Drucken

Zwillinge: So entstehen sie

Gleich zwei Babys statt einem? Doppeltes Glück! Dass Sie Zwillinge bekommen, kann Gründe haben – aber auch purer Zufall sein. Ob sie eineiig oder zweieiig sind, ist bis zur Geburt oft nur schwer zu sagen


Eineiige Zwillinge entstehen (von rechts nach links): Die Eizelle wird befruchtet und teilt sich kurz darauf in zwei Keime

„Es werden Zwillinge!“ Diese Nachricht ist für betroffene Schwangere in der Regel eine Überraschung – meist eine sehr freudige. Viele fragen sich dann: Wie kommt es, dass gerade ich Zwillinge erwarte? Manchmal ist das purer Zufall. Bei eineiigen Zwillingen teilt sich die befruchtete Eizelle innerhalb von zehn Tagen in zwei Keime. Dieses Ereignis ist unabhängig von äußeren Einflüssen und tritt weltweit gleich häufig auf.


Oft die Ursache: Kinderwunschbehandlungen

Zweieiige Zwillinge entstehen dagegen aus zwei unabhängig voneinander befruchteten Eizellen. Ihre Zahl nimmt in den Industriestaaten stetig zu, weil kinderlose Paare sich immer häufiger Hormonbehandlungen und künstlichen Befruchtungen unterziehen. Die Behandlung mit dem follikelstimulierenden Hormon FSH führt dazu, dass mehrere Eizellen gleichzeitig heranreifen, und bei der künstlichen Befruchtung werden mehrere befruchtete Eizellen gleichzeitig eingepflanzt. Und auch das steigende Alter der Mütter spielt eine Rolle: Die Konzentration des FSH steigt mit dem Alter an und ist mit 38 Jahren am höchsten. Weil in Studien eine familiäre Häufung zweieiiger Zwillinge entdeckt wurde, ist außerdem klar, dass eine genetische Anlage dafür besteht. „Wie das genau vererbt wird, wissen wir nicht“, sagt Prof. Dr. Franz Kainer, Leiter des Perinatalzentrums des Klinikums Innenstadt der LMU München. „Aber es kommt wohl über die Mutter.“


Häufigkeit von Zwillingen

Unter 1000 Geburten kommen rund 17 Zwillingspaare auf die Welt. Etwa vier davon sind eineiig – sie treten weltweit überall gleich häufig auf. In Deutschland sind unter 1000 Geburten ungefähr 13 zweieiige Zwillingspaare. Diese Zahl schwankt im Vergleich zu anderen Regionen der Welt stark, weil sie abhängig von genetischen Faktoren, dem durchschnittlichen Alter der Gebärenden und der Anzahl der Kinderwunschbehandlungen ist.


Entstehung: Eineiig oder zweieiig?

Reifen zwei Eizellen gleichzeitig heran und werden von verschiedenen Samenzellen befruchtet, dann entstehen zweieiige Zwillinge. Sie sind sich genetisch nicht ähnlicher als normale Geschwister. Eineiige Zwillinge dagegen haben ein identisches Erbgut. „Wie bei allem in der Natur können hier Ausnahmen auftreten. Unterschiede im Erbgut sind aber sehr selten“, sagt Kainer. Die Kinder haben das gleiche Geschlecht, dieselbe Blutgruppe und sehen sehr ähnlich aus.

Und wann erfährt die werdende Mutter dann, ob sie eineiige oder zweieiige Zwillinge erwartet? „Der Gynäkologe kann das nicht in jedem Fall feststellen“, sagt Kainer. Aus medizinischer Sicht entscheidend sei dagegen, ob sich die Föten Plazenta und Fruchthöhle teilen oder nicht. Denn daran kann der Arzt ablesen, welchen Risiken die Ungeboren möglicherweise ausgesetzt sind. Da zweieiige Zwillinge aus zwei Eizellen entstehen, hat jeder Fötus eine eigene Fruchthöhle (diamniot) und eine eigene Plazenta (dichorial). Dasselbe gilt aber für eineiige Zwillinge, wenn sich die Eizelle bereits kurz nach der Befruchtung teilt. Für den Arzt sehen im Ultraschall also beide Zwillingspärchen gleich aus.

Plazentaverhältnisse: Frühe Bestimmung wichtig

Teilt sich die Eizelle bei eineiigen Zwillingen vier bis sieben Tage nach der Befruchtung, haben die Föten eine gemeinsame Plazenta (monochorial). Sieht der Arzt die gemeinsame Platzenta auf dem Ultraschallbild, kann er aber trotzdem nicht immer sicher sein, dass es sich um eineiige Zwillinge handelt: „Auch wenn jeder der beiden Föten eine Plazenta hat, können diese später zusammenwachsen, sodass es so aussieht, als wäre es nur eine“, sagt Kainer. Das passiere oft nach der zwölften Woche, weshalb es wichtig sei, dass die Schwangere möglichst vor diesem Zeitpunkt genau untersucht werde. Denn wenn die Ungeborenen von Anfang an eine gemeinsame Plazenta haben, sind sie zusätzlichen Risiken ausgesetzt. Später lässt außerdem höchstens ein Blick auf das Geschlecht der Föten Schlüsse darüber zu, ob sie ein- oder zweieiig sind: Ist es unterschiedlich, handelt es sich um zweieiige Zwillinge. Im anderen Fall schafft ein Gentest nach der Geburt Klarheit.

Mit Sicherheit eineiig sind Zwillinge jedoch, wenn sie eine gemeinsame Fruchthöhle (momoamniot) und eine gemeinsame Plazenta haben. Dann hat sich die Eizelle mehr als acht Tage nach der Befruchtung geteilt, was aber sehr selten vorkommt. Teilt sie sich nach dem zwölften Entwicklungstag, entstehen siamesische Zwillinge. Die Wahrscheinlichkeit einer Geburt von siamesischen Zwillingen liegt jedoch bei 1:45.000. Ob Plazenta und Fruchthöhle einfach oder doppelt vorhanden sind, hält der Arzt im Mutterpass fest. Außerdem klärt er die Schwangere über die daraus resultierenden Risiken und mögliche Vorsichtsmaßnahmen auf.




Bildnachweis: Getty Images/Creative

Daniela Frank / www.baby-und-familie.de; erstellt am 11.11.2011
Bildnachweis: Getty Images/Creative

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages