Schwangerschaftstest: Wie funktioniert er?

Ein Schwangerschaftstest misst den Gehalt des Hormons hCG im Urin, um eine Schwangerschaft nachzuweisen. Er ist zum Beispiel in der Apotheke rezeptfrei erhältlich
von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 27.09.2016

Meist ein Grund zur Freude: Ein positiver Schwangerschaftstest

Banana Stock/RYF

Das Kürzel hCg steht für Humanes Choriongonadotropin. Dieses Hormon wird bei gesunden Frauen während der Schwangerschaft im Mutterkuchen (Plazenta) gebildet. Die hCG-Konzentration steigt schon bald nach der Befruchtung im Blut und im Urin an und erreicht zwischen der siebten und zwölften Schwangerschaftswoche ihr Maximum. Dieses hCG weist der Schwangerschaftstest im Urin nach. Der Test kann zum Beispiel in der Apotheke rezeptfrei erworben werden. Die Zuverlässigkeit eines solchen Urin- oder Stäbchenschnelltests liegt bei über 95 Prozent.


Worauf ist beim Kauf des Schwangerschaftstests zu achten?

Das Haltbarkeitsdatum darf nicht abgelaufen sein. Ansonsten sind die erhältlichen Tests von Marke zu Marke in der Aussagekraft vergleichbar, allerdings unterscheiden sie sich teilweise in der Anwendung. Auch die Zeit, bis ein Ergebnis angezeigt wird, und die Darstellung des Ergebnisses können variieren: Deshalb bei Tests von einer neuen Marke immer genau die Anleitung durchlesen!


Zwei Streifen bedeuten üblicherweise: Schwanger!

Glow Images/Image Broker

Wie läuft ein herkömmlicher Schwangerschafts-Selbsttest ab?

Die üblichen Schwangerschaftstests sprechen ab zwei Wochen nach der Befruchtung des Eis beziehungsweise ab dem ersten Tag der ausbleibenden Menstruation auf eine Schwangerschaft an. Dabei löst das im Urin enthaltene hCG mit den auf dem Teststreifen befindlichen Enzymen eine chemische Reaktion aus. Zu dem Zweck halten Sie den Teststreifen in den Urinstrahl. Am besten eignet sich der Morgenurin, weil sich über Nacht das hCG darin anreichert. Entsprechend dem hCG-Gehalt entsteht im Ergebnisfenster eine Verfärbung. Am geläufigsten: Zwei Streifen = schwanger, ein Streifen = nicht schwanger. Zu beachten ist beim Ablesen das Zeitfenster, ab wann das Ergebnis zuverlässig angezeigt wird und wie lange: Bei manchen Tests wird die Anzeige nach einer Stunde wieder ungenau.

Gerade in den ersten Tagen der Schwangerschaft kann das Trinken von großen Mengen Flüssigkeit vor dem Test zu einem negativen Ergebnis führen, obwohl eine Schwangerschaft besteht. Denn dadurch verdünnt sich die Konzentration von hCG im Urin, so dass sie den nötigen Schwellenwert für ein positives Testergebnis nicht erreicht.

Anmerkung zu Zeitangaben in der Schwangerschaft: Die Schwangerschaftswochen (SSW) werden im medizinischen Gebrauch ab dem ersten Tag der letzten erfolgten Regelblutung gezählt – also eigentlich zwei Wochen früher, als die Befruchtung stattgefunden hat.


Welche Methoden zeigen die Schwangerschaft noch früher an?

Frühtests verwenden eine sogenannte Immunchromatographie mit Antikörpern gegen hCG. Damit können sie bereits vier Tage vor Ausbleiben der Monatsblutung geringste Mengen an hCG im Urin nachweisen, die Fehlerraten sind allerdings entsprechend hoch. Der Frauenarzt kann die Schwangerschaft auch aufgrund eines Bluttests ermitteln, bereits sechs bis neun Tage nach der Einnistung des befruchteten Eis. Das Labor bestimmt außerdem die exakte Konzentration von hCG im Blut. Das erlaubt Rückschlüsse auf den Zeitpunkt der Befruchtung: Die hCG-Werte verdoppeln sich nämlich anfangs etwa alle 2,5 Tage, bis sie sich bei ihrem Maximum von zirka 45.000 internationale Einheiten/Liter einpendeln.

Die Bestimmung des hCG kann auch im weiteren Verlauf der Schwangerschaft sinnvoll sein, wenn zum Beispiel der Verdacht eines Aborts oder einer Eileiterschwangerschaft gegeben ist.


Was kostet ein Schwangerschaftstest?

Schwangerschaftstests gibt es bereits ab etwa vier Euro. Etwas mehr kosten digitale Tests, die das Ergebnis in Schriftform anzeigen.

Wann soll man beim positiven Schwangerschaftstest zum Frauenarzt gehen?

Bei positivem Testergebnis empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die Einnahme von Folsäure und Jod. Vor der Einnahme sollte die Mutter Rücksprache mit dem Arzt halten, da zum Beispiel bestimmte Schilddrüsenerkrankungen eine Gegenanzeige für eine Jodgabe sein können. Kombinationspräparate mit Jod und Folsäure sind in der Apotheke erhältlich. (Anmerkung: Das BfR empfiehlt, bereits bei einem Schwangerschaftswunsch auf eine ausreichende Versorgung mit Jod und Folsäure zu achten. Eine zusätzliche Zufuhr von Folsäure sollte laut BfR spätestens vier Wochen vor der geplanten Empfängnis beginnen.) Um das entstehende Leben nicht zu gefährden, sollte die Mutter Alkoholkonsum und Rauchen möglichst vermeiden.

Trotz der ziemlich hohen Verlässlichkeit sollte die Mutter nach einem positiven Schwangerschaftstest einen Frauenarzt aufsuchen, um das Ergebnis zu bestätigen und die Schwangerschaftsvorsorge durchzuführen. Sollten Beschwerden wie Blutungen aus der Scheide oder Unterbauchschmerzen vorhanden sein, ist ein zeitnaher Termin angebracht. Ebenso bei chronischen Erkrankungen mit Medikamenteneinnahme. Bei Beschwerdefreiheit allerdings ist es in der Regel ausreichend, sich innerhalb der nächsten ein bis zwei Wochen vorzustellen. Der Arzt kann neben Blut- und Urintests auch den Ultraschall als optischen Nachweis einsetzen. Der Ultraschall zeigt ungefähr ab der sechsten Woche eine Schwangerschaft an. Bei einem sehr frühen Ultraschalltermin ist oft die Fruchtblase in der Gebärmutter noch nicht eindeutig sichtbar, weswegen die Patientin möglicherweise zu Unrecht beunruhigt wird, oder der Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft im Raume stehen kann.

Im Laufe der weiteren Vorsorgeuntersuchungen stellt der Frauenarzt den Mutterpass sowie eine Bescheinigung der Schwangerschaft zur Vorlage beim Arbeitgeber aus.


Gibt es auch falsch positive Testergebnisse?

Neben einer Schwangerschaft gibt es auch andere Ursachen, weshalb hCG in den Urin gelangen kann, wodurch der Test zu Unrecht eine Schwangerschaft anzeigt: Bestimmte Tumore wie Chorionzellkarzinome und Keimzelltumore produzieren hCG. Und auch bei einer fehlangelegten Schwangerschaft, die zu einem frühen Abgang führt, kann der hCG-Spiegel danach noch eine Weile erhöht sein. Auch Blut oder Eiweiß im Urin sowie Verunreinigungen können den Test beeinflussen. Einige Medikamente, zum Beispiel gegen psychische Erkrankungen wie Neuroleptika und Benzodiazepine können sich ebenfalls auf das Testergebnis auswirken. Die Antibabypille stört allerdings den Test nicht.


Wann reagiert der Test trotz Schwangerschaft nicht?

Das Trinken einer großen Menge Flüssigkeit kann die hCG-Konzentration im Urin zu stark verdünnen. Auch wenn die Befruchtung noch keine zwei Wochen her ist, schlägt der Test eventuell nicht an. Und wenn die Schwangerschaft bereits mehr als 20 Wochen besteht, kann der hCG-Wert bereits wieder so stark abgesunken sein, dass der Test ihn nicht misst. Auch viele Bakterien im Urin sind eine Ursache für einen falsch negativen Test.


W&B/Privat

Beratende Expertin: Dr. Barbara Eberhardt, Fachärztin für Frauenheilkunde in der Frauenklinik KH Landshut-Achdorf


Quellen:

1. M. Breckwoldt, M. Kaufmann, A. Pfleiderer (2008): Gynäkologie und Geburtshilfe, 5. Auflage, Stuttgart: Georg Thieme Verlag (S. 318)

2. M. Kaufmann, S. Costa, A. Scharl (2013): Die Gynäkologie, 3. Auflage, Berlin Heidelberg: Springer-Verlag (S. 1002)

3. Bundesinstitut für Risikobewertung: Jod, Folsäure und Schwangerschaft – Ratschläge für Ärzte. Online: www.bfr.bund.de/cm/350/jod_folsaeure_und_schwangerschaft_ratschlaege_fuer_aerzte.pdf (Abgerufen am 16.7.2013)


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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