehenden, die Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe erhalten, steht zusätzlich der sogenannte Mehrbedarfszuschlag für ihre Kinder zu. Er richtet sich nach Alter und Anzahl der Kinder.

Haushaltshilfe
Ist der Alleinerziehende akut krank, kann er oder sie bei der zuständigen Krankenkasse eine Haushaltshilfe beantragen. Die genauen Umstände, unter denen die Kasse zahlt, müssen jedoch für den Einzelfall ausgehandelt werden.

Kuraufenthalte
Bei Krankheiten oder anderen Belastungen hilft Alleinerziehenden eine Kur mit oder ohne Kind. Dass der Betroffene eine solche Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme braucht, muss ein Arzt bescheinigen. Hat er oder sie nicht genügend Geld, um Eigenanteil, Anreise oder Taschengeld für die Kur zu bezahlen, vermittelt der Träger – zum Beispiel das Müttergenesungswerk – häufig Spendengelder. Informationen und eine Suchfunktion für lokale Beratungsstellen auf http://www.muettergenesungswerk.de*; Service-Telefon: 030/33 00 29 -29

Urlaub
Bundesweit gibt es sogenannte Familienferienstätten, die von Wohlfahrtsverbänden betrieben sind und vor allem Familien mit geringen finanziellen Möglichkeiten einen schönen und erholsamen Urlaub ermöglichen sollen. Sie bieten Kinderbetreuung, Aktivitäten und Bildungsangebote. Hilfsbedürftigen Familien können die Träger häufig Zuschüsse vermitteln.

Spendengelder
Wenn alle regulären Möglichkeiten ausgeschöpft sind und das Geld aufgrund einer besonders schwierigen Situation trotzdem nicht reicht, können sich Alleinerziehende oder werdende Mütter an Wohlfahrtsverbände oder Stiftungen wenden. Beratungsstellen von Diakonien, Caritas, Arbeiterwohlfahrt, Paritätischem Wohlfahrtsverband, Pro Familia oder Deutsches Rotes Kreuz können eventuell Spendengelder vermitteln.

 

* www.baby-und-familie.de übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten




Bildnachweis: Thinkstock/Goodshot

Daniela Frank / www.baby-und-familie.de; aktualisiert am 28.08.2012, erstellt am 07.09.2011
Bildnachweis: Thinkstock/Goodshot

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