20, 30 oder 40 – über das ideale Alter, eine Familie zu gründen
Jedes Lebensalter birgt Vor- und Nachteile für das Muttersein.
Über eines sind sich alle Mütter einig: Der Moment, in dem sie das erste Mal ihr Kind in den Armen halten, gehört zu den schönsten ihres Lebens. Und es ist der Beginn eines großen Abenteuers. Ein Abenteuer, mit dem es viele Frauen allerdings nicht sehr eilig haben. Jetzt ein Kind?
Bei dieser Frage entscheiden sich immer mehr erst mal fürs Vertagen. So zeigte eine Allensbach-Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums: Nur 29 Prozent der 25- bis 29-jährigen Frauen haben bereits Kinder. Anfang der 90er-Jahre waren es noch knapp 60 Prozent. Mittlerweile ist eine Mutter beim ersten Baby durchschnittlich 29,4 Jahre alt. 1975 lag dieser Wert in Westdeutschland noch bei 24,8, in Ostdeutschland sogar bei 21,8 Jahren.
Und heute? Bei mehr als der Hälfte aller Kinder, die in der heutigen Bundesrepublik geboren werden, ist die Mutter älter als 30 Jahre. Wer sich gegen diesen Trend entscheidet und sehr früh oder sehr spät ein Kind bekommt, hat oft mit Vorurteilen zu kämpfen. Müssen sich junge Mütter Anfang 20 mit dem Vorwurf herumärgern, sie seien nicht erwachsen genug für ein Kind, dürfen sich die Mütter über 40 anhören, sie seien zu alt und egoistisch – schließlich könnten sie ja fast die Großeltern sein.
BABY & Familie stellt drei Mütter vor, die in verschiedenen Lebensphasen ihr erstes Kind zur Welt gebracht haben. Ihre Erfahrungen zeigen: Jedes Alter kann das richtige für ein Baby sein. Experten erklären dazu, was eine Schwangerschaft im jeweiligen Alter bedeutet (Teil 2). Und: Was heißt eigentlich Risikoschwangerschaft? Lesen Sie, weshalb man auch mit 35 nicht automatisch zum biologisch alten Eisen gehört (Teil. 3). In der vierten Folge erklären wir, was es mit einer künstlichen Befruchtung auf sich hat. Im letzten Teil der Serie erfahren Sie, warum sich auch Männer oft Zeit damit lassen, Vater zu werden.
Mutter mit Anfang 20: Ivonne S.
Ich war 20 und mitten im Studium, als ich schwanger wurde. Das war ein richtiger Schock. Ich habe es am Anfang niemandem erzählt und die Schwangerschaft selbst verdrängt. Ich hatte unglaubliche Angst, fühlte mich dem Ganzen nicht gewachsen. Ich bin in ein tiefes Loch gefallen. Das hörte erst auf, als ich es meiner Familie erzählt habe. Sie haben alle super reagiert und sich mit mir gefreut. Genauso wie mein Partner.
Trotzdem musste ich erst mal weinen, als ich nach der Geburt aus dem Krankenhaus kam. Ich hatte einfach Angst, dass meinem Kind irgendetwas passiert. Vielleicht sind ältere Mütter da gelassener. Heute glaube ich, dass ich einen besseren Draht zu meinem Kind besitze als manch ältere Mutter, weil meine eigene Kindheit noch nicht so weit weg ist. Ich verstehe meine jetzt vierjährige Tochter viel besser, wenn sie Angst hat oder im Supermarkt trotzt, weil sie etwas nicht haben kann. Ich setze ihr durchaus Grenzen, aber vielleicht liebevoller und geduldiger. Ich lasse sie auch nicht schreien, wenn sie weint. Denn ich weiß noch, wie wichtig es für mich als Mädchen war, dass immer jemand da ist.
Meine Eltern unterstützen mich immer noch finanziell. Aber ich habe einen 400-Euro-Job. Und ich mag es beispielsweise nicht, wenn andere für mein Kind Sachen kaufen. Dann fühle ich mich entmündigt. Das ist einfach meine Aufgabe. Seit zwei Semestern studiere ich auch wieder. Wenn ich an der Uni bin, passt Leonis Vater auf sie auf. Er kann sich das zum Glück so einrichten. Ich denke, ich studiere zielbewusster als andere. Ich weiß, dass ich es für Leoni tue, damit es ihr gut geht. Wenn ich mit dem Biologie-Studium fertig bin, kann ich im Job durchstarten, dann ist Leoni aus dem Gröbsten raus. Andere beginnen dann erst mit der Familienplanung.
Sollte ich noch ein Baby bekommen, möchte ich auf keinen Fall älter als 30 sein, damit ich den Draht zu ihm nicht verliere. Ich möchte mein Kind nicht mehr missen. Ich würde es auf jeden Fall wieder so machen. Wenn Leoni morgens aufwacht und mich anlächelt, ist das einfach das Schönste.
Mutter mit Anfang 30: Simone R.
Heute bin ich glückliche Mutter von zwei Kindern. Doch den richtigen Zeitpunkt zu finden, eine Familie zu gründen, ist mir nicht leicht gefallen. Ich war als Diplom-Verwaltungswirtin bei der Post tätig. Meine Arbeit hat mir Spaß gemacht, ich hatte interessante Positionen, mit Personalverantwotung und Entscheidungskompetenz. Zuletzt war ich für ein Projekt bundesweit viel unterwegs. Als das Projekt dann zu Ende ging, war ich Anfang 30.
Für mich passte in diesem Moment alles zusammen. Mein Partner Dirk und ich waren bereits über zehn Jahre glücklich zusammen, und ich wusste, dass ich mit ihm Kinder haben wollte. Mit Mitte 20 hätte ich diese Sicherheit nicht besessen. So konnten wir unsere Jugend auskosten. Wir sind viel ausgegangen, in Urlaub gefahren und waren erst mal nur für uns selbst verantwortlich. Mit 30 hatte ich ausreichend Erfahrungen in meinem Beruf gesammelt, um eine Pause einlegen zu können, und mein Freund und heutiger Mann (37) hatte als EDV-Leiter ebenfalls beruflich Fuß gefasst. Das war für mich schon wichtig, damit die Familie finanziell abgesichert ist. Wir hatten ein Haus gebaut und so ein schönes Umfeld für unsere Familie geschaffen.
Als ich dann mit Lisa (heute 5) schwanger wurde, war ich 31. Ich hatte überhaupt keine Bedenken, dass das Kind krank sein könnte. Es war auch eine schöne Geburt, die recht schnell ging. Dennoch bedeutete es eine große Umstellung, plötzlich Vollzeit-Mutter zu sein. Ich habe zeitweise die Arbeit und die Kollegen vermisst. Heute bin ich sehr zufrieden. Wir haben uns auch bald für ein zweites Kind entschieden. Unser David ist jetzt drei Jahre alt, und ich bin noch nicht wieder berufstätig. Für die Zukunft könnte ich mir aber eine Teilzeitbeschäftigung vorstellen. Ich bin überzeugt, dass ich das kann. Hätte ich die Kinder zehn Jahre später bekommen, würde ich mich sorgen, den Wiedereinstieg vielleicht nicht zu schaffen.
Baby und Familie;
13.09.2005, aktualisiert am 27.06.2010
PhotoDisc/ RYF
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