Fruchtwasserpunktion (Amniozentese): Ein Pieks für mehr Sicherheit. Die Zahlen bedeuten: (1) = Mutterkuchen mit Chorionzottengewebe, (2) = Fruchtwasser, (3) = Nabelschnur
Zur genetischen Untersuchung des Ungeborenen stehen zwei Verfahren zur Auswahl: die Chorionzottenbiopsie und die Fruchtwasserentnahme, auch Fruchtwasserpunktion oder Amniozentese genannt.
Die Chorionzottenbiopsie wird in der 10. bis 12. Schwangerschaftswoche durchgeführt, und zwar entweder durch die Bauchdecke oder durch die Scheide. Als Chorion wird das Gewebe bezeichnet, das den kindlichen Anteil des Gebärmutterkuchens bildet; Chorionzellen sind nahezu identisch mit den kindlichen Zellen. Über einen dünnen Katheter wird etwas von diesem Gewebe abgesaugt und zur Erbgut- beziehungsweise Chromosomenanalyse verwendet. Vorteil dieses Verfahrens ist, dass man schon zu einem sehr frühen Schwangerschaftszeitpunkt das genetische Ergebnis vorliegen hat und entsprechend reagieren kann. Nachteil ist das höhere Risiko für eine Fehlgeburt von etwa 1 Prozent (1:100). Ob dies durch das Verfahren selbst bedingt ist oder daran liegt, dass die Maßnahme zu einem sehr frühen Zeitpunkt in der Schwangerschaft durchgeführt wird, ist unklar.
Die Fruchtwasserpunktion erfolgt dagegen in der 14. bis 16. Schwangerschaftswoche und hat ein Fehlgeburtsrisiko von 0,5 Prozent. Hierbei wird unter Ultraschallkontrolle mit einer dünnen Nadel Fruchtwasser aus der Fruchthöhle entnommen. Anschließend werden daraus die Zellen für die genetische Untersuchung angezüchtet.
Ob der Arzt eher die Chorionzottenbiopsie oder die Amniozentese (Amnion wird die das Kind umgebende Haut genannt) durchführt, hängt von seiner persönlichen Erfahrung und nach entsprechender Aufklärung natürlich auch vom Wunsch der Frau ab. Beide Verfahren werden heute nach Auffassung vieler Experten „gleichberechtigt“ durchgeführt und haben, wie beschrieben, ihre jeweiligen Vor- und Nachteile.
Prof. Dr. med. André Ahr, Experte der "Sprechstunde Schwangerschaft-Geburt-Stillen", in der Sie viele Fragen und Antworten rund um das Thema Schwangerschaft finden.
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Prof. Dr. med. André Ahr / surfmed / www.baby-und-familie.de;
04.01.2008, aktualisiert am 26.01.2012
Bildnachweis: W&B/Ulrike Möhle/Szczesny
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