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Sex während der Schwangerschaft und nach der Geburt

Mit Sex beginnt eine Schwangerschaft – na klar. Aber wie sieht es damit in den folgenden Monaten aus? Gynäkologe Klaus Vetter erklärt, was Schwangere beim Sex beachten sollten


Es spricht nichts dagegen, sich die Wartezeit auf das Kind mit Sex zu vertreiben

Herr Vetter, eine pauschale Regel besagt, sechs Wochen vor und sechs Wochen nach der Geburt sollten Paare auf Sex verzichten. Stimmt das?

Es gab sogar einmal Zeiten, da wurde geraten, während der kompletten Schwangerschaft enthaltsam zu leben. Sowohl das eine als auch das andere stimmt nicht.

Sondern?

Es gibt keine pauschale Aussage. Wenn Mann und Frau es wollen, können sie im Prinzip immer Sex haben.

Im Bauch entsteht ein Kind, das mit aller Sorgfalt gehütet und gebrütet wird, da soll intensive körperliche Betätigung mit Flüssigkeitsaustausch unbedenklich sein?

Erstens: Die mit Sex stets einhergehende erhöhte Infektionsgefahr hat üblicherweise keine Auswirkung auf die Schwangerschaft. Zweitens: Zwar könnten theoretisch bestimmte Hormone im Ejakulat, die Prostaglandine, Wehen auslösen. In der Praxis passiert das aber nicht, es sei denn, der Geburtstermin steht kurz bevor. Aber dann sind Wehen ja durchaus erwünscht. Drittens: Vom Sexualverkehr selbst bekommen die Babys nichts mit.

Tatsächlich?

Ab der 12. Woche zieht sich die Gebärmutter normalerweise soweit in den Bauch hoch, dass sie nicht mehr im quasi "Zielgebiet" liegt, in dem Sex stattfindet. Zudem liegen die Föten gut gepuffert im Fruchtwasser.


Was ist mit dem Ejakulat, wenn das bis zur Gebärmutter vordringt?

Das kann es nicht. Die Gebärmutter ist durch dickflüssigen Schleim gut von der Außenwelt geschützt. Das ist normalerweise ein abgeschlossenes System.

Das Baby ist da, der erste Stress überstanden. Wann darf sich ein Paar wieder miteinander vergnügen?

Dafür gibt es keinen pauschalen Termin. Nach einer Geburt ohne Komplikationen ist die Gebärmutter und der Geburtskanal üblicherweise nach zwei Wochen wieder so beschaffen, das Sex denkbar ist. Entscheidender sind aber andere Faktoren.

Welche?

Nach der Geburt stürzen die Pegel bestimmter Hormone bei Frauen in den Keller. Bei stillenden Müttern werdem die Eierstöcke vorübergehend mehr oder weniger blockiert, was Ursache eines relativen Hormontiefs ist. Man könnte sagen, es herrscht zunächst ein hormonelles Chaos im Körper. Abgesehen von den psychischen Auswirkungen führt diese Situation unter anderem dazu, dass die Feuchtigkeit der Scheide reduziert ist, was beim Sex nicht besonders angenehm ist. Ich rate deswegen, beim ersten Sex nach der Geburt ein Gleitmittel zu verwenden.


Mann sollte also vorsichtig sein?

Richtig. Aber es sind ja zuweilen auch die Männer, die mit dem ersten Mal Probleme haben.

Wir Männer sollten doch eigentlich kein Hindernis sein, wir haben doch die ganze Zeit nur zugeschaut!

Es gibt junge Väter, die nach der Geburt auf einmal eine komische Vorstellung von der Genitalregion der Frau haben. Wenn sie bei der Geburt gesehen haben, wie ihr Baby durch die Scheide herausgekommen ist, kann eine gewisse sexuelle Hemmung entstehen. Deswegen müssen nicht alle Männer bei einer Geburt unbedingt dabei sein. Nicht jeder verträgt die Bilder, die er dabei zu sehen bekommt.

Die Psyche spielt also eine entscheidende Rolle?

Ja, und zwar sowohl bei Mann als auch bei Frau. Bei der Geburt des ersten Kindes entsteht aus einer 2er-Beziehung eine 2er-Beziehung plus 1. Die Frage ist nur, wer ist „plus 1“, das Baby oder der Mann? (lacht) Im Ernst, nicht nur diese neue Konstellation beschäftigt ein Paar und kann Auswirkungen auf die Sexualität haben, sondern natürlich auch alles rund um die Pflege des Babys: Stillen, Stress, Schlafmangel.

Gibt es denn eine Zeitspanne, nach der die meisten Paare wieder bereit sind für Sex?

Auch hier gilt wieder: Pauschale Aussagen sind nicht möglich. Manche verspüren schon eine Woche nach der Geburt wieder Lust, andere erst nach Monaten oder sogar Jahren. Welche Auswirkungen das auf eine Beziehung hat, ist ein anderes Thema.

Letzte Frage: Ab wann ist die Frau wieder fruchtbar? Oder anders formuliert: Muss das Paar sofort wieder verhüten?

Ja, im Prinzip sofort! Man rechnet zwar, dass nur 20 Prozent der stillenden Frauen nach sechs Monaten wieder schwanger werden können, aber keiner weiß welche. Es wäre also sehr gewagt darauf zu setzen, zu den restlichen 80 Prozent zu gehören. Bei Frauen, die nicht stillen, fehlt die Blockade der Eierstöcke. Sie können quasi sofort wieder schwanger werden. Wer sich erst einmal mit dem neuen Erdbürger beschäftigen und deswegen sicher verhüten will, sollte dem Thema sofort die nötige Aufmerksamkeit schenken, sobald Geschlechtsverkehr wieder in Aussicht steht.




Bildnachweis: iStockphoto/Pascal Genest

Burkhardt Röper / www.baby-und-familie.de; 13.09.2010, aktualisiert am 05.09.2012
Bildnachweis: iStockphoto/Pascal Genest

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