Urlaub trotz Zika-Virus?

Wegen des Zika-Virus sind derzeit Reisen nach Mittel- und Südamerika für Schwangere gefährlich. Die USA warnt sogar vor Reisen nach Südostasien. Was Experten raten
von Simone Herzner, aktualisiert am 30.09.2016

Schwangere reisen besser nicht in Länder, in denen das Zika-Virus übertragen wird

istock/South Agency

Die Vorstellung ist für Schwangere entsetzlich: sich durch einen Mückenstich mit dem Zika-Virus zu infizieren. ­Häufig zeigen sich bei Betroffenen ­keine Symptome, manche leiden unter grippeähnlichen Beschwerden, Hautausschlag, Augen­entzündung. Nach ­wenigen Tagen ist die Infek­tion überstanden. Bei Ungeborenen kann das Zika-Virus schwere Schädel-Hirn-Fehlbildun­gen ver­ursachen (siehe auch Interview unten). Die Fotos der brasilianischen Babys mit Mikrozephalie, also zu kleinem Kopf, gingen um die Welt.

Zika-Virus: Hauptsächlich Mittel- und Südamerika betroffen

Die Weltgesundheitsorganisation rief Anfang Februar 2016 den globalen Gesundheitsnotstand aus, Auswärtiges Amt und Robert Koch-Institut raten Schwangeren von Reisen in die über 30 betroffenen Länder Mittel- und Süd­amerikas ab (aktuelle Infos beim European Centre for Disease Prevention and Control oder beim Robert Koch-Institut). Seit Juni 2016 gilt auch Miami in Florida als betroffen. Ende September hat die USA eine Reisewarnung für Südostasien herausgegeben. Die oberste US-Gesundheitsbehörde (CDC) nannte insbesondere Thailand, die Philippinen, Indonesien, Malaysia, Myanmar, Kambodscha, Vietnam, Laos, Brunei Osttimor und die Malediven. Auch Frauen, die planen, schwanger zu werden, sollten nicht in die Gebiete reisen, rät Prof. Dr. Regine Heilbronn, ­Direktorin des Instituts für Virologie an der Charité Berlin.

Sind Reisen in Europa gefährlich?

Für Europa besteht wenig Gefahr. Zwar wird es auch in Zukunft ­einige importierte Zika-Fälle durch Reisende geben, ­eine weitere Ausbreitung halten Experten jedoch derzeit für unwahrscheinlich. Das Zika-Fieber wird – ebenso wie Gelb- und Denguefieber – von infizierten Gelbfiebermücken (­­Aedes aegypti) übertragen, die es in Euro­pa nicht gibt. Zwar kann mög­­licherweise auch die asia­tische Tiger­mücke (Aedes albopictus) das Zika-Virus übertragen. Kleinere Vorkommen von ihr wurden bereits in ­Südeuropa gefunden, vereinzelt auch in Süddeutschland. Jedoch: Die Infektions­quelle für das Virus ist der Mensch selbst. In Euro­pa müsste also ­eine asiatische Tiger­mücke ­einen mit dem Zika-Virus infizierten Menschen stechen und die nun infizierte Tigermücke das Virus weiter verbreiten. Experten halten dies derzeit für unwahrscheinlich, ganz ausschließen ließe sich dies aber natürlich nicht.

In den Tropen lauern auch andere Infektionskrankheiten

Abgesehen von Zika: "Reisen in tropische Länder sind aufgrund der dortigen Infektions­krank­hei­ten für Schwangere ­immer ein ­Ri­siko", betont Regine Heilbronn. Für sie sei ein konsequenter Mückenschutz sehr wichtig. ­Lange, helle Klei­dung schützt etwa vor der tagaktiven Gelbfie­ber- und der asia­­tischen Tiger­mücke. Moskitonetze ­halten nachtaktive Stech­mücken auf Abstand. "Mückenschutzmittel sind in der Schwangerschaft nicht bedenkenlos zu empfehlen", so Heilbronn. "Außerdem wirken sie je nach Produkt unterschiedlich gegen bestimmte Insektenarten. Ich rate zu ­einer individuellen Beratung je nach Reiseziel."

Prof. Dr. Heymut Omran ist Neuropädiater und Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Univer­sitätsklinikum Münster

W&B/Privat

"Behinderungen können unterschiedlich ausgeprägt sein"

Drei Fragen an Neuropädiater Prof. Dr. Heymut Omran:

Herr Professor Omran, warum gilt eine Zika-Virus-Infektion im ersten Schwangerschafts­drittel als besonders gefährlich?

Die frühe Hirnentwick­lung des Fötus findet da statt. Je ­­früher das Virus in die Entwicklung eingreift, desto fundamentaler stört es diese und des­to gravierender sind die Folgen.

Wie greift das Zika-Virus in die Hirnentwicklung ein?

Man vermutet, dass es die Plazenta­schranke überwindet, sich im Hirn­­gewebe des Ungeborenen ausbreitet und es schädigt. Zika-Viren wurden ja bereits im Gehirn von Säuglingen nachgewiesen. Auch andere Erreger schädigen das Gehirn von Ungeborenen auf diese Weise, wie zum Beispiel die der ­Zytomegalie, Toxoplasmose oder Röteln.

Welche Behinderungen sind bei ­Kindern mit Mikrozephalie zu erwarten?

Die Größe des Gehirns entscheidet über die Größe des Kopfes. Darum leiden Kinder mit einer pränatalen Mikrozepha­­lie meist unter kognitiven Dysfunktio­­nen, also geistigen Behinderungen, die ganz unterschiedlich stark ausgeprägt sein kön­nen. Es gibt Kinder, die nie laufen oder sprechen lernen, genauso wie Kinder, die kaum Auffällig­keiten zeigen.


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