Was tun bei vorzeitigen Wehen?

Harter Bauch, regelmäßige Kontraktionen – wie fühlen sich vorzeitige Wehen an? Und was hilft dann? Ein Gynäkologe und eine Hebamme erklären es
von Annett Zündorf, aktualisiert am 13.06.2017

Der Bauch wird hart: Noch normal oder schon vorzeitige Wehen?

Strandperle/ItStockFree/RYF

Zupft und zippelt es ungewohnt im Bauch, kommt bei vielen Schwangeren der Gedanke an vorzeitige Wehen auf. Und damit verbunden die Angst: Kommt mein Kind zu früh? Gerade Frauen, die das erste Mal ein Baby erwarten, reagieren oft nervös.

Dabei sind Bewegungen des Bauches und sogenannte Übungswehen ganz normal. Besonders ab der zweiten Schwangerschaftshälfte und verstärkt um die 31. und 32. Schwangerschaftswoche herum wird der Bauch immer wieder hart. Das sind Wachstumswehen. Die Gebärmutter dehnt sich stärker aus und kontrahiert häufiger, weil das Baby gerade einen Wachstumsschub hinlegt.

Bei hartem Bauch im Zweifel zu Arzt oder Hebamme

Diese typischen Kontraktionen können Mütter nicht immer von echten Wehen unterscheiden. "Wird der Bauch einmal in der Stunde hart, ist das noch kein Grund zur Sorge, wenn es nur drei bis vier Stunden andauert", sagt Ursula Jahn-Zöhrens vom Verband Deutscher Hebammen. "Halten die regelmäßigen Kontraktionen den ganzen Tag an oder wird der Bauch in kürzeren Abständen hart, sollten die Frauen zu einer Hebamme oder einem Frauenarzt gehen." Dann könnte es sich um Wehen handeln. Diese sind im Vergleich zu Übungswehen in der Regel auch erheblich schmerzhafter. Treten sie vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche auf, gelten sie als vorzeitig. Nach der 37. Woche kann die Frau abwarten, bis die Kontraktionen regelmäßig etwa alle fünf bis zehn Minuten kommen und dann in die Klinik fahren.


Wie stellen Arzt und Hebamme vorzeitige Wehen fest?

Bei Verdacht auf vorzeitige Wehen schreiben der Arzt oder die Hebamme ein 30-minütiges Wehendiagramm – das Kardiotokogramm, auch CTG genannt. "Mit dem CTG können wir genau erkennen, ob es sich bei den Kontraktionen um echte Wehen handelt", sagt Dr. Cahit Birdir, leitender Oberarzt der Abteilung Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Dresden. Oft ist es falscher Alarm und die Frau kann direkt wieder nach Hause gehen. Sind es aber echte Wehen, ertasten die Experten bei einer vaginalen Untersuchung, ob der Muttermund weich oder der Gebärmutterhals verkürzt ist.

Die akute Therapie bei vorzeitigen Wehen

Bei echten Wehen und einer drohenden Frühgeburt wird die Schwangere an ein Krankenhaus überwiesen und stationär aufgenommen. Sie bekommt wehenhemmende Medikamente, um die Geburt zu stoppen. Ist das nicht möglich, halten diese die Geburt zumindest etwas auf. Die Mutter bekommt dann ein Mittel zur Lungenreifung des Ungeborenen gespritzt, damit das Baby nach der Geburt selbstständig atmen kann. Aber das ist nur in wenigen Fällen notwendig. Strikte Bettruhe und wehenhemmende Medikamente reichen meist aus.

Manchmal gibt der Arzt zusätzlich Antibiotika – wenn der Muttermund verkürzt oder die Vagina mit Bakterien infiziert ist. "Wenn die Frau keine Wehen mehr hat und der Muttermund noch geschlossen ist, darf sie wieder nach Hause. Meist ist nach einer Woche alles okay", sagt Birdir.

Stess oft Ursache vorzeitiger Wehen

Trotzdem sollten Schwangere dann bis zum Ende der Schwangerschaft deutlich kürzer treten. "Vorzeitige Wehen sind ein Warnsignal", sagt Jahn-Zöhrens. Häufig leiden die Frauen unter zuviel Stress. Sie versorgen größere Kinder, wuppen Haushalt und Beruf, ziehen schnell noch in eine neue Wohnung oder streichen das Kinderzimmer. Manche haben Streit mit dem Partner oder Zukuftssorgen.

In diesen Fällen hilft vor allem eines: den Stress reduzieren. Auch, wer nicht ins Krankenhaus musste, sollte vorzeitige Wehen ernst nehmen. "Ein paar Tage Bettruhe, Massagen, Gespräche oder homöopathische Anwendungen helfen im akuten Fall", sagt Jahn-Zöhrens. "Vorzeitige Wehen sind kein dauerhaftes Problem." Aber um die restliche Schwangerschaft gesund zu bleiben, brauchen betroffene Frauen Entlastung. Welche Maßnahmen dabei helfen, ist individuell verschieden – zum Beispiel kann eine Haushaltshilfe eine Option sein. Jahn-Zöhrens empfiehlt zudem, den Bauch vorsichtig mit Wehenöl einzureiben. Die darin enthaltenen ätherischen Öle beruhigen.

Druck auf Gebärmutter und Entzündungen als mögliche Ursachen

Neben Stress kann ein simpler mechanischer Zusammenhang vorzeitige Wehen verursachen: Die Gebärmutter hält nur einen gewissen Druck aus. Ist sie überlastet, reagiert sie mit Wehen. "Eine häufige Ursache für vorzeitige Wehen sind Mehrlingsschwangerschaften", erklärt Birdir. Auch sehr dünne oder sehr übergewichtige Patientinnen bekommen häufiger Probleme. Bei ihnen drückt entweder das sehr feste Bindegewebe oder die Masse des Fettgewebes auf die Gebärmutter. "Diese Patientinnen behalten wir meist länger im Krankenhaus", sagt Birdir. Aber Schwangere, die lange liegen müssen, sind die Ausnahme. "Die häufigste Ursache für vorzeitige Wehen sind Entzündungen. Eine antibiotische Therapie kann helfen, um die Entzündungen zu beseitigen".

Aufhören zu arbeiten müssen die meisten Schwangeren wegen vorzeitiger Wehen laut Birdir nicht. "Wir empfehlen in der Regel, das Leben weiter zu führen wie zuvor", sagt er. "Das hängt aber natürlich auch davon ab, ob der Muttermund eröffnet oder verkürzt ist und ob die Patientin körperlich stark von ihrer Arbeit beansprucht wird."



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