20, 30 oder 40 – über das ideale Alter, eine Familie zu gründen
Das ideale Alter, um Mutter zu werden? Entscheiden Sie selber, ob das mit 20, 30 oder 40 ist
Ich war 14 Jahre verheiratet und bin nie schwanger geworden. Daher dachte ich, dass ich keine Kinder bekommen könnte. Das war aber kein Problem für mich. Meine Arbeit machte mir Spaß. Ich habe in einem großen Stuttgarter Geschäft dekoriert und eingerichtet. Und ich musste mich um meine drei Hunde kümmern.
Ich hatte ein tolles Leben, tolle Autos, tolle Reisen. Dann habe ich meinen jetzigen Mann Detlef (heute 35) kennen gelernt. Mit ihm kam eine neue Liebe und neues Glück. Und ich wurde schwanger. Es war ein komisches Gefühl, halb Freude, halb Schock. Aber irgendwie habe ich es immer geahnt: Wenn ich ein Kind bekomme, dann frühestens mit 40.
Ich hatte schon Ängste, etwa, dass dem Kind etwas fehlen könnte. Doch obwohl mir viele ins Gewissen redeten, habe ich keine Fruchtwasseruntersuchung oder Nackenfaltenmessung machen lassen. Ich bin zu jedem Vorsorgetermin gegangen. Da war immer alles in Ordnung. Das hat mir genügt. Die letzten vier Wochen der Schwangerschaft musste ich liegen. Ich hatte zu viel gearbeitet. Da hat mein Körper mir wohl gezeigt, dass es Grenzen gibt.
Mein Sohn Tim (heute knapp 2) kam nach dem errechneten Termin per Kaiserschnitt zur Welt, da er sich nicht in die richtige Position gedreht hatte. Was mir selbst am Ende der Schwangerschaft nicht klar war, war das Ausmaß, in dem ein Kind das Leben verändert. Vorher konnte ich immer alles selbst entscheiden und machen, was ich wollte. Nun war da ein Kind, das mir jede Minute vorschrieb. Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis wir uns zusammengerauft hatten, aber jetzt ist es sehr, sehr schön.
Ich habe nicht das Gefühl wie vielleicht jüngere Mütter, dass ich mit irgend etwas wieder loslegen müsste, wenn das Kind größer ist. Sicherlich möchte ich wieder arbeiten gehen. Aber es macht mir nichts aus, wenn ich Samstag abend zu Hause bin. Ich vermisse nichts, sondern genieße die Zeit mit Tim. Klar stecke ich Nächte, die ich nicht durchschlafen kann, nicht mehr so leicht weg wie jüngere Mütter. Ich merke, dass mein Körper mehr Zeit braucht, um sich zu erholen.
Doch ich denke, ich bin dafür gelassener. Ich mache mir keine Gedanken, ob ich vielleicht zu alt sein werde, wenn mein Sohn in die Pubertät kommt. Bis dahin kann so viel passieren. Und ich besitze viel Lebenserfahrung, die ich ihm weitergeben kann. Ich habe die Pubertät schon bei den Kindern von engen Freunden mitbekommen. Ich weiß, das ist ein Zustand, der vorübergeht. Vielleicht hat das auch etwas mit dem Alter zu tun: dass man Kindern dann in dieser schwierigen Phase eher zugesteht, so zu sein, wie sie sind.
Baby und Familie;
13.09.2005, aktualisiert am 27.06.2010
W&B/Christine Beckmann
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