Schwimmen gilt als idealer Sport für Schwangere. Es entlastet Gelenke und Rücken und trainiert alle Muskelgruppen. Die Verletzungsgefahr ist gering
Früher zog man einfach so die Turnschuhe an und ging eine Runde joggen, stemmte im Fitnessstudio Gewichte oder spielte Volleyball. Mit dem positiven Schwangerschaftstest kommt bei vielen Frauen das große Zweifeln und sie hören mit dem Training lieber ganz auf. Auch Frauenärzte und Hebammen sind eher vorsichtig, was Sportempfehlungen in der Schwangerschaft anbelangt.
Doch mittlerweile gibt es immer mehr Untersuchungen, die zeigen, dass Training in der Schwangerschaft nicht schadet. Im Gegenteil: Es hat Vorteile. Aktive werdende Mütter leiden seltener an Rückenschmerzen, Krampfadern und Bluthochdruck, nehmen weniger zu und erkranken seltener an Schwangerschaftsdiabetes. „Sportliche Schwangere haben eine bessere Kondition als nichtsportliche. Das erleichtert ihnen die Geburt“, sagt Professorin Dr. med. Christine Graf, Sportmedizinerin an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Auch die Babys profitieren von fitten neun Monaten. So haben Kinder von trainierten Schwangeren eine bessere Stoffwechselproduktion und seltener Übergewicht.
Das Gerücht, werdende Mütter sollten sich lieber ausruhen, hält sich trotzdem hartnäckig. „Viele glauben, dass durch mechanische Reize wie Schaukeln beim Joggen oder Springen eine Frühgeburt ausgelöst werden kann“, erklärt Professor Dr. med. Frank Nawroth, Frauenarzt aus Hamburg. „Die Natur funktioniert aber nicht so. Frühgeburten werden vermutlich nicht oder nur selten durch mechanische Reize ausgelöst.“ Untersuchungen zeigen sogar, dass Neugeborene eine höhere Stresstoleranz haben, wenn sie im Mutterleib Erschütterungen ausgesetzt waren. „Bislang gibt es keine Studie, die einen schädigenden Effekt von Sport in der Schwangerschaft gezeigt hat“, sagt Nawroth.
Weniger einschränken, den Frauen mehr Freiheiten lassen – zu diesem Schluss kommen Mediziner, die sich mit dem Thema Sport in der Schwangerschaft auseinandergesetzt haben. „Man kann nahezu jeden Sport machen, bei dem es einem gut geht“, sagt Graf. Und auch gegen sportliche Neuanfänge spricht nichts. Nur bei Risiken wie Blutungen, vorzeitigen Wehen sowie verletzungsträchtigen Sportarten sollten Frauen vorsichtig sein und im Zweifel ihren Arzt fragen.
Wie intensiv Frauen trainieren dürfen, hängt davon ab, wie sportlich der Alltag vor der Schwangerschaft war. Im ersten Drittel können Geübte ihr Pensum in der Regel beibehalten. Je weiter die Schwangerschaft fortschreitet, desto sanfter sollten sie das Training gestalten. Der beste Taktgeber dafür ist das eigene Körpergefühl. Gynäkologe Nawroth rät seinen Patientinnen, auf ihren Körper zu hören. Denn gerade Sportlerinnen können die Belastung sehr gut einschätzen. Für Neulinge gilt: „Am besten wählt man sichere Sportarten wie Walken, Schwimmen oder Gymnastik“, so Sportmedizinerin Graf. Allen Frauen raten die Experten zu Bewegung – an mindestens vier bis fünf Tagen die Woche.
Im Check: Sportarten für Schwangere
Schwimmen & Aquafitness
Bewegung im Wasser gilt als idealer Sport für Schwangere, sowohl für Trainierte als auch für Einsteigerinnen. Im Wasser drückt der Babybauch nicht so nach unten, das entlastet die Gelenke. Gleichzeitig werden alle Muskelgruppen trainiert. Schwimmen und Wassergymnastik beugen Ödemen sehr gut vor und lindern Rückenschmerzen. Vor allem in den letzten Wochen ist Sport im Wasser sehr angenehm.
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Kraftsport
Gewichte dürfen auch werdende Mütter noch stemmen. Sie sollten jedoch geringere Widerstände, dafür mehr Wiederholungen wählen. Gezielte Übungen kräftigen Arme und Beine, stabilisieren den Rücken und beugen einem schwangerschaftsbedingten Hohlkreuz vor. Wichtig ist die richtige Atemtechnik, lassen Sie sich diese im Studio zeigen.
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Reiten
Werdenden Müttern wird häufig vom Reiten abgeraten, weil es angeblich den Beckenboden zu sehr festigt und die Geburt erschwert. Dazu gab es bislang jedoch keine Studie. Die weltweit erste Untersuchung hat die Universität München mit über 1800 Reiterinnen durchgeführt. Ergebnis: Reiterinnen haben keine schwierigeren Geburten und kein erhöhtes Frühgeburtsrisiko. Vom sportlichen Aspekt spricht also nichts dagegen. Allerdings: Jede elfte Frau fiel vom Pferd. Das Sturzrisiko lässt sich nie völlig ausschalten.
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Yoga & Pilates
Mit Gymnastik können auch bislang unsportliche Frauen gut beginnen. Wer schon länger übt, kann meist weitermachen und sich so bis zur Geburt fit halten. Yoga und Pilates werden häufig empfohlen, weil sie den Beckenboden trainieren. Das lindert Rückenschmerzen, erleichtert die Geburt und unterstützt die Rückbildung. Ab dem zweiten Drittel empfinden viele Schwangere Positionen in Rückenlage oder Umkehrhaltungen als unangenehm. Dann darauf verzichten. Wichtig: die geraden Bauchmuskeln nicht trainieren!
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Radfahren
Ein gutes Ausdauertraining für Schwangere, auch in den letzten Wochen, wenn Laufen und Gehen schwerfallen. Das Fahrrad trägt das Gewicht und entlastet die Wirbelsäule. Durch den wachsenden Bauch ändert sich auch der Körperschwerpunkt, und es fällt schwerer, die Balance zu halten. Deshalb sollte man nicht mit dem Mountainbike fahren. Zum Ende der Schwangerschaft ist ein Fahrrad mit niedrigem Einstieg angenehmer. Eine unfallfreie Alternative bietet das Rad-Ergometer zu Hause oder im Fitnessstudio.
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Joggen
Laufen mit Bauch? Das ist kein Problem für Trainierte. In den ersten drei Monaten dürfen sie laufen wie immer. Danach sollten sie ihr Tempo drosseln. Wichtig sind jetzt gute Schuhe, die einen festen Halt geben. Denn durch die Schwangerschaftshormone lockern sich die Bänder, und man kann leichter umknicken. Das zunehmende Körpergewicht belastet die Gelenke. Deshalb wechseln viele Läuferinnen spätestens im dritten Drittel zum Schwimmen oder Radfahren. Eine sanfte Alternative ist auch Walking.
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Ballsport
Am Anfang der Schwangerschaft können Trainierte problemlos weiter Tennis, Volleyball oder Badminton spielen. Wenn der Bauch wächst, wird es häufig beschwerlich. Außerdem werden die Bänder durch die Schwangerschaft stark gelockert, die Verletzungsgefahr steigt. Sportarten, die mit einem hohen Körperkontakt einhergehen wie Handball oder Fußball bergen ein besonders hohes Unfallrisiko.
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Schön mit Bauch
Viele Schwangere entwickeln Krampfadern oder Dehnungsstreifen. Hier kann Sport lindernd wirken. Denn wer aktiv ist, regt die Durchblutung der Haut an. „Schwangere, die zu Krampfadern neigen, sollten Kompressionsstrümpfe tragen“, rät Gynäkologe Frank Nawroth aus Hamburg. Gegen Dehnungsstreifen an Bauch, Beinen und Po können regelmäßige Zupfmassagen mit Pflegeöl helfen. Einfach eine kleine Hautpartie zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen, hochziehen, kurz halten. Nach dem Loslassen soll die Haut leicht gerötet sein, aber nicht wehtun. Sie können dazu Produkte mit Jojoba-, Calendula- oder Mandelöl verwenden.
Starke Extras
Werdende Mütter benötigen bestimmte Nährstoffe in größerer Menge. Dabei kommt es auf die richtige Dosis an:
Folsäure schützt das Ungeborene vor Neuralrohrdefekten (offener Rücken). Das Neuralrohr schließt sich bereits in der vierten Woche, ein Zeitpunkt, zu dem viele noch nicht wissen, dass sie schwanger sind. Dazu kommt: Durch die Ernährung lässt sich der erhöhte Folsäurebedarf kaum decken. „Deshalb sollte jede Frau mit Kinderwunsch ein Folsäurepräparat zu sich nehmen“, erklärt Daniela Much, Ernährungswissenschaftlerin an der Technischen Universität München. Die Dosis: 400 bis 800 Mikrogramm Folsäure täglich, ab etwa drei Monaten vor Schwangerschaftsbeginn.
Jod ist wichtig für die Schilddrüse. Ein Mangel kann zu geistigen und körperlichen Behinderungen beim Baby führen. Schwangere sollten deshalb jodreiche Lebensmittel (Seefische wie Hering, Makrele) essen. „Zusätzlich ist ein Supplement notwendig, da der Jodbedarf in der Schwangerschaft stark steigt“, so Much. Die Dosis: 100 bis 150 Mikrogramm Jod täglich.
Eisen wird zur Blutbildung benötigt. Durch eisenhaltige Nahrungsmittel (Rindfleisch, Lamm, Vollkornbrot) kann der Mehrbedarf ausgeglichen werden. Ein Zusatzpräparat sollten Schwangere nur auf ärztlichen Rat nehmen.
Magnesium ist wichtig für die Muskeln und Nerven. Über Vollkorn- und Milchprodukte, Geflügel, Kartoffeln und Bananen nehmen Schwangere die benötigte Menge Magnesium auf. „Sehr sportliche Schwangere neigen leichter zu Wadenkrämpfen. Sie sollten auf eine ausreichende Magnesiumzufuhr achten“, sagt Much. Fragen Sie Ihren Arzt nach der richtigen Dosis.
Peggy Elfmann / Baby und Familie;
10.10.2011
Bildnachweis: A1PIX/Marco Polo
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