Übungswehen oder echte Wehen?

Was Wehen sind, können sich die meisten vorstellen. Aber Übungswehen? Und kann man die beiden verwechseln? Frauenarzt Dr. Klaus Doubek erklärt den Unterschied

von Daniela Frank, aktualisiert am 05.01.2017

Ein Ziehen im Bauch: Sind das Übungswehen?

Mauritius/Oredia

Herr Dr. Doubek, wann treten Übungswehen in der Regel auf?

Vereinzelt kommen sie mit Beginn der zweiten Schwangerschaftshälfte, insbesondere ab der 25. oder 26. Woche vor. Das ist aber bloß hier und da mal ein Zucken der Gebärmuttermuskulatur, unkoordiniert und wahllos. Später läuft die Aktivität koordinierter, das heißt in geordneter Abfolge, ab: Etwa ab der 32. Woche treten Übungswehen über die ganze Länge der Gebärmutter auf – von ihrem Scheitelpunkt bis hinunter zum Gebärmutterhals ziehen sich die Muskeln zusammen.

Wie fühlt sich das an?

Bei den Übungswehen wird der Bauch hart, ansonsten sind sie eigentlich schmerzlos. Manche empfinden sie als leichtes Ziehen, andere spüren überhaupt nichts. Das hängt einerseits vom persönlichen Empfinden und andererseits von den äußeren Umständen ab.


Dr. med. Klaus Doubek ist Frauenarzt vom Berufsverband der Frauenärzte e.V.

W&B/Privat

Untertags ist man zum Beispiel oft abgelenkt und bemerkt seltener etwas davon. Abends, wenn man zur Ruhe kommt und gemütlich bei gedimmtem Licht dasitzt, spürt man sie eher. Wenn eine Frau die Übungswehen nicht bemerkt, braucht sie sich aber keine Sorgen zu machen. Das kann sogar von Schwangerschaft zu Schwangerschaft unterschiedlich sein.

Welche Funktion haben sie?

Die Gebärmuttermuskulatur stimmt sich auf die Wehen ein – das ist wie bei einem Orchester, das übt. Die Muskeln trainieren die Signalübertragung, die Reizleitung zwischen den Muskelzellen. Später bei der Geburt müssen sie zusammen eine große Leistung erbringen. Es ist ein sinnvoller  Trainingsprozess –  auch ein Sportler wird keine 40 Wochen lang ruhen und dann plötzlich erfolgreich einen Marathon laufen wollen.

Wie kann die Frau den Unterschied zu echten Wehen erkennen?

Übungswehen sind nicht schmerzhaft. Die echten Wehen beschreiben Frauen als ziehenden oder stechenden Schmerz, der entweder im Rücken oder in Höhe des Schambeins beginnt. Er ist vergleichsweise heftig, sodass die Schwangere reflexartig mitatmet: Sie muss tief Luft holen – ähnlich, wie wenn man sich den Fuß stößt oder auf den Daumen haut. Meine Erfahrung zeigt: Frauen können das instinktiv unterscheiden. Sie dürfen darauf vertrauen, dass sie bei den richtigen Wehen spüren, worum es sich handelt.

Was tun, wenn die Wehen einsetzen?

Treten Wehen vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche auf, gelten sie als vorzeitig. Dann sollte die Frau sofort zum Arzt oder in die Klinik. Setzen sie nach diesem Zeitpunkt ein – also termingerecht – kann die Schwangere abwarten, bis sie regelmäßig mit zunehmender Tendenz kommen. Wenn die Frau ungefähr alle zehn Minuten ein bis zwei Wehen hat, bei denen sie reflexartig mitatmet, sollte sie in die Klinik fahren. Fühlt sie sich unsicher, kann sie ihre Hebamme, die Frauenärztin oder der Frauenarzt anrufen und sich beraten lassen. Bei einem Blasensprung oder anderen Komplikationen sollte sie sofort in die Klinik.



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