Zwillinge im Mutterleib (Ultraschallbild, gekennzeichnet mit „A“ und „B“): Normalerweise läuft alles gut
Obwohl eine Zwillingsschwangerschaft in den meisten Fällen ohne größere Probleme oder Komplikationen verläuft, gilt sie medizinisch gesehen als Risikoschwangerschaft. Für die werdende Mutter heißt das zunächst: engmaschigere Kontrollen und eine intensivere Vorsorge. Welche Risiken genau bestehen, hängt davon ab, ob sich die beiden Föten Plazenta und Fruchthöhle teilen oder nicht. Dies stellt der Arzt normalerweise beim Ultraschall zwischen der achten und zwölften Schwangerschaftswoche fest und trägt das Ergebnis in den Mutterpass ein. In manchen Fällen kann er es aber auch schon ab der fünften Woche erkennen.
Zwillingsschwangerschaften, bei denen jeder Fötus eine eigene Plazenta (dichorial) und eine eigene Fruchthöhle (diamniot) hat, sind in der Regel wenig problematisch. Lediglich das Risiko einer Frühgeburt ist gegenüber Einlingsschwangerschaften erhöht. Ungefähr ab der 24. Woche nimmt es zu. Weil die beiden Ungeborenen zwischen der 26. und der 28. Woche zusammen schon so viel wiegen wie ein einzelnes Kind bei der Geburt – also rund drei Kilogramm – steigt die Spannung auf die Gebärmutter an und vorzeitige Wehen drohen. Durchschnittlich kommen Zwillinge in der 37. Woche zur Welt – am besten in der Klinik, da ein etwas höheres Risiko für Komplikationen besteht.
„Meist geht aber alles gut. Die Kinder kommen etwas früher, die Geburt ist dafür aber leichter, weil die Kinder noch nicht so groß sind“, sagt Professor Franz Kainer, Leiter des Perinatalzentrums des Klinikums Innenstadt der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Das erste muss mehr arbeiten, weil sich der Muttermund erst noch weiten muss. Das zweite rutscht dann einfach hinterher“, weiß Kainer. Deshalb sei es auch kein Problem, wenn sich das zweite Baby in Steißlage befinde. Liegt dagegen das erste Kind mit dem Po nach unten im Bauch, ist meist ein Kaiserschnitt nötig.
In Fällen, in denen sich die Föten Plazenta und/oder Fruchthöhle teilen, können jedoch weitere Probleme in der Schwangerschaft oder bei der Geburt auftreten. Teilen sich die Föten eine Plazenta (monochorial), haben aber getrennte Fruchthöhlen, besteht die Gefahr des sogenannten fetofetalen Transfusionssyndroms (FFTS). Dabei kommt es zum einseitigen Blutaustausch zwischen den Ungeborenen: Das eine gibt Blut ab, das andere nimmt es auf. Als Folge steigt die Fruchtwassermenge von letzterem stark an. Unbehandelt kann dieser Zustand zum Absterben der beiden Föten führen. „Das Risiko eines fetofetalen Transfusionssyndroms beträgt bei eineiigen Zwillingen mit gemeinsamer Plazenta und getrennter Fruchthöhle rund zehn Prozent“, sagt Kainer. Erkennt und therapiert der Arzt das FFTS hingegen rechtzeitig, werden die Kinder in einem Großteil der Fälle gesund geboren. Die Behandlung besteht darin, die Gefäßverbindungen zwischen den beiden Föten mithilfe eines Lasers zu durchtrennen. Schwangere mit dieser Föten-Konstellation sollten deshalb alle zwei Wochen zur Kontrolle gehen.
„Bei Föten mit einer gemeinsamen Plazenta und nur einer Fruchthöhle scheint sich diese Gefahr dagegen über das gemeinsame Fruchtwasser auszugleichen und ist deshalb gering“, erklärt Kainer. Aber auch in diesem Fall sollte der Arzt den Zustand der Ungeborenen alle 14 Tage überprüfen – aus einem anderen Grund: Da sie sich in einer gemeinsamen Fruchthöhle (momoamniot) befinden, besteht das Risiko, dass sich die Nabelschnur des einen Fötus um den Hals des anderen schlingt. Dies ist lebensgefährlich für beide Ungeborene. Deshalb werden solche Kinder in der Regel zwischen der 32. und der 34. Schwangerschaftswoche mit einem Kaiserschnitt geholt.
Daniela Frank / www.baby-und-familie.de;
25.11.2011, aktualisiert am 27.07.2012
Bildnachweis: Mauritius/Science Faction
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